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Cloud-Partnerschaft T-Systems migriert geschäftskritische Workloads zu AWS

Autor: Michael Hase

Seit Kurzem arbeiten T-Systems und AWS eng zusammen. Gegenstand der Partnerschaft ist es, SAP-Systeme und andere geschäftskritische Anwendungen von Kunden in die Cloud zu bewegen. T-Systems erbringt dabei Beratungs-, Migrations- und Betriebsleistungen.

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Frank Strecker (l.), Cloud-Chef bei T-Systems, und AWS-Geschäftsführer Klaus Bürg adressieren gemeinsam das Marktsegment der Großkunden.
Frank Strecker (l.), Cloud-Chef bei T-Systems, und AWS-Geschäftsführer Klaus Bürg adressieren gemeinsam das Marktsegment der Großkunden.
(Bild: Michael Hase)

Die Stoßrichtung ist klar: T-Systems und Amazon Web Services (AWS) zielen mit ­ihrer Partnerschaft, die sie im November bekanntgegeben haben, auf das Großkundensegment. Die Dienstleistungssparte der Deutschen Telekom berät künftig große Unternehmen, die Workloads auf die AWS-Plattform bringen wollen, unterstützt sie bei der Migration und erbringt Betriebsleistungen für sie als Managed Service Provider. „T-Systems ist für uns ein wichtiger Partner, weil er uns insbesondere im Enterprise-Segment dabei hilft, neue Zugänge zu Endkunden zu bekommen und so unser Geschäft zu skalieren“, betont Klaus Bürg, Geschäftsführer bei AWS Deutschland.

Umgekehrt erweitert die Telekom-Sparte, die auch mit Microsoft zusammenarbeitet und eine IaaS-Plattform auf Open-Stack-Basis – die Open Telekom Cloud – betreibt, ihr Spektrum mit AWS in Richtung Multi-Cloud. Damit reagiert das Unternehmen auf einen wachsenden Bedarf bei seiner Kernklientel. „Unsere Kunden bei klassischen IT-Dienstleistungen stellen immer mehr und immer schneller auf Cloud-Dienste um“, berichtet Frank Strecker, als Senior Vice President für das weltweite Cloud-Geschäft von T-Systems verantwortlich. Oft seien sie dabei auf externe Unterstützung angewiesen. „Sie benötigen zusätzliche Expertise und Dienstleistungen.“

VMware und SAP

Im Mittelpunkt der neuen Partnerschaft stehen der Service VMware-Cloud auf AWS, der seit Juni in Deutschland verfügbar ist, und der Betrieb von SAP auf der Plattform des Hyperscalers. Beide Schwerpunkte drehen sich um die Bereitstellung von geschäftskritischen Applikationen in der Cloud. „Wir beobachten bei nahezu ­allen Unternehmen, dass ihre Cloud-Strategie eine neue Dimension annimmt und dass sie damit beginnen, klassische Enterprise-Anwendungen in die Cloud zu bewegen“, so der T-Systems-Manager weiter.

VMware-Cloud auf AWS ermöglicht es, ­beliebige Workloads, die lokal auf einer VMware-Infrastruktur laufen, ohne Modifikation in die Cloud zu migrieren. Damit allein schöpfen Kunden aus Sicht des Dienstleisters aber noch nicht das volle ­Potenzial aus. „Etwas von einer Plattform auf eine andere zu schieben, ist nicht der Sinn einer Migration in die Cloud“, erläutert Strecker. „Der Sinn liegt vielmehr darin, dass man von den Vorteilen der neuen Plattform wie Agilität und Skalierbarkeit profitiert, dass man ihre zusätzlichen Funktionen nutzt und dass man damit ­beginnt, die Applikation zu modernisieren.“ Der Experte sieht den Nutzen der Technologiepartnerschaft von AWS und VMware vor allem darin, dass sich Features aus „zwei starken Ökosystemen“ so miteinander verbinden lassen, dass für Kunden ganz neue Möglichkeiten entstehen.

Zwei starke Ökosysteme kommen auch zusammen, wenn SAP auf AWS betrieben wird. Die ERP-Software aus Walldorf wird von mehr als 80 Prozent der deutschen Großunternehmen eingesetzt, bei denen über die Jahre zumeist komplexe Applikationslandschaften entstanden sind. Bei der Migration von SAP-Workloads auf die Plattform eines Hyperscalers ergeben sich für einen Dienstleister andere Aufgaben, als wenn er komplett neue Szenarien erstellt, die von vornherein für die Cloud konzipiert sind. „Die spannende Herausforderung liegt für uns im SAP-Umfeld darin, Alt und Neu zusammenzuführen und Enterprise-Anwendungen, die nicht für die Cloud-Welt entwickelt wurden, auf die AWS-Plattform zu bringen.“

Nicht alles lässt sich dabei ohne Weiteres in die Cloud verschieben. Oft sprechen vertragsrechtliche, mitunter auch technische Gründe dafür, Workloads weiterhin On Premises zu betreiben, wie Strecker darlegt. „Wir werden es daher für lange Zeit mit hybriden Szenarien zu tun haben. Dabei kommt unsere Fähigkeit Komplexität zu managen ins Spiel.“

Schnelle Ergebnisse

T-Systems-Kunden werden nach Überzeugung von AWS-Manager Bürg deutlich davon profitieren, wenn sie ihre SAP-Landschaft in die Cloud erweitern. So können Unternehmen beispielsweise neue Anwendungen wesentlich schneller in Betrieb nehmen, da sie dafür keine Hardware beschaffen müssen. Und bei Applikationen, bei denen das Transaktionsvolumen stark schwankt, können sie die Ressourcen flexibel dem jeweiligen Bedarf anpassen. Infrastrukturkosten ließen sich auf diese Weise senken, resümiert der AWS-Deutschlandchef. Solche Potenziale werde der neue Partner künftig für seine Klientel erschließen. „Ihre SAP-Kompetenz, verbunden mit der Möglichkeit unserer Plattform, Ressourcen in Minuten bereitzustellen, versetzt die Kollegen von T-Systems in die Lage, sehr schnell greifbare Ergebnisse für ihre Kunden zu realisieren.“

Darüber hinaus können SAP-Anwender ihre Systeme in der Cloud einfach um Analytics-, Machine-Learning- oder IoT-Funktionen ergänzen, die auf der AWS-Plattform bereitstehen, wie Bürg weiter ausführt. Er erwartet, dass Unternehmen diese Möglichkeiten für sich entdecken und zunehmend nutzen werden. „Wir stehen erst am Beginn einer Entwicklung, in deren Verlauf auch komplexere und ­geschäftskritische Anwendungen immer häufiger in die Cloud migriert werden.“

Um für künftige Aufgaben gerüstet zu sein, hat T-Systems vor der Bekanntgabe der Partnerschaft mit AWS innerhalb von drei Monaten intern mehr als 100 System-Ingenieure zu zertifizierten Cloud-Architekten ausgebildet. Das soll aber erst der Anfang sein. Insgesamt strebt Strecker für den Dienstleister eine hohe dreistellige Zahl an AWS-Experten an. Die Herausforderung sieht er vor allem darin, möglichst schnell genügend Leute für dieses Geschäft fit zu machen.

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Über den Autor

 Michael Hase

Michael Hase

Chefreporter