Strategie statt Chaos

Mit Teambuilding zur besseren Cloud-Architektur

| Autor / Redakteur: Chris Chelliah* / Florian Karlstetter

„Forming, Storming, Norming and Performing“ - mit der richtigen Strategie zur passenden Cloud-Architektur.
„Forming, Storming, Norming and Performing“ - mit der richtigen Strategie zur passenden Cloud-Architektur. (Bild: gemeinfrei (rawpixel / pixabay) / CC0)

Innovationen schneller umsetzen und Wettbewerbsvorteile erzielen: Das versprechen sich die meisten Unternehmen von der Cloud. Doch der Weg dorthin gestaltet sich oft steiniger als gedacht. Vermeintlich einfache Projekte werden zur Odyssee. Wenn der CIO die Cloud-Adaption nicht zentral steuert, laufen Implementierungen an der Unternehmensstrategie vorbei. Wie aber können IT-Verantwortliche die Kontrolle zurückgewinnen und den Weg in die Cloud erfolgreich meistern?

Es lohnt sich, einmal einen Blick auf Bruce Tuckmans Phasenmodell „Forming, Storming, Norming and Performing“ zu werfen. Eigentlich stammt es aus dem Bereich der Teamentwicklung und dürfte vielen IT-Verantwortlichen bekannt sein. Der US-Psychologe beschreibt darin die klassischen Phasen in einem Gruppenbildungsprozess vom ersten Kennenlernen über das Zusammenraufen bis hin zum gemeinsamen Arbeiten. Dieses Modell lässt sich aber auch gut anwenden, um den Weg in die Cloud besser zu meistern.

Konkret sieht das dann so aus:

Formen und Stürmen

Jedes Projekt beginnt mit einer Lern- und Evaluierungsphase. Der CIO hat jetzt die Schlüsselaufgabe, die Auswahl von Cloud-Providern und -Services zu leiten. Außerdem sollte er prüfen, welche versteckten Projekte es derzeit gibt, was sie für einen Mehrwert bringen und was nötig ist, um sie am Laufen zu halten. Welche Rechenleistung und wie viel Speicher brauchen sie?

Anschließend gilt es zu klären, was man außer Storage und Rechenpower für eine erfolgreiche Umsetzung noch benötigt. Was sind die Mindestvoraussetzungen? Was braucht man aus Sicht von Applikationsentwicklungs-Frameworks, Integration, Verwaltbarkeit, Sicherheit und Analytik? Diese Überlegungen sind wichtig. Die „You & IaaS“-Studie von Oracle unter 730 IT-Fachleuten zeigt, dass Unternehmen, die bei ihrer Cloud-Orchestrierung über Compute und Storage hinausgehen, erhebliche Vorteile erzielen. Sie arbeiten mit besserer Leistung und Verfügbarkeit und können so ihre Produktivität steigern. Mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte gibt an, dass Infrastruktur-Cloud-Services ihnen aktiv dabei helfen, ihre Ressourcen auf wertsteigernde Initiativen auszurichten.

Umformen – und einen Schritt zurück machen

Wer zu schnell vorwärtsschreitet, schlecht plant und die falschen Tools einsetzt, schrammt oft an den ursprünglichen Zielen vorbei. Das ist beim Weg in die Cloud genauso wie beim Teambuilding. In unserem Fall bedeutet das: Es entsteht eine Divergenz zwischen der On-Premises- und der Cloud-Architektur. Das erschwert es, Anwendungen in die Cloud zu heben. So betreiben Unternehmen derzeit im Durchschnitt nur fünf Prozent ihrer Workloads in der Cloud.

Wie aber entsteht eine solche Divergenz? Häufig liegt das daran, dass Unternehmen ihre Cloud-Architektur nach und nach zusammengestückelt haben. Hier ein Service für den einen Geschäftsbereich – dort einer für einen anderen. Dadurch entsteht ein Flickenteppich aus schlecht integrierten Einzelteilen. Cloud-Services für Test und Entwicklung und für alltägliche Business-Anwendungen passen dann nicht zusammen. Deshalb empfiehlt es sich, noch einmal einen Schritt zurückzugehen und die bisherigen Entscheidungen zu hinterfragen.

Die Ideallösung ist eine integrierte Cloud-Plattform, die eine identische Erfahrung in der Cloud als auch On-Premises bietet. Dann brauchen Anwender kein Change Management, sondern können gleich produktiv sein. Glücklicherweise wächst die Auswahl an Cloud- Services kontinuierlich, sodass Unternehmen verschiedene Dienste einfacher miteinander verbinden und bestehende Workloads komplett in die Cloud migrieren können – unter Berücksichtigung ihrer Umgebungen (Entwicklung, Test, Produktion), bestehender Lizenzen und On-Premises-Opex-Ausgaben.

Exkurs: Neuankömmlinge berücksichtigen

Dabei ist eine Frage zentral: Ist die Cloud-Architektur so angelegt, dass sich neue Technologien integrieren lassen? Zunehmend kommen datengesteuerte und KI-fähige Dienste auf den Markt. Sie bergen großes Potenzial für Unternehmen, indem sie zum Beispiel die Sicherheit verbessern, Entscheidungen erleichtern, die Produktivität steigern und Kosten reduzieren. Laut der „You & IaaS“-Studie legt jeder fünfte IT-Manager in seinem Unternehmen Wert auf KI und maschinelles Lernen. Viele CIOs haben jedoch Schwierigkeiten, mit der rasanten Entwicklung Schritt zu halten. Sie wissen nicht, wie sie die neuen Technologien am besten einsetzen können. Wer in sich in der Forming- und Storming-Phase zudem ausschließlich auf Computing und Storage konzentriert hat, kann sie möglicherweise auch gar nicht integrieren.

CIOs sollten deshalb ihre Strategie noch einmal auf den Prüfstand stellen und ihre bisherige Architektur daraufhin optimieren, dass sie offen für Interoperabilität ist. Cloud-Plattformen der zweiten Generation bieten bereits integrierte Automatisierung und maschinelles Lernen und umfassen eine Vielzahl von Services aus einer Hand.

Normieren – die Zusammenarbeit gestalten

In dieser Phase sollten Regeln für den Cloud-Einsatz etabliert werden. Wer darf was? In der Praxis hat es sich bewährt, den Fachabteilungen vollen Zugriff auf alle Cloud-Services zu gewähren, wobei die IT-Abteilung die zentrale Kontrolle behält. Sie verwaltet die verschiedenen Anwendungen und Rollen und überwacht die Sicherheit. Das sorgt dafür, dass die Cloud-Services im ganzen Unternehmen gut orchestriert, leicht zu verwalten und compliant sind.

In den Regelbetrieb übergehen

Nachdem die IT-Abteilung die Cloud-Services erfolgreich bereitgestellt hat, können die Fachbereiche die neuen Technologien einsetzen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich CIOs jetzt zurücklehnen dürfen. Vielmehr sollten sie überprüfen, wo sie vielleicht noch etwas optimieren und Kosten sparen können. Gibt es neue Funktionen, die man aktivieren sollte? Wie sehen die aktuellen Lizenzmodelle aus? Gibt es spezielle Sonderangebote? Welche weiteren Workloads könnte man in die Cloud heben, um Kosten zu sparen?

Chris Chelliah, Group Vice President & Chief Architect, Technology & Cloud Platform bei Oracle.
Chris Chelliah, Group Vice President & Chief Architect, Technology & Cloud Platform bei Oracle. (Bild: Oracle)

Und dann: zur Hochleistung auflaufen

Wer diese Phasen auf dem Weg in die Cloud erfolgreich durchlaufen hat, sollte die digitale Transformation kontinuierlich vorantreiben. Jetzt geht es darum, das volle Potenzial von Daten und datengetriebenen Services auszuschöpfen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Veränderungsbereite Unternehmen können so Wettbewerber abhängen. Die „You & IaaS“-Studie zeigt, dass eine neue Cloud-Elite entstanden ist, die bereits mehr als 70 Prozent ihrer Anwendungen in der Cloud betreibt. Diese Unternehmen sind datengetriebener als andere, innovativer und besser in der Lage, schnell, treffsicher und flexibel auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. Sie konnten ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit am meisten steigern und den Markt aufmischen. Das oben beschriebene Phasen-Modell bietet die besten Voraussetzungen, um zu solchen Höchstleistungen aufzulaufen und das volle Potenzial der Cloud auszuschöpfen.

* Chris Chelliah, Group Vice President & Chief Architect, Technology & Cloud Platform bei Oracle.

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