Nachbericht SAP TechEd Barcelona

SAP bündelt Digitalisierungswerkzeuge in der Cloud

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Nico Litzel

In der Rolle des Raumschiff-Kapitäns James T. Kirk erklärt Björn Goerke, President SAP Cloud Platform und Chief Technology Officer bei SAP (in der Mitte), in seiner Keynote auf der SAP-Hausmesse TechEd, wie Unternehmen mit dem Innovationsportfolio SAP Leonardo erfolgreich in die Digitalisierung starten.
In der Rolle des Raumschiff-Kapitäns James T. Kirk erklärt Björn Goerke, President SAP Cloud Platform und Chief Technology Officer bei SAP (in der Mitte), in seiner Keynote auf der SAP-Hausmesse TechEd, wie Unternehmen mit dem Innovationsportfolio SAP Leonardo erfolgreich in die Digitalisierung starten. (Bild: SAP)

Digitalisierung war das Hauptthema der SAP-Hausmesse TechEd in Barcelona. Innovation verankert die SAP in der Cloud, während die stabilen etablierten Anwendungen überwiegend in den Rechenzentren der Unternehmen laufen

„Um in die Digitalisierung einzusteigen, benötigen Unternehmen zum einen Daten und zum anderen eine Plattform, auf der sie die Informationen mit den bestmöglichen Technologien analysieren können“, formuliert Björn Goerke, President SAP Cloud Platform und Chief Technology Officer bei SAP, die Marschrichtung. Die von der SAP favorisierte IT-Architektur umfasst zwei Ebenen: standardisierte Geschäftsabläufe in SAP S/4HANA und agile innovative Anwendungen in der SAP Cloud.

Innovationsbausteine wie Machine Learning, Internet of Things und Blockchain hat SAP unter der Dachmarke Leonardo gebündelt. Das technologische Fundament für SAP Leonardo ist die SAP Cloud. Mit dieser Strategie haben die Walldorfer ihren Marktangang stark gewandelt, wie PAC-Analyst Rüdiger Spies erläutert: „SAP Leonardo adressiert erstmals Geschäftsszenarien, für die eine SAP Business Suite oder SAP S/4HANA keine Voraussetzung sind. Der bisherige produktzentrierte Ansatz wandelt sich somit zu einer Plattform-Strategie.“

SAP VORA und SAP Data Hub integrieren Hadoop

Szenarien für das Internet of Things arbeiten häufig mit sehr großen Datenmengen. Diese werden schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht in SAP HANA gespeichert, sondern in einem Hadoop Data Lake. Die Analyse der Daten dort läuft aus SAP-Sicht mit SAP VORA und dem SAP Data Hub. SAP VORA indiziert die Daten im Data Lake, der SAP Data Hub ermöglicht es, die Daten aus Hadoop und die Informationen aus dem Data Warehouse in SAP HANA gemeinsam zu analysieren.

„Mit SAP HANA, SAP VORA und dem SAP Data Hub schaffen die Unternehmen eine konsistente und vertrauenswürdige Datengrundlage“, berichtet Goerke. „Auf diesem Fundament entdecken unsere Werkzeuge für maschinelles Lernen sowie andere Algorithmen bislang verborgene Zusammenhänge. Unternehmen können auf dieser Basis die für sie am besten passende Entscheidung treffen.“

Über die Cloud verschaffen sich Unternehmen laut Goerke systemübergreifend Zugriff auf ihre Daten: „Über die SAP Cloud Platform lassen sich beliebige IT-Systeme in die Cloud zu migrieren und erweitern sowie leistungsfähige Anwendungen schnell entwickeln. Damit Unternehmen diese Umgebung nicht selbst verwalten müssen, übernimmt SAP dies und kümmert sich um sämtliche Services. So werden Unternehmen agil und intelligent.“

SAP Data Custodian überwacht Datenzugriffe in der Cloud

Die Multi-Cloud-Strategie von SAP integriert Amazon Webservices, Microsoft Azure sowie die Google Cloud Platform. Im Rahmen einer Partnerschaft mit Google kündigt Goerke die Lösung SAP Data Custodian an. Unternehmen können damit Richtlinien für die Verschiebung der Daten nach Region zu definieren und die Einhaltung dieser Vorgaben mithilfe von Benachrichtigungen überwachen. Darüber hinaus erhalten sie Handlungsempfehlungen für die Problembehebung. „Mit SAP Data Custodian, dem SAP Data Hub und der Integration der Google Suite in SAP-Anwendungen bieten wir Kunden Transparenz, Offenheit und Sicherheit“, berichtet Brian Stevens, CTO von Google Cloud. „Wir können ihnen genau sagen, wann, warum und von wo aus jemand auf ihre aktuellen Daten zugreift. So wissen sie, dass ihre Daten wirklich sicher sind.“ SAP Data Custodian soll bis Ende 2017 verfügbar sein.

Um bei Cloud-Anwendungen den Provider wechseln zu können, empfiehlt Goerke Unternehmen den Einsatz von Container-Lösungen wie Cloud Foundry oder Kubernetes. Mit derartigen Containern könnten Programmierer Anwendungen einmal entwickeln, auf der SAP Cloud Platform implementieren sowie mit der Google Cloud Platform und AWS integrieren. „Wenn Sie Ihren Infrastrukturanbieter wechseln wollen, müssen Sie nur Ihre Microservices dort bereitstellen, wo Sie sie gerne hätten.“

Bildanalyse misst Werbewirkung bei Sportübertragungen

Wie Unternehmen sich dem Thema Machine Learning mit einer vordefinierten Lösung aus dem Leonardo-Portfolio nähern, demonstriert Goerke am Beispiel der Applikation SAP Brand Impact. Diese Lösung analysiert auf Basis der Bilderkennung Filmübertragungen von Sportereignissen und zeigt auf, wie oft und wie lange das Logo eines Sponsors zu sehen war.

Ein weiterer Innovationsbaustein von SAP Leonardo ist Blockchain, eine Technologie für dezentrale Transaktionsregister. „Blockchain eignet sich für Szenarien, in denen mehrere Parteien auf die gleichen Daten zugreifen und diese untereinander austauschen“, berichtet Dr. Tanja Rückert, President IoT und Digital Supply Chain bei SAP. „Die Informationen werden dabei von unterschiedlichen Parteien erstellt und ausgewertet.“ Blockchain sei zudem immer dann sinnvoll, wenn die Teilnehmer keine zentrale Instanz möchten, die das Netzwerk verwaltet, sondern jede Partei eigene Daten erstellen und nach dem Peer-to-Peer-Prinzip teilen möchte. Ein Anwendungsbeispiel dafür seien digitale Frachtbriefe in der Transportbranche.

Lizenz fürs Internet der Dinge ist noch ungeklärt

Bislang noch ungelöst ist die Frage der SAP-Lizenzen beim Internet of Things. Entwickelt ein Unternehmen intelligente Kühlgeräte, die auf Basis vorausschauender Wartung über SAP S4/HANA selbst einen Wartungsauftrag auslösen, braucht aktuell jedes Gerät eine Lizenz als SAP-Anwender. Das ergäbe keinen wirtschaftlich tragfähigen Business Case. SAP Technikchef Bernd Leukert hatte anlässlich der Technologietage der SAP-Anwendervereinigung DSAG im September angekündigt, noch in diesem Jahr ein Lizenzmodell zu präsentieren, das für derartige Anwendungsfälle passt.

Aktuell sind die technischen Vorarbeiten dafür allerdings noch nicht abgeschlossen. SAP entwickelt das neue Preismodell nach eigener Aussage mit Unterstützung der Anwendervereinigung. Eine auftragsbezogenen Pricing-Metrik für Order-to-Cash- und Procure-to-Pay-Szenarien soll beim Thema indirekte Nutzung für Klarheit sorgen, gleichzeitig sollen statische Lesezugriffe aus Drittanbietersystemen ohne Zusatzgebühren möglich sein. Von diesen Änderungen sollen rund 80 Prozent der Kunden profitieren.

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