Open Telekom Cloud

„OpenStack ist die beste Basis für Public Clouds“

| Redakteur: Florian Karlstetter

Argumente für OpenStack als technische Grundlage für die Public Cloud.
Argumente für OpenStack als technische Grundlage für die Public Cloud. (© jules - stock.adobe.com)

OpenStack ist die beste technische Grundlage für die Public Cloud: Davon sind Kurt Garloff und Sebastian Wenner, Cloud-Architekten der Telekom Großkundentochter T-Systems überzeugt. Im Interview verraten sie, warum sie dieser Ansicht sind – und warum Unternehmen, die noch davor zurückschrecken, dringend ihre Scheu ablegen sollten.

Herr Garloff, was haben Sie als studierter Physiker mit der Cloud zu tun?

Garloff: Ich wollte schon immer verstehen, wie die Dinge funktionieren. Und während meines Studiums habe ich dann meine Begeisterung für Computertechnologie entdeckt und angefangen, mich mit Linux zu beschäftigen. Das nutze ich seit 1994 und schon 1996 habe ich meine ersten Beiträge zum Linux Kernel geliefert. Später habe ich bei SUSE als Abteilungsleiter die SUSE Labs aufgebaut. 2011 kam der nächste Schritt, indem ich mich mit Cloud-Technologie und OpenStack auseinandergesetzt habe. Damit kam ich dann auch zur Telekom.

Und Sie, Herr Wenner, verfolgen die Entwicklung in der Branche gewissermaßen seit fast 20 Jahren?

Wenner: Ich habe 14 Jahre lang bei IBM gearbeitet; Open Source und Linux begleiten mich bereits mein ganzes Berufsleben. Vor etwas mehr als fünf Jahren bin ich dann zu T-Systems gewechselt, um mich dort im OpenStack-Bereich zu engagieren. So konnte ich von Anfang an bei der Entwicklung und dem Aufbau der Open Telekom Cloud – unserer Public Cloud auf Basis OpenStack – mitwirken.

Warum setzen Ihrer Ansicht nach aktuell überhaupt so viele Unternehmen auf die Public Cloud?

Garloff: Eine Private Cloud aufzubauen, kostet viel Zeit und Geld. Unternehmen müssen dafür vorab investieren. Sie benötigen die geeigneten Mitarbeiter und das Know-how, die Cloud aufzubauen, zu betreuen und zu warten. Zudem müssen sie sich auch schon im Vorfeld darüber im Klaren sein, welche Ressourcen sie überhaupt brauchen, wie viel Speicher und welche Infrastruktur. Das alles entfällt bei einer Public Cloud, da diese Aufgaben der Anbieter übernimmt und das Unternehmen nur das zahlt, was es auch tatsächlich benutzt. Trotzdem ist häufig noch Scheu vorhanden, denn viele Unternehmen stammen eher aus einem klassischen IT-Umfeld und fühlen sich mit einer Private Cloud schlicht wohler. Cloud Computing in der Public-Variante stellt viele Unternehmensprozesse und -strukturen in Frage. Daher denke ich, dass die Private Cloud nur ein Zwischenschritt ist, den Firmen machen, um die Technik zu verstehen und sich an sie gewöhnen.

Wenner: Eigentlich können wir unsere Kunden in zwei Gruppen teilen: Auf der einen Seite sind die Leute, die schon in der Cloud angekommen sind, sich damit auskennen und sie ihren Bedürfnissen entsprechend nutzen. Das ist der Idealzustand. Auf der anderen Seite gibt es die, die eher noch in der klassischen IT-Welt leben. Die müssen wir abholen und auf ihrem Weg in die Cloud begleiten.

Und wie sieht das konkret aus?

Sebastian Wenner, Technical Lead - Open Telekom Cloud bei T-Systems.
Sebastian Wenner, Technical Lead - Open Telekom Cloud bei T-Systems. (Bild: Alexander Weber / Deutsche Telekom)

Wenner: Es geht darum, Berührungsängste abzubauen. Zum Beispiel bei der Open Telekom Cloud. Und nicht nur die Angst vor Cloud-Technologie, sondern auch die Scheu vor einer Open-Source-Software wie OpenStack zu nehmen. Dabei kommt uns zugute, dass der Nutzer davon überhaupt nicht so viel sieht. Die Weboberfläche ist simpel, das macht den Einstieg leicht. Wer tiefer in die Technik eintauchen will, hat dazu natürlich auch die Möglichkeit. Aber das geht schrittweise, nicht von 0 auf 100. Außerdem gibt es vordefinierte Use Cases mit Referenzarchitekturen, die wir den Kunden zeigen. Anhand derer erschließt sich schnell der Mehrwert, warum es mehr Sinn ergibt, die Cloud bei uns im Rechenzentrum zu betreiben, als bei sich selbst.

Aktuelle Studien, beispielsweise von Crisp Research, empfehlen OpenStack auch für den Betrieb von Public-Cloud-Umgebungen. Wie sehen Sie das?

Kurt Garloff, OpenStack Cloud Architect bei T-Systems.
Kurt Garloff, OpenStack Cloud Architect bei T-Systems. (Bild: Alexander Weber / Deutsche Telekom)

Garloff: Meiner Meinung nach ist OpenStack die beste Basis für eine Public Cloud. Als Open-Source-Software ist sie anbieterunabhängig. Wenn Sie beispielsweise eine Microsoft-Cloud nutzen und dann aus irgendwelchen Gründen einen Strategiewechsel vollziehen, haben sie dank des proprietären Ansatzes ein Problem. Sie haben viele Ressourcen eingesetzt, etwa für die Datenmigration und so weiter, die nun verloren sind, da sie den Anbieter wechseln wollen. Mit OpenStack haben Sie dieses Problem einfach nicht. Sie haben, wenn Sie das wollen, immer die Option, Ihre eigene Cloud aufzusetzen oder aus verschiedenen anderen Anbietern zu wählen. Und die Investitionssicherheit wird durch die öffentlich einsehbaren, gut dokumentierten Schnittstellen weiter erhöht. Hier erwarten Sie einfach keine unangenehmen Überraschungen.

Manche kritisieren OpenStack als zu komplex. Macht die große Community das System am Ende nicht doch zu träge?

Garloff: Nein, die breite Unterstützung der Industrie ist ein klares Plus. Dadurch, dass das Projekt von so vielen verschiedenen Firmen getragen wird, entwickelt es sich schnell positiv weiter. Die Art, wie die OpenStack Community und die Foundation gemanagt werden, sorgt dafür, dass neue Technologien agil integriert werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die erst kürzlich hinzugefügte Container-Technologie. Sie ist jetzt auch Teil von OpenStack und Kunden, die auf Container setzen, haben die Chance, das innerhalb von OpenStack zu machen. Wie wichtig diese Community ist, zeigt sich außerdem in der täglichen Arbeit.

Und wie sind Ihre Kunden eingebunden?

Garloff: Wenn wir etwa eine neue Idee für einen neuen Service haben, den wir unseren Kunden anbieten möchten, könnten wir den schnell entwickeln und implementieren. Das tun wir aber nicht. Vielmehr starten wir eine Diskussion mit der restlichen Community, was die Lösung letztendlich viel besser macht. Dabei kommt etwas heraus, das nicht nur spezifisch bei der Open Telekom Cloud funktioniert, sondern ein offener Standard, den alle Kunden bedenkenlos einsetzen können. Das macht den Prozess nicht unbedingt schneller, aber das Ergebnis sehr viel besser. Und unsere Kunden wissen das zu schätzen. Zusätzlich kriegen wir von den Nutzern nicht nur positives Feedback, sondern auch mal einen Patch, um einen Teilbereich zu verbessern. So funktioniert der Community-Gedanke auch wieder mit unseren Kunden.

Wenner: Dank der Community kommen wir auch sehr schnell in den unmittelbaren Kontakt mit den Anwendern. Gleichzeitig können wir ihr auch dank unserer Expertise in Sachen Sicherheit und Datenschutz viel zurückgeben und OpenStack in dieser Hinsicht besser machen. Dieses Engagement hat die Community kürzlich mit der OpenStack-Gold-Mitgliedschaft für T-Systems gewürdigt.

Welche Bedeutung hat OpenStack für die Open Telekom Cloud?

Garloff: Eine große, zentrale Bedeutung. Als Open-Source-Standard mit offenem Entwicklungsprozess und einem zugänglichen und gut dokumentierten Quellcode bietet OpenStack unseren Kunden die Investitionssicherheit, die sie verlangen. Wir vereinen diese Zuverlässigkeit mit unseren Kompetenzen hinsichtlich Datenschutz und -sicherheit. Wir verstehen die Ansprüche, die europäische Kunden haben und garantieren hohe Standards nach deutschem Recht. Wir haben bei der Open Telekom Cloud eine Reihe an Sicherheitsmechanismen eingebaut, wie etwa Schutz gegen DDoS-Attacken. Auch OpenStack selbst bringt einiges mit, etwa eine Abschirmung durch Security Groups. Zusätzlich haben wir unsere Cloud gleich mehrfach zertifizieren lassen.

Wenner: Die Kombination aus Anbieterunabhängigkeit dank OpenStack, Datenschutz und -sicherheit nach deutschem Recht ist bei der Open Telekom Cloud einzigartig. Sicher gibt es auch andere Anbieter deutscher Clouds. Aber die haben nicht unser großes Cloud-Ökosystem im Hintergrund. Wir bieten die Public Cloud, aber eben nicht nur. Wir können auch Hybrid, Private und den gemanagten Betrieb. Das alles aus einer Hand zu bekommen, ist ein großer Mehrwert für Kunden.

Die Open Telekom Cloud hat auf der CeBIT 2016 Premiere gefeiert. Mittlerweile nutzen viele das Angebot. Wie sieht der klassische Open-Telekom-Cloud-Anwender aus?

Garloff: Den einen spezifischen Anwendungsfall gibt es nicht. Eigentlich können alle von der Public Cloud profitieren. Für große Konzerne ist es natürlich eine Überlegung wert, ihre eigene OpenStack-Cloud aufzubauen. Das ist für kleinere Firmen eher unrealistisch. Aber auch große Firmen mit ihrer eigenen Cloud benötigen vielleicht manchmal eine Public Cloud, um Lastspitzen abzufedern. Ich glaube, es hängt mehr davon ab, welche Technologie eine Firma einsetzen möchte. Wenn sie eine uralte Applikation weiter betreiben will, gibt es keinen Grund, auf die Cloud zu gehen. Wenn es darum geht, schnell und agil neue Anwendungen zu entwickeln und an den Start zu bringen, dann sind sie bei der Open Telekom Cloud genau richtig.

Ein Blick in die Glaskugel: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft von OpenStack aus?

Garloff: OpenStack wird weiter wachsen. Denn es ist so strukturiert, dass es neben dem Kernprojekt ganz viele weitere Projekte auf OpenStack-Basis gibt. Und diese werden auch in Zukunft immer mehr werden. Weil die Technologie einfach wächst und größer wird.

Wenner: Der Zusammenhalt ist definitiv eine Herausforderung. Aber ich denke, dass das auch andere Firmen erkannt haben. Gemeinsam mit ihnen können wir als wichtige Stakeholder dafür sorgen, dass sich das weiterentwickelt und OpenStack ein wichtiges Gegengewicht zu anderen proprietären Cloud-Anbietern bleibt.

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