Studie von Bain & Company

Wie die Cloud KMU zu Big Playern macht

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Viele KMU haben den Nutzwert von Cloud-Plattformen längst erkannt, viele weitere werden folgen, so eine Studie von Bain & Company.
Viele KMU haben den Nutzwert von Cloud-Plattformen längst erkannt, viele weitere werden folgen, so eine Studie von Bain & Company. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

Eine aktuelle Studie von Bain & Company legt dar, wie Mittelständler durch die Nutzung der Cloud ihre geringe Größe vertuschen und mit den Global Playern mithalten können. Die Konzerne ihrerseits können die Cloud dazu einsetzen, ähnlich nahe wie KMU an die Kunden heranzukommen.

In den nächsten Jahren wird sich die Unternehmenslandschaft stark verändern. Das ist für sich genommen noch keine Neuigkeit, die Studie „The Firm of the Future“ der Managementberatung Bain & Company verrät uns aber auch noch, wie genau das von Statten gehen wird. Und wie sich kleine und mittelständische Firmen mit Hilfe der Cloud gegen die großen Tiere in der Branche wehren können.

„Das Unternehmen der Zukunft ist sehr schlank, weitgehend selbstorganisiert und stark vernetzt mit anderen Firmen“, so Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company. „Neben seinem aktuellen Geschäftsmodell entwickelt es parallel ein zweites oder drittes für die Zukunft.“ Seiner Meinung nach bedeutete Unternehmensgröße bisher mehr Ertrag und höhere Profitabilität durch Skaleneffekte. Sie stand zugleich aber auch für eine geringere Kundenzufriedenheit. Für kleine Unternehmen gelte das genaue Gegenteil.

Diese Unterschiede würden durch digitale Technologien mehr und mehr aufgehoben, so Sinn. So seien kleine Firmen heutzutage in der Lage, ihre Größennachteile mittels Cloud-Plattformen wie Amazon Web Services auszugleichen.

Aber auch den großen Unternehmen verspricht Bain & Company Abhilfe bei einem ihrer Kernprobleme: der mangelnden Kundenzufriedenheit – man denke nur etwa an die eigenen Erfahrungen mit großen Telekommunikationsanbietern in Deutschland. Neue Technologien – allen voran die Cloud - und Analysetools machten es möglich, die Erwartungen der Kunden schneller und genauer zu erkennen.

Cloud-Plattformen erlaubten beispielsweise Sharing, Allianzen, Kooperationen und virtuellen Teams. So entstehen vielfältige Kooperationen, um gemeinsam zu forschen, zu produzieren oder zu vermarkten, so der Tenor der Studie. Das reduziere den Investitions- und Managementbedarf von KMU deutlich, sie würden gegenüber den riesigen Entwicklerteams von Konzernen wettbewerbsfähig. "Für das Top-Management heißt das, sich darüber klar werden zu müssen, was das Unternehmen in Zukunft in Eigenregie machen soll und kann", so Sinn.

Gewinnbringende Partnerschaften mit anderen Unternehmen sind laut Bain & Company das A und O für den Erfolg. Partner können auch Zulieferer, Kunden oder Wettbewerber sein. Um reibungslos zu funktionieren, müsse dieses Geflecht aktiv gemanagt werden. Natürlich via Cloud, wie sonst?

Viele KMU haben den Nutzwert von Cloud-Plattformen längst erkannt, viele weitere werden folgen – und den Absatz der Anbieter explodieren lassen. Bain & Company rechnet vor, dass sich die weltweiten Cloud-Umsätze bis 2020 auf 390 Milliarden Dollar verdoppeln werden. Damit machen Cloud-Technologien in wenigen Jahren rund 60 Prozent der IT-Umsätze aus, allen voran Public-Cloud-Lösungen. Dabei verwischten sich die Grenzen zwischen Infrastruktur- und Plattformdiensten sowie Software-as-a-Service in zunehmenden Maße, so Bain & Company.

Wie sehr Cloud ist Ihr Unternehmen?

Bain & Company belässt es aber nicht nur bei der Analyse, das Beratungshaus gibt den kleinen und mittleren Unternehmen auch einen Digital Readiness Survey an die Hand, mit dessen Hilfe sie ihren Standpunkt auf dem Weg hin zur totalen Digitalisierung – und damit hinein in die Cloud – festmachen können. So lassen sich Defizite identifizieren und weitere Schritte festlegen.

„Viele unserer Kunden ringen damit, sich für zukünftige Anforderungen zu rüsten“, sagt Elizabeth Spaulding von Bain & Company. „Dieses neue interaktive Tool gibt ihnen eine Basis für den Sprung in die Zukunft.“ Es beleuchte die Stärken und Schwächen eines Unternehmens und bietet Links zu weiteren hilfreichen Inhalten.

Basierend auf den Antworten durch eine Führungskraft ordnet der Survey ein Unternehmen in eine von fünf Kategorien ein:

  • 1. Die Isolierten. Alleine steht man sehr einsam im Marktumfeld. Lediglich 15 Prozent der isolierten Unternehmen sind in ihrer Branche finanziell führend.
  • 2. Die Geclusterten. Solche KMU haben ihre digitale Reise erst begonnen und müssen sich noch über ihre Ziele klarwerden.
  • 3. Die Vernetzten. Diese Unternehmen sind halbwegs digitalisiert und müssen sich am Riemen reißen, um das Potential der IT wirklich ausschöpfen zu können.
  • 4. Die Verbundenen. Hier hat sich die Digitalisierung auf das gesamte Unternehmen ausgedehnt – was sich auszahlt: Etwa 43 Prozent solcher Firmen sind in ihrer Sparte finanziell führend.
  • 5. Die Vollverbundenen. Diese Organisationen leben die Digitalisierung – in der Regel mit Erfolg: 63 Prozent Firmen sind in ihrer Sparte finanziell führend.

Sobald ein Unternehmen weiß, wo es auf dem Weg hin zur totalen Digitalisierung steht, kann es auch die notwendigen nächsten Maßnahmen erkennen. Diese müssen umgesetzt werden, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. „Der Digital Readiness Survey hilft Firmen dabei zu verstehen, wo und wie Sie die Digitalisierung zu einem festen Bestandteil ihrer Strategie machen können“, so Ouriel Lancry, eine Kollegin von Spaulding.

Das große Aber

Die Cloud und darauf laufende Sharing-Dienste reichen allerdings nicht, um KMU fit für die Zukunft zu machen, so die Berater. Um als Mittelständler wirklich handlungsfähig sein zu können, sei neben der Einführung neuer digitaler Technologien auch eine weitaus kürzere Reaktionsgeschwindigkeit vonnöten als heutzutage üblich. Dies betrifft nicht zuletzt die oft steilen Organisationsstrukturen, auch Hierarchien genannt. Zugleich benötigten die Mitarbeiter an der Kundenschnittstelle ein höheres Maß an Entscheidungsfreiheit als bislang. Hier wird der Ball also in eine nicht-technologische Ecke gespielt.

Die Weiterentwicklung des bestehenden Geschäftsmodells inklusive Einführung neuer Technologien und neu aufgestellter Mitarbeiterstrukturen müsse in kleinen Schritten angegangen werden. Nur so könne das Wachstum kontrolliert gemanaged werden. Zusätzlich rät Bain & Company zur Entwicklung eines alternativen Geschäftsmodells, das parallel zum bestehenden aufgebaut werden müsse. Nur ein zweites, neues Business erlaube revolutionäre Umsatz- und Gewinnsprünge. Idealerweise basiert auch dieses entscheidend auf der Cloud.

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