Nachbericht Cloudfest 2018

Multi-Clouds – Die vierfache Transformation

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Elke Witmer-Goßner

Über dem Europa-Park in Rust gab es an einem Tag kaum Wolken, das Cloudfest im Dome hatte dagegen die Cloud fest im Blick.
Über dem Europa-Park in Rust gab es an einem Tag kaum Wolken, das Cloudfest im Dome hatte dagegen die Cloud fest im Blick. (Bild: © Oliver Schonschek, Insider Research)

Cloud-Events sind eine gute Gelegenheit, um sich einen Überblick über Trends und Entwicklungen im Cloud Computing zu verschaffen. Wir haben uns auf dem diesjährigen Cloudfest (ehemals World Hosting Days) im Europa-Park Rust verschiedene Lösungen und Anbieter angesehen, wobei sich viele Veränderungen abzeichneten.

„Your transformation is just beginning”, sagte Jacques Boschung, SVP Global Alliances and Telco at Dell EMC, in seiner Keynote auf dem Cloudfest 2018. Damit meinte er nicht nur, dass viele Unternehmen noch am Anfang ihrer digitalen Transformation stehen, sondern auch, dass es mehr gibt als die digitale Transformation. Jacques Boschung sprach von vier Transformationen, die sowohl die Unternehmen als auch das Cloud Computing insgesamt stark beeinflussen werden.

Neben der digitalen Transformation der Geschäftsprozesse und Business-Modelle findet auch eine Transformation der IT selbst statt. Unternehmen bauen nicht mehr ihre eigene Infrastruktur und kaufen Anwendungen, um sie dort zu betreiben. Stattdessen entwickeln sie eigene Applikationen und kaufen sich Infrastruktur-Services. Hierbei spielt die Automatisierung möglichst vieler IT-Prozesse eine entscheidende Rolle, da es nicht genug IT-Fachkräfte gibt. Hier kommt die dritte Transformation ins Spiel, die People Transformation. IT-Administratoren werden zu Service- und Produkt-Managern, denn sie bieten Cloud-Services für interne und ggf. externe Nutzer an. IT-Fachkräfte müssen also neue Blickwinkel und Kompetenzen entwickeln.

Nicht zuletzt die Security muss sich transformieren. Die Security-Transformation hängt insbesondere damit zusammen, dass Cloud Computing sich anders entwickelt hat, als man vor fünf Jahren noch dachte. Es sind nicht wenige große Clouds, sondern es kommen viele, kleinere Clouds hinzu. Zudem kommunizieren nicht „Anzeigegeräte“ mit Clouds, sondern in den Endgeräten stecken selbst viele IT-Ressourcen. Durch das Internet of Things (IoT) wird sich der Trend verstärken, Echtzeit-Anwendungen durch Edge Computing zu betreiben, in die Cloud gelangen zunehmend die Analyse-Ergebnisse und Archivdaten (Cold Data).

Wir haben uns diese und weitere Trends bei den Lösungen und Ausstellern auf dem Cloudfest 2018 angesehen.

Trend 1: Mehr Unterstützung für die Multi-Cloud
Die Zahl der kleineren Cloud-Provider wird steigen, Multi-Cloud wird der Standard der Cloud-Nutzung. Unternehmen werden neben den großen Cloud-Providern gerade für sensible Fälle der Cloud-Nutzung die Angebote ihrer ihnen bekannten IT-Dienstleister nutzen. Dazu müssen die kleinen Provider aber Unterstützung erfahren, denn auch sie verfügen oftmals nicht über die notwendigen Fachkräfte und Lösungen.
Passend hierfür sind Lösungen wie der Cancom BusinessCloud Marketplace, der es IT-Dienstleistern ermöglichen wird, ihre eigenen Cloud-Marktplätze (eigene Landing Page oder eigene Plattform mit Label) darüber anzubieten. Die Avi Vantage Platform bietet unter anderem Multi-Cloud Load Balancing, Self-Service für Cloud-App-Entwickler und Cloud-Automation für die Administratoren.
Cloudmatic unterstützt bei der Automatisierung der Bereitstellung virtueller Maschinen, Container und Load Balancer und erleichtert den Wechsel von großen Cloud-Anbietern hin zu den kleineren Cloud-Providern mittels entsprechender Schnittstellen. Ein weiteres Beispiel ist die Cloud Service Delivery Platform von ZeroStack, die speziell Cloud Service Providern bei dem Aufbau eines eigenen Offerings hilft, unter anderem durch Machine Learning als Unterstützung in der Cloud-Automatisierung.

Trend 2: Unterstützung der Datenportabilität und Cloud-Flexibilität
Die Cloud wird dynamischer und unterliegt laufend Veränderungen. Cloud-Nutzer wechseln ihre Cloud-Services, einerseits forciert durch ihre neuen Rechte wie das Recht auf Datenübertragbarkeit (Datenschutz-Grundverordnung, DSGVO / GDPR), die den Wechsel vereinfachen, andererseits auch durch das steigende Angebot an kleineren Cloud-Providern. Multi-Cloud führt also zu mehr Cloud-Dynamik.

Lösungen wie Audriga Online Storage Migration, Schnittstellen wie die bei Cloudmatic für die Cloud-Migration und Datenübertragungen jenseits des Internets zum Beispiel mit Fast LTA Silent Brick helfen dabei, die Cloud-Nutzung flexibler zu gestalten, also Daten zu übertragen und auch den Anbieter zu wechseln.

Trend 3: Unterstützung bei Fog Computing as a Service
Die Cloud bekommt zunehmend Ecken und Ränder, sprich die Bedeutung von Edge bzw. Fog Computing steigt. Auf dem Cloudfest präsentierte Sonm eine Plattform für Decentralized Fog Computing. Die Idee dahinter ist, dass überschüssige IT-Ressourcen auf Edge-Geräten (vom Server bis hin zu kleinen IoT-Geräten) über die Plattform angeboten und von anderen Unternehmen genutzt werden können, ein Fog-Computing-Marktplatz also.
Sollen geschäftskritische Anwendungen über die gebuchten Edge-Ressourcen betrieben werden, spielen Fragen wie der Edge-Standort, der Edge-Datenschutz und die Edge-Sicherheit eine entscheidende Rolle, ein Teil der eingangs genannten notwendigen Security-Transformation.
Cloud-Provider, die Überkapazitäten auf dem Fog-Computing-Marktplatz anbieten wollen, können sicherlich von ihren Cloud-Zertifikaten profitieren, da auch solche Merkmale wie Zertifizierungen den Interessenten über die Sonm-Plattform angezeigt werden sollen. Denkbar ist es auch, selbst in das Geschäft mit Fog Computing einzusteigen, zum Beispiel als Partner des Plattformbetreibers Sonm.

Veränderung macht Zukunft

Es zeigt sich: Cloud Computing unterliegt gegenwärtig einem deutlichen Wandel, getrieben von Compliance, Fachkräftemangel, Internet of Things, Edge Computing, Machine Learning / Automatisierung, um nur einige Punkte zu nennen. Doch es gibt bereits Lösungen, die diese Veränderungen in der Cloud begleiten wollen und können. Die Zukunft der Cloud ist vielschichtig, Cloud-Flexibilität ist entscheidend, um sich immer neu anpassen zu können.

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