ERP und CRM integriert, aus der Cloud oder Inhouse

Microsoft Dynamics 365 läuft bald auch inhouse

| Autor / Redakteur: Jürgen Frisch / Florian Karlstetter

Microsoft reagiert auf die Skepsis gegenüber Cloud-Implementierungen und bietet Dynamics 365 auch als Inhouse-Variante an. Dynamics 365 bündelt die Funktionen von Dynamics ERP (AX) und Dynamics CRM in einem Cloud-Dienst.
Microsoft reagiert auf die Skepsis gegenüber Cloud-Implementierungen und bietet Dynamics 365 auch als Inhouse-Variante an. Dynamics 365 bündelt die Funktionen von Dynamics ERP (AX) und Dynamics CRM in einem Cloud-Dienst. (Bild: Microsoft)

Mit einer Inhouse-Variante von Dynamics 365 will Microsoft die Cloud-Diskussion entspannen. Analysten verweisen auf eine relativ hohe Skepsis im deutschsprachigen Raum sowie auf die vergleichsweise hohen Preise von Mietsoftware.

Mit einer Überraschung startete das Influencer-Briefing zu Dynamics 365 in Köln: die Enterprise Edition der Cloud-Lösung Dynamics 365, welche die bislang separat angebotenen Cloud-Lösungen für Enterprise Resource Plannung (ERP) und Customer Relationship Management (CRM) zusammenführen soll, macht Microsoft künftig auch als Inhouse-Version verfügbar. „Wir glauben, dass wir den Kunden in der Cloud Mehrwerte bieten, etwa günstigere Investitionskosten und eine höhere Verfügbarkeit“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics AX bei Microsoft Deutschland. „Aber wir lassen den Kunden beim Betriebsmodell die Wahl. Wir geben ihnen einen Regler in die Hand, mit dem sie quasi stufenlos zwischen 0 Prozent und 100 Prozent Cloud aussteuern können.“

Im deutschsprachigen Raum dominiert Cloud-Skepsis

„ERP-Lösungen aus der Cloud sind in vielen Fällen für den produzierenden Mittelstand zu teuer.“, berichtet Karsten Sontow, Vorstand des auf Softwareauswahl spezialisierten Beratungshauses Trovarit. „In der Regel greifen die Argumente zu Kosteneinsparungen durch das Cloud-Modell nicht, da diese Unternehmen unabhängig von der ERP-Lösung meist eine eigene IT-Infrastruktur betreiben und IT-Personal vorhalten müssen.“
„ERP-Lösungen aus der Cloud sind in vielen Fällen für den produzierenden Mittelstand zu teuer.“, berichtet Karsten Sontow, Vorstand des auf Softwareauswahl spezialisierten Beratungshauses Trovarit. „In der Regel greifen die Argumente zu Kosteneinsparungen durch das Cloud-Modell nicht, da diese Unternehmen unabhängig von der ERP-Lösung meist eine eigene IT-Infrastruktur betreiben und IT-Personal vorhalten müssen.“ (Bild: Trovarit)

Im deutschsprachigen Raum herrscht bis dato noch eine große Skepsis gegenüber Cloud-Implementierungen von komplexer Unternehmenssoftware wie ERP-Lösungen. An vorderster Stelle steht dabei oft das Kostenargument, wie Karsten Sontow, Vorstand des auf Softwareauswahl spezialisierten Beratungshauses Trovarit berichtet: „ERP-Lösungen aus der Cloud sind für den klassischen produzierenden Mittelstand oft zu teuer. In der Regel greifen die Argumente zu Kosteneinsparungen durch das Cloud-Modell nicht, da diese Unternehmen unabhängig von der ERP-Lösung meist eine eigene IT-Infrastruktur betreiben und IT-Personal vorhalten müssen. In diesen Fällen müssten sie bei der Cloud-Lösung den Infrastrukturbetrieb quasi doppelt zahlen.“ Gerade erst habe ein Unternehmen nach der Betrachtung der mehrjährigen Kostenrechnung Dynamics aus der Cloud verworfen und sich stattdessen für die Inhouse-Variante entschieden.

Dynamics 365 hat Microsoft im Juli 2016 als neue Generation seiner Business-Software angekündigt, bei der die bislang getrennten Welten ERP und CRM in der Cloud-Plattform Azure vereint werden. Zusammen mit den Services von Office 365 bietet Microsoft künftig Lösungsbausteine von Dynamics CRM und Dynamics AX mit einem einheitlichen Datenmodell als Cloud-Service für verschiedene Rollen und Anwenderszenarien an. Mit Azure als Infrastruktur-Plattform und Services wie Azure Machine Learning soll Dynamics künftig auch Big Data Analytics unterstützen.

Die Werkzeuge PowerApps und Microsoft Flow sollen die Digitalisierung in den Unternehmen beschleunigen:

  • PowerApps unterstützt Anwender bei der App-Entwicklung mit einer grafischen Design-Umgebung,
  • Microsoft Flow automatisiert beim Workflow-Management Prozesse über sämtliche Module der betriebswirtschaftlichen Software hinweg.

Die jetzt erneut angekündigte On-premise-Variante hält Christian Hestermann, Research Director ERP beim Analystenhaus Gartner, nicht für einen grundlegenden Strategiewechsel. Vielmehr sei diese Variante bislang daran gescheitert, dass der Azure Stack, die technologische Basis von Azure, nicht für den On-premise-Betrieb verfügbar war. Da nach dem Vorbild Dynamics CRM die Code-Basis für die Inhouse- und die Cloud-Version von Dynamics 365 identisch sein soll, stelle der Azure Stack eine unverzichtbare Komponente dar.

Customizing behindert Cloud-Migrationen

„Wir glauben, dass wir den Kunden in der Cloud Mehrwerte bieten, etwa günstigere Investitionskosten und eine höhere Verfügbarkeit“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics AX bei Microsoft Deutschland. „Aber wir lassen den Kunden beim Betriebsmodell die Wahl.“
„Wir glauben, dass wir den Kunden in der Cloud Mehrwerte bieten, etwa günstigere Investitionskosten und eine höhere Verfügbarkeit“, berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics AX bei Microsoft Deutschland. „Aber wir lassen den Kunden beim Betriebsmodell die Wahl.“ (Bild: (c) Uwe Nölke www.menschenfotografie.de / Microsoft)

Lars Landwehrkamp, Vorstandsprecher des SAP-Partners All for One Steeb, formuliert ein weiteres Argument, dass die Migration kompletter ERP-Systeme in die Cloud behindert: „Unseren Kunden aus dem Maschinenbau und der Zulieferindustrie haben typischerweise sehr komplexe Geschäftsprozesse, die sie eins zu eins in ihrem IT-System abbilden wollen. Das Kernsystem läuft bei diesen Unternehmen stets im hauseigenen Rechenzentrum oder in einer Private Cloud. In der Public Cloud laufen allenfalls standardisierbare Systemteile wie etwa das Human-Resource-Modul (HR). Microsoft-Manager Naujoks räumt ein, dass Dynamics 365 bei sehr komplizierten Geschäftsprozessen individuell angepasst werden muss. Technisch seien die Möglichkeiten zur Individualisierung in der Cloud-Variante sehr stark. Gleichzeitig habe sich die Notwendigkeit einer unternehmensindividuellen Anpassung reduziert wegen des erhöhten Funktionsumfangs, den die Lösung bereits in der Standardvariante biete.

Dynamics 365 gibt es in einer Business Edition für Unternehmen von 10 bis 250 Mitarbeitern und in einer Enterprise Edition für größere Unternehmen. Die ausschließlich aus der Cloud verfügbare Business Edition wird eine Finanzlösung auf Basis von Dynamics Nav enthalten. Sie ist momentan nur in den USA und Kanada verfügbar und soll im Laufe des Jahres auch in einer deutschen Version erscheinen. Hierzulande bereits verfügbar ist die Enterprise Edition von Dynamics 365, welche die Funktionen von Dynamics AX und CRM Online enthält. Das bisherige Dynamics AX firmiert künftig als Dynamics 365 for Operations.

Bei Full-Usern liegen die Preise eng beisammen

Beim Lizenzmodell für Dynamics 365 können Anwender wählen zwischen einem Device-abhängigen Modell beispielsweise für Kassensysteme und einem User-basierten Modell. Dieses wiederum teilt sich in Team User, beispielsweise für das Abrechnen von Reisekosten oder die Freigabe von Bestellungen, und die Full User, die entweder das Komplettpaket inklusive CRM oder aber ausschließlich die ERP-Funktionen nutzen können. Preislich liegen die beiden letztgenannten Varianten eng beisammen:

  • 190 Dollar pro Monat und Anwender für ERP,
  • 210 Dollar pro Monat für ERP und CRM.

Die Vertriebspartner, welche die generischen Lösungen von Microsoft zu unternehmensindividuellen Branchenlösungen veredeln, müssen sich künftig anders aufstellen, wenn sie mit Dynamics 365 arbeiten: Zum einem sollten sie ihre Branchenlösungen im neuen Web-Store AppSource verfügbar machen. Aktuell sind dort rund 240 Lösungen gelistet. Eine zweite Veränderung betrifft den Beratungsansatz, wie Guido Buchartz, Head of IoT und Industry 4.0 Solutions des Microsoft-Partners alnamic berichtet: „Um sämtliche Chancen von Dynamics 365 nutzen zu können, müssen sich Partner intensiv in die Toolchain und Methodik einarbeiten und zudem eine Affinität zur Cloud-Thematik entwickeln.“ In einem Pilotprojekt hätten sich die Ziele Agilität, Flexibilität und Skalierbarkeit voll bewahrheitet. Besonders beeindruckend sei die Unterstützung durch Microsoft im Rahmen des Programms FastTrack gewesen. Hierbei untersuchen Cloud-Spezialisten die Implementierung eines Partners und geben Tipps zur Optimierung.

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„Dynamics 365 wird einschlagen wie Office 365“

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