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Interview mit Kristian Raue, Gründer und CEO der Jedox AG Open Source macht Business Intelligence preiswert

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Florian Karlstetter

Die Einführung einer Business Intelligence-Lösung ist normalerweise mit einem hohem Investitionsaufwand verbunden. Dass es auch anders geht, erklärt Kristian Raue, Gründer und CEO der Jedox AG im Interview.

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Kristian Raue, Gründer und CEO der Jedox AG.
Kristian Raue, Gründer und CEO der Jedox AG.

CloudComputing-Insider: Wie entwickelt sich der BI-Markt und Jedox im speziellen?

Kristian Raue: Schon seit Jahren entwickelt sich dieser Markt mit einem jährlichen Umsatzwachstum von zehn Prozent und mehr. Selbst im schlechtesten Jahr 2009 waren es noch acht oder neun Prozent Plus. 2008 hatte Jedox 50 Prozent Wachstum, 2009 waren es 15, 2010 dann 35 Prozent, 2011 werden es 75 Prozent.

Wie entwickelt Jedox seine Produkte?

Raue: Jedox-Produkte werden ausschließlich von Jedox entwickelt, es gibt keine Community-Beteiligung. Die Open-Source-Version Palo unter der General Public License ist nach dem Quellcodestand zwölf bis 15 Monate dem Enterprise-Produkt Jedox hinterher. Dieses Premium-Angebot umfasst außer Service und Support exklusiv bestimmte Module, zum Beispiel die SAP-Schnittstelle.

Hat die Open-Source-Orientierung am Markt Vorteile gebracht?

Raue: Soweit die Zahlen bekannt sind, geben unsere proprietären Wettbewerber fast so viel Geld für Marketing und Vertrieb aus, wie sie an Lizenzzahlungen einnehmen. Bei Jedox betragen diese Kosten die Hälfte. Die Kunden werden durch andere Anwender auf das Produkt aufmerksam, sie arbeiten sich selbst mittels der Open-Source-Version in das Produkt ein. Die kontaktieren uns erst, wenn sie schon weitgehend vom Produkt überzeugt sind. Daher sind auch unsere Lizenzkosten im Durchschnitt 50 Prozent niedriger als bei den Wettbewerbern. Typischerweise wird Jedox zunächst auf der Fachbereichsebene eingesetzt und wandert von dort aus immer weiter nach oben.

Wie ist das Verhältnis zu anderen Open-Source-Anbietern in diesem Markt?

Raue: Es gibt Kooperationen. Wir haben eine sehr gute mit Jaspersoft in Sachen Reporting. Wir haben in Kundenprojekten viel mit Talend kooperiert, wenn es um ETL-Werkzeuge geht. Aber die Architektur der Lösungen ist gravierend unterschiedlich. Jaspersoft hat seine Stärke im On-line Analytical Processing, OLAP, wir eher bei In-Memory. Das sind so grundsätzlich unterschiedliche Technologien, dass man leider nicht viel Sourcecode gegenseitig austauschen kann.

Die Anfänge von BI lagen in OLAP. Das hat sich gründlich verschoben, und jetzt ist In-Memory angesagt. Um was geht es?

Raue: Das größte Problem bei BI-Systemen ist ihre Geschwindigkeit, mit der sie neue Szenarien durchrechnen. Dabei geht es um eine unglaublich große Menge von Zahlen. In-Memory-Technik hat den Vorteil, den Rechenaufwand auf Prozessor und Arbeitsspeicher zu konzentrieren und Festplattenzugriffe zu reduzieren. Seit einigen Jahren ist RAM sehr erschwinglich, aber meistens reichen vier oder acht Gigabyte. Der Mondrian-OLAP-Server, den Pentaho und Jaspersoft verwenden, ist weit verbreitet. Jedox wollte von Anfang an eine neue Technologiegeneration von BI-Produkten, nämlich In-Memory-Technik.

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