LIVE + LiSoG + OSBF = OSBA

Open-Source-Verbände wachsen zusammen

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz * / Florian Karlstetter

Aufwind für die "Deutsche Wolke": die beiden großen Open-Source-Verbände bilden eine gemeinsame Interessensgemeinschaft, die Open Source Business Alliance (OSBA).
Aufwind für die "Deutsche Wolke": die beiden großen Open-Source-Verbände bilden eine gemeinsame Interessensgemeinschaft, die Open Source Business Alliance (OSBA). (© ktsdesign - Fotolia.com)

Die deutsche Open-Source-Gemeinde wird künftig durch einen einzigen Verband vertreten sein: Die Open Source Business Foundation (OSBF) und die OSB Alliance schließen sich zusammen. Ein weiterer Schritt, die Initiative zum Aufbau einer föderalen Cloud-Infrastruktur in Deutschland, die "Deutsche Wolke" voranzubringen.

„Die Ereignisse der letzten Monate haben jedem vor Augen geführt, wie wichtig Open Source für eine vertrauenswürdige IT und informationstechnische Souveränität ist.“ Diese Aussage von Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business (OSB) Alliance, findet sich in einer knappen Pressemitteilung, nach der seine Organisation und die OSBF ihre Vereinigung anstreben. Wenn außerordentliche Mitgliederversammlungen dem Plan zustimmen, wird es ab dem zweiten Quartal 2014 nur noch eine deutsche Open-Source-Interessenvertretung geben, die Open Source Business Alliance, kurz OSBA.

Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business (OSB) Alliance.
Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business (OSB) Alliance. (Bild: Univention)

Dass Ganten die Internet-Überwachung in diesem Zusammenhang erwähnt, lässt erkennen, wie sehr sich die Open-Source-Gemeinde durch die Snowden-Veröffentlichungen bestärkt fühlt. Die OSB Alliance hat auf ihrer Website in den letzten Monaten mehrfach betont, dass Open Source mehr Sicherheit verspricht. Dabei hat sie auch die verbreitete Angst vor Industriespionage durch Cloud Computing aufgegriffen und für das im Verein entwickelte Open-Cloud-Angebot „Deutsche Wolke“ geworben.

Der Prism-Skandal hat in den deutschen Open-Source-Verbänden die Diskussion belebt, sich auch organisatorisch stärker aufzustellen. Insidern ist bekannt, dass führende Vertreter beider Verbände nicht erst seit kurzem über Grundlagen eines Zusammenschlusses miteinander reden. Erste Gespräche gab es schon 2011, als sich der damalige Linux-Verband LIVE und die Linux Solutions Group (Lisog) zur OSB Alliance vereinten. Seither wurde in Mitgliederkreisen beider Organisationen immer wieder der Wunsch nach einer Fusion laut.

Richard Seibt, Vorsitzender der Open Source Business Foundation (OSBF).
Richard Seibt, Vorsitzender der Open Source Business Foundation (OSBF). (Bild: Richard Seibt)

Beide Vereinsvorstände haben jetzt einstimmig einen „Letter of Intent“ und einen „Entwurf für ein gemeinsames Leitbild“ beschlossen. Diese Dokumente zeigen an, dass die Verbände ihre durchaus unterschiedlichen Stärken zusammenführen wollen. Der OSBF-Vorsitzende Richard Seibt betont prompt: „Beide Organisationen ergänzen sich in idealer Weise zum Nutzen von Open Source.“

Die Unterschiede liegen im Detail

Bisher war festzustellen, dass sich beide Vereine bei grundsätzlich gleichem Ziel, der Förderung von Open Source, im Detail andere Positionen einnahmen. Bei der OSB Alliance stand quelloffene Software im Vordergrund. Anderen Open-Initiativen näherte sich der Verband mit Ausnahme des Themas Open Cloud erst spät, der Höhepunkt war die Veranstaltung „Open IT-Summit“ parallel zum LinuxTag 2013. Der deutlichste Unterschied betraf Softwarepatente, welche die OSB Alliance rundweg ablehnt.

Zur Patentfrage bezog die OSBF nicht Position. Das machte es Microsoft möglich, in ihr Mitglied und einer ihrer stärksten finanziellen Förderer zu sein. Auch die Forderung herstellerunabhängiger offener Standards vertrat die OSBF nicht so betont wie die OSB Alliance. So sollten technische Brücken für Interoperabilität, vor allem in Open Clouds, sorgen. Hier engagierte sich die OSB Alliance mit ihrer Working Group „Deutsche Wolke“ erheblich deutlicher an Open-Source-Prinzipien orientiert.

Konsortiale Softwareentwicklung

Dafür gelang der OSBF in drei anderen Punkten mehr: Sie bot IT-Anbietern und -Anwendern ein Coaching für eine Open-Source-Orientierung an, was sehr gut angenommen wurde. Sie initiierte im Rahmen ihres Arbeitsschwerpunkts „Konsortiale Softwareentwicklung“ (Cosad) mehrere erfolgreiche Open-Source-Projekte von Anwendern einer Branche. Am deutlichsten war in jüngerer Zeit, dass die OSBF neue Open-Initiativen organisatorisch unterstützte und ihnen eine Plattform bot.

Jetzt sollen also erklärtermaßen die verschiedenen Schwerpunkte unter einen Hut kommen. Das Wie ist noch offen; die OSB Alliance organisiert ihre thematische Arbeit in Working Groups (WGs), und so könnte es auch in Zukunft laufen, zumal es hier mit den WGs Bitkom, Public Affairs und Education schon Ansätze in Richtung stärkerer industriepolitischer Einflussnahme sowie Open Initiativen gibt. Das Spektrum der Working Groups wird sich sicherlich erweitern, was letztlich dazu beitragen dürfte, die Organisation öffentlich sichtbarer und politisch gewichtiger zu machen.

Offener, patentfreier Standard

Deutsche Wolke - Von der Initiative zum Showcase.
Deutsche Wolke - Von der Initiative zum Showcase. (Bild: Open Source Busines Alliance)

Gleichzeitig deutet nichts darauf hin, dass der Zusammenschluss grundsätzliche Positionen verwässern könnte. Im neuen Leitbild wird Open-Source-Software als Kern der Arbeit betont. Neue Open-Initiativen bis hin zu den Aspekten Hardware, Health, Music und Space sind genannt. In Sachen offener Standards orientiert sich die Organisation an den Definitionen der EU, und die sind recht rigide. Softwarepatente lehnen die Leitlinien als „substantielle Behinderung“ ab, bei bestehenden wird ihre barriere- und diskriminierungsfrei Nutzung gefordert.

Zitat aus dem Leitbild: „Die beste Grundlage, die wir anstreben, ist ein offener patentfreier Standard.“ Ob Microsoft das noch unterschreibt, ist die Frage. Für IBM, bisher ein verlässliches und finanziell wichtiges Fördermitglied der OSB Alliance, dürften diese Positionen okay sein. Die jetzt absehbare breitere Aufstellung der deutschen Open-Source-Gemeinde könnte durchaus auch in den Augen weiterer IT-Größen von Vorteil sein.

Der Autor

Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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