Interview mit Kristian Raue, Gründer und CEO der Jedox AG

Open Source macht Business Intelligence preiswert

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Dieser technische Ansatz ist seit Ende der 80er Jahre bekannt. Wohin geht die Reise jetzt?

Raue: In-Memory ist in der Tat nicht mehr State of the art. Man sollte seinen Blick auf die Grafikprozessoren, die GPUs, richten. Die haben sehr viel mehr Prozessorkerne und sind daraufhin optimiert, einfache Echtzeit-Berechnungen durchzuführen. Außerdem ist der Arbeitsspeicher der Grafikkarten inzwischen gigantisch und als Video-RAM zehnmal schneller als ein normaler RAM-Baustein. Wir sind weltweit die ersten und bisher einzigen, die mit GPUs arbeiten. Das ergibt dramatische Performance-Verbesserungen; wir sind gleich 300 Mal schneller als die BI-Technologie der Wettbewerber.

Aber der Anwender braucht erst einmal sehr teure Grafikkarten?

Raue: Nein. Jedox läuft auch auf einem Notebook mit ganz normaler CPU und ohne Grafik-Power. Aber das System skaliert. Wer befürchtet, dass die Rechenleistung seines Servers für eine unternehmensweite Nutzung von Jedox nicht ausreichen könnte, braucht nicht mehr als eine GPU für 2000 Euro.

Vom Umsatz her sind die Open-Source-Anbieter im weltweiten BI-Markt noch weit von Marktgrößen wie SAP, Oracle, IBM oder SAS entfernt.

Raue: Vom Umsatz schon, aber nicht technologisch. Jedox hat einen kompletten BI-Stack und ein Web-basiertes Frontend nicht nur für die Darstellung, sondern auch für die Verwaltung und Modellierung der Systeme. Wir haben ein vollständiges Mobile-Angebot. Auf BI-spezialisierte Marktanalysten wie BARC stufen Jedox als sehr innovativ ein. Und wir sind das nach Umsätzen am schnellsten wachsende BI-Unternehmen in Deutschland.

Was veranlasst zur Mobile-Orientierung?

Raue: Wir müssen den Kunden frühzeitig die Sicherheit geben, dass wir die Technik beherrschen, wenn sie vom Hype-Thema zum Mainstream wird. Wir haben uns auf Apple wie auf die Android-Welt ausgerichtet und dafür ein Frontend entwickelt. Es geht dabei vor allem um Ad-hoc-Analysen, die man online vom Pad-System aus startet.

Wie stellen Sie Sich auf den Trend zum Cloud Computing ein?

Raue: Der deutsche Markt ist da etwas langsam; in den USA ist es sonnenklar, dass alles auf Cloud und SaaS hinausläuft. Die Vorbehalte gegenüber der Cloud, vor allem in Sachen Datensicherheit, schwinden zusehends. BI-Systeme bergen höchst sensible Informationen eines Unternehmens. Aber auf Servern im Firmenkeller sind sie auch nicht sicherer. Wir bieten den Kunden die Möglichkeit, Jedox auf einem eigenen Server zu betreiben oder gehostet bei einem Dienstleister seiner Wahl. Wir überlassen es den Kunden, wie weit sie in Richtung Cloud gehen wollen.

Was sind die Perspektiven des BI-Marktes und für Jedox im Speziellen?

Raue: Das Wachstum von 10 bis 13 Prozent wird in den nächsten Jahren kontinuierlich weitergehen. Da ist keine Marktsättigung in Sicht. Im Gegenteil ist von „BI for the masses“ die Rede, was die Zahl der Anwender und die Anwendungsfelder angeht. Hinzu kommt Big Data: Die Menge der für Analysen verfügbaren Daten wächst ständig und rapide. Die verfügbare Technologie, In-Memory und GPUs, macht es möglich, Big Data in BI zu integrieren. Zunehmend aber kommt es auch auf Ergonomie an. Die Frontends müssen es einer größeren Zahl von Anwendern erlauben, die BI-Anwendungen selbst zu bedienen und schnell zum gesuchten Ergebnis zu kommen.

Bei Jedox gehen wir davon aus, ein Wachstum von 50 Prozent pro Jahr auf längere Zeit fortsetzen zu können. Wir haben dank Open Source die Möglichkeit, zu erträglichen Kosten auf der ganzen Welt unsere Position auszubauen.

Das Interview führte Ludger Schmitz, freiberuflicher Journalist in München.

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