Offener Standard für das Management von Cloud-Infrastrukturen Was ist SECA – The Sovereign European Cloud API?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 6 min Lesedauer

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Aruba, Ionos und Dynamo, drei europäische Cloud Service Provider haben mit SECA eine offene API-Spezifikation speziell für das Management von europäischen Cloud-Infrastrukturen geschaffen. Ein Ziel der Initiative ist die Dienste- und Dateninteroperabilität zwischen verschiedenen europäischen Cloud-Anbietern.

The Sovereign European Cloud API (SECA) ist eine Initiative der Unternehmen Aruba, Ionos und Dynamo, die in Zusammenhang mit EuroStack steht. Ziel ist ein offener Standard für das Management von Cloud-Infrastrukturen.(Bild:  Zay Win Htai - stock.adobe.com / KI-generiert)
The Sovereign European Cloud API (SECA) ist eine Initiative der Unternehmen Aruba, Ionos und Dynamo, die in Zusammenhang mit EuroStack steht. Ziel ist ein offener Standard für das Management von Cloud-Infrastrukturen.
(Bild: Zay Win Htai - stock.adobe.com / KI-generiert)

SECA ist das Kürzel für „The Sovereign European Cloud API“. Es handelt sich um eine Initiative der drei Unternehmen Aruba (italienischer Webhosting-Marktführer), Ionos und Dynamo. Aruba und Ionos sind europäische Cloud-Anbieter, Dynamo ist ein virtueller Cloud-Service-Provider und Anbieter einer europäischen B2B-Cloud-Exchange-Plattform.

Offiziell vorgestellt wurde SECA im März 2025. Vorrangiges Ziel der Initiative ist es, die digitale Souveränität europäischer Unternehmen und öffentlicher Institutionen im Einklang mit den geltenden EU-Standards zu stärken. Um dies zu erreichen, stellt SECA einen offenen Standard für das Management von europäischen Cloud-Infrastrukturen zur Verfügung, mit dem souveräne und interoperable Cloud-Lösungen möglich werden.

SECA ist als offener Standard von allen europäischen Cloud-Anbietern nutzbar. Die Entwicklung wird von einer Community vorangetrieben, an der sich interessierte Parteien wie Cloud-Anbieter beteiligen können. SECA ist auch eine wichtige Grundlage für die EuroStack-Initiative. Das Ziel der EuroStack-Initiative ist es, eine offene, interoperable und souveräne digitale europäische Infrastruktur zu schaffen, die den kompletten Technologie-Stack abdeckt.

Den Cloud-Kunden ermöglicht SECA, Cloud-Services und Cloud-Ressourcen unabhängig vom Anbieter zu managen und zu nutzen. Workloads und Anwendungen werden interoperabel und lassen sich in den jeweils gewünschten Cloud-Umgebungen bereitstellen und betreiben.

Laut den Initiatoren ist die API produktionsreif. Sie ist als Open Source in der ersten Version verfügbar. Zertifizierungsprozesse sollen die Einhaltung von Sicherheits- und Compliance-Standards gewährleisten.

Ausgangslage für die Entstehung der SECA-Initiative

Der Cloud-Markt ist gekennzeichnet von einer starken Konzentration auf wenige große Anbieter. Viele europäische Cloud-Kunden setzen auf die großen Cloud-Player am Markt. Das sind vor allem die US-amerikanischen Hyperscaler Amazon, Microsoft und Google. Lange Zeit wurde das als unbedenklich empfunden. Zunehmende globale Risiken, die unsichere politische Lage und vor allem die aktuell unberechenbare US-amerikanische Politik haben aber zu einem Umdenken geführt.

Denn die starke Marktkonzentration bringt große Risiken mit sich und stellt europäische Cloud-Kunden zunehmend vor Herausforderungen. Durch die von den Cloud-Anbietern bewusst recht eingeschränkt gestaltete Interoperabilität entstehen technologische und organisatorische Abhängigkeiten. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist in der Regel mit hohen technischen Hürden und großem finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden. Aufgrund dieser Abhängigkeiten können die Cloud-Anbieter die Preise nach ihren Vorstellungen gestalten und die Kunden müssen mangels Alternativen zahlen.

Weitere Risiken bestehen für die bei den Cloud-Anbietern gespeicherten Daten. Die strengen europäischen Datenschutzvorgaben der DSGVO werden von ausländischen Cloud-Providern nur sehr eingeschränkt beziehungsweise gar nicht erfüllt. US-amerikanische Cloud-Anbieter müssen beispielsweise den amerikanischen Behörden unabhängig vom physischen Speicherort Zugang zu allen gespeicherten Daten gewähren. Für die Cloud-Kunden führt das zum Verlust der Hoheit und Kontrolle über die eigenen Daten. Das kann Datenschutzverletzungen oder andere auf sensible oder kritische Daten bezogene Risiken zur Folge haben. Auch rechtliche Auseinandersetzungen und Konsequenzen sind nicht auszuschließen.

Aufgrund der starken Abhängigkeiten von großen ausländischen Cloud-Anbietern sind zunehmend europäische Cloud-Alternativen gefragt. Die SECA-Initiative möchte mit der offenen, anbieterneutralen API für das Management von Cloud-Infrastrukturen zu souveränen europäischen Cloud-Lösungen beitragen.

Die Ziele der Sovereign European Cloud API

Offener Standard für das Management von Cloud-Infrastrukturen: das von den Service Providern IONOS, Aruba und Dynamo initiierte Projekt rund um die SECA API.(Bild:  © screenshot https://www.secapi.cloud/)
Offener Standard für das Management von Cloud-Infrastrukturen: das von den Service Providern IONOS, Aruba und Dynamo initiierte Projekt rund um die SECA API.
(Bild: © screenshot https://www.secapi.cloud/)

Die Sovereign European Cloud API soll zur Schaffung eines unabhängigen, widerstandsfähigen und souveränen europäischen Cloud-Ökosystems für Unternehmen und behördliche Institutionen beitragen. Cloud-Kunden sollen die volle Kontrolle über ihre Daten behalten. Zudem sollen die strengen europäischen Standards hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit eingehalten werden.

Das soll erreicht werden, indem SECA ein von einzelnen Anbietern unabhängiges Management von Cloud-Infrastrukturen ermöglicht und die Interoperabilität zwischen den Cloud-Diensten verschiedener Anbieter verbessert. Services oder Workloads sollen ohne Vendor-Lock-in nahtlos auf Plattformen beliebiger Wahl bereitgestellt und betrieben werden können.

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Welche Ziele verfolgt SECA?

Zusammengefasst verfolgt SECA folgende Ziele:

  • Schaffung eines unabhängigen, widerstandsfähigen und souveränen europäischen Cloud-Ökosystems,
  • fairer, kostengünstiger Zugang zu Cloud-Diensten für Unternehmen und öffentliche Institutionen,
  • volle Kontrolle und Hoheit über die Daten,
  • Einhaltung der strengen europäischen Standards hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit und anderer regulatorischer Anforderungen,
  • Verbesserung der Interoperabilität zwischen den Plattformen und Services verschiedener Cloud-Anbieter,
  • höhere Flexibilität, Skalierbarkeit und Sicherheit von Cloud-Lösungen,
  • anbieterunabhängige Verwaltung und Nutzung von Cloud-Diensten und Vermeidung von Abhängigkeiten zu einzelnen Anbietern (kein Vendor-Lock-in),
  • Bereitstellung von standardisierten Schnittstellen für einen einfachen Zugang zu europäischen Cloud-Diensten,
  • schnellere und kostengünstigere Implementierung von cloudbasierten Lösungen dank standardisierter Schnittstellen,
  • Vereinfachung der Implementierung von Multicloud-Lösungen,
  • Erleichterung des Vergleichs verschiedener Cloud-Anbieter,
  • Vereinfachung der Testmöglichkeiten von Services und Funktionen bei verschiedenen Anbietern,
  • schnellere Einbindung neuer Cloud-Anbieter,
  • Bereitstellung grundlegender Elemente für die EuroStack-Initiative.

Architektur und Grundkonzept von SECA

Die Architektur der Cloud-Management-API SECA ist in eine Datenebene (Data Plane) und eine Kontrollebene (Control Plane) geteilt. Die Control Plane stellt die Managementschnittstellen bereit, mit denen sich die Cloud-Ressourcen bei den Anbietern erstellen und konfigurieren lassen. Über die Data Plane erhalten Kunden Zugriff auf die bereitgestellten Ressourcen und können so ihre Dienste nutzen.

Für die Kompatibilität der Control-Plane-API über verschiedene Anbieter hinweg sieht SECA einen gemeinsamen API-Server vor. Er dient als Frontend für sogenannte Delegatoren. Die Delegatoren übernehmen die Ressourcenbereitstellung und delegieren die eigentliche Implementierung an das vorgesehene Cloud-Service-Provider-Plugin (CSP), das mit der CSP-API kommuniziert.

Die Data-Plane-APIs sind für Abruf, Bearbeitung und Rückgabe der Daten (beispielsweise Abfrageergebnisse oder Antworten auf Datenmanipulationsanfragen) zuständig. Ihre Schemata sind hierfür variabel gestaltet. Die Data-Plane-APIs dienen innerhalb des Cloud-Ökosystems jeweils einem einzigartigen Zweck und fallen daher nicht in den Geltungsbereich der SECA-API.

Verwaltet und organisiert werden die Cloud-Ressourcen über einen strukturierten, ressourcenbasierten Ansatz. Er folgt einem deklarativen Ressourcenmodell vergleichbar mit Kubernetes. Die Ressourcen werden nach Servicelevel und Hauptmodellen wie Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) oder Software as a Service (SaaS) klassifiziert. Weitere Klassifikatoren sind Standort, Global, Regional, Zonal und Scope. Benutzer erstellen die Konfigurationen in einem deklarativen Format. Definiert sind die Ressourcen über Labels, Annotations, Extensions, Metadata, Spec und Status.

Die Plattform übernimmt gemäß der Konfiguration die automatische Orchestrierung, Skalierung und Selbstheilung der Ressourcen. Der Resource Lifecycle wird über Operationen wie Read (HTTP GET), Create (HTTP PUT), Update (HTTP PUT), Delete (HTTP DELETE), List (HTTP GET) und Action (HTTP POST) gemanagt.

Das SECA-Konzept beinhaltet auch eine API-Zugriffskontrolle. Mit ihrer Hilfe werden über Authentifizierungs- und Autorisierungsmechanismen die API-Zugriffsberechtigungen gemanagt. Die API-Zugriffskontrolle kombiniert Identitätsprüfung (Authentifizierung) mit Berechtigungsmanagement (Autorisierung) und bestimmt, wer auf die API zugreifen darf, wie der Zugriff gewährt wird und welche Aktionen ausgeführt werden dürfen. Das stellt sicher, dass keine unbefugten Datenzugriffe erfolgen, die API-Endpunkte vor Missbrauch geschützt sind und gesetzliche Anforderungen erfüllt werden.

Technisch werden zur Authentifizierung JSON Web Tokens (JWT) verwendet, die über eine JWT-Middleware validiert werden. Anfragen mit fehlenden, abgelaufenen oder ungültigen Token werden abgewiesen.

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