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Vom Optimum weit entfernt Cloud-Dienste in deutschen Rechenzentren

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Unternehmenseigene Rechenzentren stoßen oft an Grenzen, beispielsweise bei der Hardware, die für bestimmte Workloads ungeeignet ist. Und auch nicht jede Firma kann es sich leisten, Überkapazitäten für Leistungsspitzen im eigenen Rechenzentrum zu unterhalten.

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Die Cloud könnte Rechenzentren leistungsfähiger machen, aber viele deutsche Unternehmen verzichten auf die Vorteile.
Die Cloud könnte Rechenzentren leistungsfähiger machen, aber viele deutsche Unternehmen verzichten auf die Vorteile.
(Bild: Rangizz, Fotolia)

Viele Unternehmen verzichten aber darauf, ihre Defizite dadurch auszugleichen, indem sie fremde Dienste in Anspruch nehmen, die auf die zu lösenden Aufgaben zugeschnitten und zudem aus Kostensicht besser skalierbar sind als zusätzliche Hardware. Laut Ergebnissen einer aktuellen Techconsult-Studie verzichten viele deutsche Rechenzentren trotz signifikanter Vorteile noch immer auf die Cloud. Somit kommt die Cloud-Nutzung in vielen Rechenzentren kaum aus den Startlöchern.

Die Cloud ist nur für ein Drittel der Firmen mit eigenem Rechenzentrum eine strategische Option. 20 Prozent verzichten lieber ganz.
Die Cloud ist nur für ein Drittel der Firmen mit eigenem Rechenzentrum eine strategische Option. 20 Prozent verzichten lieber ganz.
(Bild: Techconsult)

Nur bei etwas mehr als einem Drittel der 177 in der repräsentativen Rechenzentrumsstudie „Optimized Data Center“ befragten RZ-Betreiber nimmt die Cloud-Technologie einen höheren Stellenwert in der Unternehmensstrategie ein. Und das obwohl sie sowohl aus Betreibersicht für die Erbringung von Managed Services als auch aus Nutzersicht als additives Element in der eigenen Rechenzentrumsinfrastruktur eine wichtige Rolle einnehmen kann. 20 Prozent der Befragten ziehen Cloud-Dienste in ihrem strategischen Planungshorizont noch gar nicht in Betracht. Die fehlende strategische Etablierung des Cloud-Komplexes führt dazu, dass auch die konkreten Anwendungsmöglichkeiten eher unterdurchschnittlich umgesetzt sind. Dazu zählen die Flexibilität in der Ergänzung der eigenen Leistungen durch Cloud-Services sowie der Betrieb von Geschäftsapplikationen in Cloud-Umgebungen. Vor allem die Skepsis hinsichtlich geschäftskritischer Applikationen in der Cloud ist groß: Mehr als jeder Dritte der befragten RZ-Betreiber verzichtet darauf komplett; nur etwa ein Drittel betreibt geschäftskritische Applikationen in der Public bzw. Hybrid Cloud.

Azure sehr gefragt

Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen keine geschäftskritischen Applikationen aus der Cloud betreiben.
Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen keine geschäftskritischen Applikationen aus der Cloud betreiben.
(Bild: Techconsult)

Aktuell am häufigsten im Rechenzentrum eingesetzt wird der Cloud-Dienst Microsoft Azure. Das gilt sowohl für unternehmensinterne Rechenzentren, die zur eigenen Wertschöpfung genutzt werden, als auch für Colocation und Managed Service Provider. Am dominantesten behauptet sich Azure in den unternehmensinternen Rechenzentren gegenüber den anderen Anbietern. Bei Colocation und Managed Service Providern ist dieser Abstand weniger groß, das heißt Amazon Web Services (AWS), die Google Cloud Platform (GCP) und andere Anbieter kommen hier häufiger zum Einsatz als in internen Rechenzentren.

Nur wenige der Befragten gaben an, mehr als einen Cloud-Anbieter zu nutzen, das heißt Rechenzentrumsbetreiber versuchen die eigene Cloud-Landschaft möglichst homogen zu betreiben und sich auf die Produkte eines Anbieters zu spezialisieren. Das gilt wiederum vor allem für die unternehmensinternen Rechenzentren. Managed Service Provider hingegen nutzen bzw. stellen in vielen Fällen auch Cloud-Dienstleistungen von mehr als einem Anbieter bereit.

Gute physische Anbindung

Was beim größten Teil der Rechenzentren bereits gut oder sehr gut umgesetzt wird, ist die leistungsstarke und sichere Internetanbindung, die für viele Cloud-Szenarien Voraussetzung ist. Dazu gehört sowohl eine redundante Internetanbindung als auch die qualitative wie quantitative Leistungsstärke der Verbindung. Beide sind konkret und physisch klar definierbar. Dadurch ist auch grundsätzlich die Umsetzung aus der Managementperspektive eher unproblematisch. Allerdings steht dieser wie so oft das begrenzte IT-Budget im Weg.

Jedoch gilt es dabei auch zu bedenken, dass diese beiden Aspekte elementare Voraussetzungen eines effizienten und problemlosen Rechenzentrumsbetriebs darstellen, an denen nicht zu sehr gespart werden sollte. Fast die Hälfte der RZ-Betreiber ist mit der Qualität der Verbindung zufrieden und sieht diese gut oder sehr gut umgesetzt. Trotzdem hat aber fast jeder sechste Rechenzentrumsbetreiber regelmäßig mit Problemen wie zu geringer Bandbreite oder zu hoher Latenz zu kämpfen.

Ergänzendes zum Thema
Optimized Data Center Benchmark

Das spezielle Benchmark-Tool Optimized Data Center dient zum Überblick und zum Vergleich mit anderen Rechenzentren. Es verfolgt das Ziel, Server- und Rechenzentrumsbetreiber zu unterstützten, indem es für einen ganzheitlichen Überblick über das eigene Rechenzentrum sorgt. So können individuelle Schwachstellen ausgemacht und analysisiert werden.

Rund 160 verschiedene Gesichtspunkte aus den Bereichen Rechenzentrumsbetrieb, physische und virtuelle IT-Infrastruktur, Gebäudeinfrastruktur und externe Anbindung können dafür strukturiert im Onlinetool evaluiert und anschließend detailliert ausgewertet werden, um dann Anstoß und Basis für Diskussionen, Verbesserungsmaßnahmen und Marketingentscheidungen zu werden.

Die verschiedenen Angaben werden unmittelbar nach Beantwortung der Fragen zu einfach vergleichbaren Indizes aggregiert, die verschiedenen Referenzen wie der Größenklasse, dem Geschäftsmodell oder der Branche gegenübergestellt werden können.

Die Studie wurde von der Techconsult GmbH in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Anbieterlandschaft für Rechenzentrumslösungen erstellt. So trugen unter anderem Microsoft, Schneider Electric, FNT Software, Raritan und proRZ wertvolles Wissen rund um ihre jeweiligen Kernkompetenzen bei.

(ID:44162414)

Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de