Ein Wegweiser durch die Cloud-Modelle Multi-Cloud – Herausforderung für Netzwerker

Ein Gastbeitrag von Scott Beckford* 6 min Lesedauer

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Mit der zunehmenden Beliebtheit von Cloud Computing wandern immer mehr Unternehmen in die Cloud ab. Für viele Unternehmen ist die effiziente und kostengünstige Nutzung einer einzigen Cloud schon herausfordernd genug. Oft reicht diese eine Cloud aus, um das Business des Unternehmens zu betreiben.

Multi-Cloud-Betrieb kann auch erfahrene Netzwerktechniker vor Probleme stellen und erfordert daher ein gut durchgedachtes Design.(Bild:  jahidsuniverse - stock.adobe.com)
Multi-Cloud-Betrieb kann auch erfahrene Netzwerktechniker vor Probleme stellen und erfordert daher ein gut durchgedachtes Design.
(Bild: jahidsuniverse - stock.adobe.com)

Wenn die Unternehmen jedoch feststellen, dass ihnen etwas fehlt, der Betrieb einer einzigen Cloud nicht alle ihre Anforderungen erfüllt oder sie die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter reduzieren wollen, dann gehen sie häufig dazu über, eine Multi-Cloud-Strategie zu verfolgen. Das ist aber auch für erfahrene Netzwerktechniker eine anspruchsvolle Aufgabe.

Multi-Cloud ist ein Modell, bei dem mehrere Cloud-Service-Anbieter für die Bereitstellung von IT-Diensten durch ein Unternehmen genutzt werden. Es bietet einige Vorteile. Unternehmen vermeiden damit eine Abhängigkeit vom jeweiligen Anbieter und sichern sich eine hohe Verfügbarkeit der Services, sowie eine bessere Disaster-Recovery-Fähigkeit.

Oder sie picken sich einfach die in ihren Augen besten Angebote der einzelnen Cloud-Service-Anbieter heraus, beispielsweise Google für Künstliche Intelligenz (KI), Azure für Workplace-nahe Anwendungen und AWS für Unternehmensapplikationen. Aber Multi-Cloud macht nur bei ausreichender kritischer Masse Sinn, denn nur so kann der Kunde von den optimierten Volumenrabatten und den Verträgen profitieren.

Multi-Clouds bieten Vorteile und Herausforderungen zugleich

Der Einsatz von Multi-Cloud-Lösungen erzeugt eindeutig getrennte Applikationssegmente und reduziert die Abhängigkeit. Multi-Clouds brauchen mehrfach qualifizierte Support-Teams und gegebenenfalls mehrere Cloud Center of Excellendes (CCoEs), die sorgfältig aufzubauen sind. Mit cloud-übergreifendem Monitoring, entsprechenden Operations-Konzepten sowie passenden Security-Architekturen kann auch die Sicherheitsfrage gelöst werden, denn mehrere Clouds bedeuten eine vergrößerte Angriffsfläche. Die Datenschutz-, Verschlüsselungs-, Zugriffskontroll- und Datenklassifizierungsmechanismen sind für alle Clouds einheitlich anzuwenden und zu verwalten, denn nur so wird der unbefugte Zugriff oder Datenverlust verhindert.

Die Konnektivität über mehrere Clouds hinweg ist für erfahrene Netzwerktechniker eine herausfordernde Aufgabe und erfordert ein gut durchdachtes Design. Auch braucht die standardisierte Account-Bereitstellung und das dazugehörige Identitäts- und Zugriffsmanagement eine sorgfältige Planung, um eine gute Arbeitshygiene zu gewährleisten.

Zudem nehmen durch die Verwaltung der Compliance über mehrere Clouds hinweg die bestehenden Adhoc-Maßnahmen für DevSecOps-Teams deutlich zu. Nicht zuletzt sollte so in eine standardisierte Beobachtbarkeit investiert werden, dass die Support-Teams und die Geschäftsleitung zu jeder Zeit einen klaren und präzisen Überblick darüber bekommen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt geschieht oder geschehen ist. Das alles wirkt sich auf die Kosten aus, ist aber in der Regel gut investiertes Geld.

Ein Blick auf die Cloud-Modelle

Wer auf ein Multi-Cloud-Modell umsteigen will, kann aus architektonischer Sicht auf einige Möglichkeiten für das Betriebsmodell zugreifen, die unterschiedliche Vorteile und Herausforderungen mit sich bringen. Nicht diskutiert wird hier die schlechteste aller Cloud-Optionen, nämlich alles in jeder Cloud laufen zu lassen. Denn diese Option ist eine Verschwendung von Geld, Zeit und Ressourcen.

Die Auswahl des richtigen Multi-Cloud-Modells kann für ein Unternehmen schwierig werden. Es gibt im Großen und Ganzen diese Multi-Cloud-Modelle:

1. Einzel-Cloud

Nachdem sich ein Unternehmen für einen Hyperscaler entschieden und seine Daten und Prozesse in die Cloud migriert hat, gibt es viele Möglichkeiten, Anwendungen neu zu gestalten und zu überarbeiten, um die angebotenen Cloud-Native-Services optimal zu nutzen. Enge Integrationen von Cloud-Service-Provider (CSP)-spezifischen Tools bringen große Vorteile. Für viele Unternehmen sind aber die Hochverfügbarkeits- und Multiregionalen-Angebote der einzelnen CSPs ausreichend. Außerdem ist es viel einfacher, ein kleineres CCoE zu verwalten, wenn nur die Fähigkeiten und Zertifizierungen eines einzigen Cloud-Anbieters berücksichtigt werden müssen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Einzel-Cloud bietet einen einfachen Einstieg in die Cloud-Nutzung. Zudem kann ein Team, das sich mit Cloud-Native-Tools befasst, den geschäftlichen Nutzen der Umstellung auf die Cloud maximieren. Nachteilig ist jedoch die Tatsache, dass so eine Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter entsteht. Das kann sich beispielsweise auf die Kosten niederschlagen.

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2. Hybride-Multi-Cloud (Öffentliche-/Private-Cloud + On-Premises)

Das hybride Multi-Cloud-Modell ist zwar kein Multi-Cloud-Modell im eigentlichen Sinne von Hyperscalern, aber es umfasst eine Kombination aus Public Cloud, Private Cloud und lokaler Infrastruktur, um Geschäftsanforderungen zu erfüllen. Mit diesem Ansatz können Unternehmen die Skalierbarkeit und Flexibilität von Public Clouds nutzen und gleichzeitig die Kontrolle über sensible Daten und kritische Anwendungen in privaten oder lokalen Umgebungen behalten. So kann ein Unternehmen beispielsweise einen öffentlichen Cloud-Anbieter für nicht sensible Daten und Anwendungen, eine private Cloud für sensible Daten und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, sowie eine lokale Infrastruktur für geschäftskritische Workloads nutzen.

Vorteilhaft sind hier die geringen Daten-Latenzzeiten und die strenge Kontrolle über die Datenhoheit. Aber es entstehen hier doppelte Betriebskosten, denn dieser Ansatz erfordert immer noch ein Team vor Ort und alle damit verbundenen Kosten für den Betrieb eines Rechenzentrums.

3. Preferred-Cloud + Secondary-Cloud

Oft gibt es geschäftliche Gründe, die für die Nutzung einer sekundären Cloud für bestimmte Arbeitslasten sprechen. Dies kann der Fall sein, wenn eine bestimmte Funktion nicht verfügbar ist oder wenn ein Partner einer Drittpartei beteiligt ist. Workloads, die in der sekundären Cloud ausgeführt werden, werden oft auf der Basis von „Business Case Exceptions“ verwaltet.

In diesem Modell werden zum einen die Herstellerunterstützung für bestimmte Produkte sichergestellt und zum anderen die Datenübertragungskosten zwischen den Clouds reduziert. Aber es bedeutet auch einen doppelten Aufwand, denn die Aufrechterhaltung von zwei Landing Zones bedeutet, dass das Cloud-Team den Betrieb von zwei Clouds beherrschen muss.

Die Grafik veranschaulicht eine Beispielsituation, in der ein fiktives Unternehmen AWS als bevorzugte Single-Cloud gewählt hat und eine Multi-Cloud-Lösung mit den oben genannten Hyperscaler-Modellen (1, 3, 4, 5) anstrebt.(Bild:  Rackspace)
Die Grafik veranschaulicht eine Beispielsituation, in der ein fiktives Unternehmen AWS als bevorzugte Single-Cloud gewählt hat und eine Multi-Cloud-Lösung mit den oben genannten Hyperscaler-Modellen (1, 3, 4, 5) anstrebt.
(Bild: Rackspace)

4. Verteilte Workloads (Best of Breed)

Das Best-of-Breed-Multi-Cloud-Modell umfasst die Auswahl der besten Cloud-Services verschiedener Anbieter für unterschiedliche Anwendungen und für die Workload-Verteilung. Dieser Ansatz ermöglicht es Unternehmen, die einzigartigen Stärken verschiedener Cloud-Plattformen wie AWS, Azure, Google Cloud oder anderer Nischenanbieter zu nutzen, um spezifische Geschäftsanforderungen zu erfüllen. Unternehmen sichern sich damit höchste Flexibilität und können die Strategie für die Platzierung von Workloads an die eigenen Anforderungen anpassen. Herausfordernd ist hier der mehrfache Aufwand, denn in diesem Falle muss das Cloud-Team beispielsweise den gleichzeitigen Betrieb von drei Clouds beherrschen.

5. Active-Active-Multi-Cloud

Das Active-Active-Modell ist das am schwierigsten zu realisierende Modell, bei dem dieselbe cloud-unabhängige Arbeitslast über mehrere Clouds hinweg ausgeführt wird. Dieses Modell eignet sich gut für die Ausführung von containerisierten K8s-Arbeitslasten.

Dieses Modell ermöglicht eine nahezu Echtzeit-Umverteilung von Workloads nach festgelegten Kriterien, zum Beispiel „Follow the sun around the world“ mit grüner Solarenergie oder Snap-Instance-Preise. Allerdings ist es hier nachteilig, dass die Bindung an den Anbieter durch eine an Frameworks, Plattformen und Tools ersetzt wird und weiterhin eine Abhängigkeit existiert.

Multi-Cloud-Strategie vor -Lösungen

Wie immer auch die Entscheidung für ein Cloud-Modell ausfällt, sie sollte auf einer soliden Strategie aufsetzen, in der erläutert wird, wie die Nutzung der Cloud das Unternehmen unterstützen kann. Aus der Cloud-Strategie wiederum lässt sich eine Strategie für die Platzierung von Workloads ableiten, was bei der Entscheidung hilft, welche Workloads in welche Cloud gehen sollten. Hierfür ist eine Workload-Klassifizierung geeignet, in der Workload-Typen festlegt werden, die gleichartige Anforderungen (Compliance, Security, Verfügbarkeit, Funktionalität etc.) haben. Diesen Typen werden dann Landingzones auf den unterschiedlichen Clouds zugewiesen.

Um das zu leisten, sollte der Kunde eine Bestandsaufnahme all seiner Workloads durchführen, um diese zu kategorisieren. Rackspace bietet hier passende Services an. Sind die Workload-Kategorien definiert, müssen neue Workloads klassifiziert werden und werden dann mit den richtigen Rahmenfaktoren auf den für den Workloadtyp konfigurierten Landingzones deployed.

Grundsätzlich sind Multi-Cloud-Lösungen positiv und bieten viele Vorteile, aber die Unternehmen sollten die Risiken im Design und der Strategie mitigieren. Dabei kann Rackspace die entsprechende Unterstützung liefern. Mit einer Multi-Cloud erhalten Unternehmen eine größere Flexibilität, Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit, so dass sich das Unternehmen schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen und sein Wachstum vorantreiben kann.

* Über den Autor
Scott Beckford ist ein beratender Cloud-Architekt bei Rackspace Technology. Er verfügt über 25 Jahre IT-Erfahrung und kam zuvor aus dem Unix-Engineering-Bereich mit Schwerpunkt auf Infrastruktur und Sicherheit. Der Wechsel in die Cloud war für ihn ein natürlicher Schritt, und er arbeitet seit 2016 in diesem Bereich. In den letzten Jahren konzentrierte er sich auf die Cloud-Strategie und -Governance von Unternehmen und arbeitete in einer Vielzahl von Sektoren, darunter Banken, Wissenschaft, Automobil und Biotechnologie.

Bildquelle: Rackspace Technology

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