Billing Payment – Nutzen statt besitzen

Warum „Pay-per-Use“ neue Abrechnungssysteme erfordert

| Autor / Redakteur: Herbert Grab* / Florian Karlstetter

Warum es bei „pay per use“ mit Billing-Systemen mehr um nur das Bezahlen geht.
Warum es bei „pay per use“ mit Billing-Systemen mehr um nur das Bezahlen geht. (Bild: © ipopba - stock.adobe.com)

Zu den großen Trends der Digitalisierung gehören flexible Nutzungs- und Preismodelle. Statt wie früher beispielsweise ein Auto oder eine CD zu kaufen, gehen Konsumenten immer mehr dazu über, Dienste nach Bedarf zu nutzen – und dann über ein ebenso flexibles Tarifmodell zu bezahlen. Doch diese Flexibilität bedeutet auch eine Veränderung bei der Abrechnung.

Herkömmliche Abrechnungssysteme sind für Pay-per-Use-Modelle in der Regel nicht ausgelegt. Doch der Markt bietet bereits gute Cloud-basierte Lösungen, die diese Funktionalitäten „out of the box“ mitbringen.

Ein neues Mindset

Netflix oder Amazon Prime machen es vor: flexible Angebote, die perfekt auf die Wünsche des Verbrauchers im digitalen Zeitalter ausgerichtet sind. Sie zielen nicht darauf ab, Produkte zu verkaufen, sondern in Form eines Dienstes anzubieten. Die langfristige Bindung des Kunden wird durch eine permanente Verbesserung des Dienstes und flexible Preismodelle erreicht.

Die Unternehmen reagieren damit auf ein verändertes Mindset der Verbraucher, das sich die letzten Jahre etabliert hat. Zu den wesentlichen Gründen für diesen Wandel gehört, dass unsere Welt immer mehr geprägt ist von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Hierfür hat sich die englische Abkürzung VUCA (für volatility, uncertainty, complexity, ambiguity) eingebürgert. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend in Zukunft weiter fortsetzen und noch verstärken wird.

Das führt dazu, dass sich Kunden immer mehr wünschen, Produkte und Dienstleistungen an ihre Bedürfnisse anzupassen. Eine Möglichkeit, darauf zu reagieren sind entsprechend flexible Nutzungs- und Tarifmodelle.

Vom Produkt- zum Serviceanbieter

Viele Unternehmen haben das erkannt und bieten beispielsweise „Pay per Use“ oder Subscription Modelle für ihre Kunden an. Insbesondere Softwareanbieter haben hier die Nase vorn.

„Der Trend macht aber auch vor traditionellen Industriezweigen wie dem Maschinenbau oder der Autoindustrie nicht halt“, weiß Zdravko Lucic, Experte für Billing und Payment beim Softwarehaus doubleSlash. „Autobauer bieten Fahrzeuge nicht mehr nur zum Kauf an, sondern auch in Carsharing-Modellen und vereinzelt auch schon im Abo-Modell – und das, obwohl das Auto bis vor kurzem als Statussymbol schlechthin galt.“

Auch Maschinenbauer verkaufen künftig nicht mehr ihre Maschinen sondern deren Funktionalität. Der Kunde bezahlt für die Nutzung – und der Hersteller übernimmt die Verantwortung für das reibungslose Funktionieren seiner Geräte. Erste Leuchtmittelproduzenten wie Philipps bieten bereits „Pay per lux“ oder „Light as a Service“ an.

Und das ist lukrativ, denn der Servicegedanke rückt plötzlich in den Fokus. Für einen gut funktionierenden und flexiblen Dienst bezahlt der Kunde gerne. Und der Hersteller bindet ihn so länger an sich als mit einem einmaligen Verkauf, bei dem der Kunde an das Produkt gebunden ist, auch wenn sich seine Anforderungen ändern.

Nicht zuletzt hat dieser Trend auch zur Gründung vieler Unternehmen geführt, deren Geschäftsmodell von Grund auf nutzungsbasiert funktioniert. So bieten Streaming-Anbieter wie Spotify oder Netflix Musik, Filme und Serien in sogenannten Subscription Modellen an und vertreiben sie nicht mehr auf physischen Medien. Aufgrund der rasanten und weitreichenden Verbreitung dieser flexiblen Abo-Modelle wird immer häufiger von der „Subscription Economy“ gesprochen.

Der Wandel ist nicht nur für die Nachfrager von Vorteil, auch die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen ziehen Nutzen aus Subscription Modellen. Sie sind beispielsweise weniger abhängig von schwerer planbaren Einzelkäufen. Stattdessen können sie mit relativ gleichmäßigem, planbarem Umsatz rechnen.

Subscription Modelle erfordern Nutzungsinformationen

Allerdings ergeben sich durch den Wunsch nach Flexibilität auch zwei wesentliche Herausforderungen für die Anbieter.

Zum einen sind sie gezwungen, ihre Produkte ständig attraktiv zu halten. Schließlich soll der Kunde sie auch ohne restriktive Vertragsmodelle wie jahrelange Mindestlaufzeiten weiterhin nutzen. Und der Wettbewerb ist nur noch den berühmten Klick entfernt.

Es gilt also zweitens, Informationen über die Bedürfnisse des Kunden zu erhalten – und informiert zu bleiben, wenn diese sich ändern. Bei vielen Produkten werden dafür verschiedene Kanäle genutzt wie etwa ein Kundenaccount oder eine App, über die der Nutzer Feedback geben kann. Besonders interessant in diesem Zusammenhang sind auch digitale, vernetzte Dienste. Hier ist es für den Anbieter besonders einfach an Informationen zu kommen, indem das Nutzungsverhalten über die beim Server beziehungsweise in der Cloud auflaufenden Daten analysiert wird. Beispiele hierfür sind vernetzte Online-Dienste im Auto oder Streaming-Dienste, wie Netflix oder Spotify. Viele Cloudanbieter bringen bereits Tools für diese Analyse mit.

Smarte Rechnungsstellung ist gefragt

Zdravko Lucic ist Diplom-Informatiker und seit 2009 IT-Consultant bei doubleSlash. Mit seinem Team ist er insbesondere in den Bereichen Automotive und E-Mobility tätig. Hier beschäftigt er sich mit den Themen Billing und Payment, Subscription Management, vernetzten digitalen Diensten, Blockchain und Smart Contracts.
Zdravko Lucic ist Diplom-Informatiker und seit 2009 IT-Consultant bei doubleSlash. Mit seinem Team ist er insbesondere in den Bereichen Automotive und E-Mobility tätig. Hier beschäftigt er sich mit den Themen Billing und Payment, Subscription Management, vernetzten digitalen Diensten, Blockchain und Smart Contracts. (Bild: doubleSlash)

Die zweite Herausforderung liegt in der IT-Landschaft des Anbieters, genauer in den Abrechnungssystemen. Denn am Ende müssen die Services mit all ihrer Flexibilität für den Kunden auch smart abgerechnet werden.

In der „alten“ Welt der Einmaltransaktionen existierten die IT-Systeme analog der Aufgabentrennung von Marktanalyse, Produktentwicklung, Vertrieb und Finanzen getrennt voneinander. Die Transaktionsabläufe wurden statisch über diese Systemkette abgearbeitet. Traditionelle ERP- und CRM-Systeme bildeten hierbei die zentralen Säulen zur Abrechnung und Verbuchung.

„Mit der Komplexität und Funktionsvielfalt der neuen Modelle sind diese Systeme überfordert. Da gibt es unterschiedlichen Nutzungsszenarien und flexible Tarifmodelle, Rabatte, die automatisch ab einer bestimmten Nutzungsintensität greifen oder eine Fülle unterschiedlicher Anbieter, die am Ende übersichtlich in einer Monatsrechnung auftauchen müssen“, so Zdravko Lucic. Die für die Abrechnung der traditionellen Geschäftsmodelle eingeführten Systeme können diese Anforderungen meist nicht abbilden – oder eine Anpassung ist mit hohem Kosten- und Zeitaufwand verbunden.

Datenfülle überfordert herkömmliche Systeme

Auch der Umgang mit der riesigen Datenfülle, die servicebasierte Modelle generieren, ist für die Anbieter von nutzungsbasierten Services eine Herausforderung. Jede Mikrotransaktion erzeugt einen Datensatz. Wenn etwa ein hoch automatisiertes Fahrzeug mehrfach am Tag einen Service in der Cloud abruft, entstehen bei einer Million Fahrzeugen schnell mehrere Milliarden Datensätze pro Monat.

Auch hierfür sind herkömmliche Abrechnungssysteme meist nicht gewappnet. Solche Datenmengen und Kleinsttransaktionen lassen sich mit zunehmender Vernetzung nur über einen hoch automatisierten und kosteneffizienten Billing- und Payment-Prozess abbilden.

Subcription Anbieter stellen Funktionalität „out of the box“ bereit

Aus diesem Grund haben sich am Markt mittlerweile einige Anbieter für Abrechnungssysteme etabliert, die bereits viele der notwendigen Funktionalitäten „out of the box“ mitbringen. Dazu gehören zum Beispiel die Verwaltung verschiedenster Tarifmodelle, deren schnelle Änderung – und selbstverständlich auch ihre Abrechnung. „Diese Systeme lassen sich mit überschaubarem Aufwand in die bestehende IT-Infrastruktur von Unternehmen integrieren“, erklärt Zdravko Lucic. Dadurch, dass die Lösungen über die Cloud angeboten werden, können sie auch mit großen Datenmengen umgehen.

„Der Markt für Subscription Management Lösungen ist sehr agil“, so Lucic weiter. „Derzeit gibt es rund ein Dutzend große und viele kleinere Anbieter. Wichtig ist es also, sich vor der Einführung eines Systems die Anforderungen des Kunden und die beteiligten Geschäftsprozesse genau anzuschauen.“ Darauf basierend gilt es eine Lösung zu finden, die sich passgenau in die Systemlandschaft des Kunden integrieren lässt. „Die Lösung kann entweder aus der Anpassung der bestehenden Abrechnungssysteme bestehen oder einer Ablösung dieser Systeme durch ein Subscription Management System. Oder einer intelligenten Kombination aus Anpassung bestehender Systeme und dem Einsatz spezieller Subscription Management Lösungen.“

Lucic rechnet für die Zukunft mit einem massiven Wandel von Vertragsmodellen und Kundenbeziehungen. „Spätestens Ende des kommenden Jahrzehnts, vielleicht auch schon deutlich früher, werden solche Geschäftsmodelle unser Wirtschaftsleben dominieren.“ Die Experten von doubleSlash haben eine Checkliste erstellt, die bei der Auswahl des richtigen Subscription Management Systems unterstützt.

Der Autor: Herbert Grab ist freier Fachjournalist aus Reutlingen.

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