Was ist vom Hype geblieben?

Lohnt sich der Einsatz von Open Source im Unternehmensumfeld?

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OSS und Cloud

Und damit ist die Brücke in die Moderne geschlagen: OSS ist ja ein Kind des klassischen Computings, also des on-Premise-Computings. Zugleich hat es diesem eine neue Ebene eröffnet, nämlich das Internet, das ohne OSS überhaupt nicht vorstellbar ist.

Interessanterweise, so Branchenbeobachter Schmitz, hat OSS „damit auch die Grundlage gelegt für etwas, das in fundamentalem Widerspruch steht zu Open Source: Cloud Computing“. Der fundamentale Widerspruch besteht in Offenheit vs. Proprietät. Gerade bei der Public Cloud, deren Aufbau praktisch für niemanden einsehbar ist, wird das Basis-Prinzip von Open Source mit Füßen getreten: Offenheit des Quellcodes, in praktisch jeder Beziehung.

Dieser Widerspruch ficht die Akteure aber nicht an, im Gegenteil: Der CEO des auf Kollaborationssoftware spezialisierten Open-Xchange Rafael Laguna geht sogar so weit zu sagen, dass die Cloud nur mit (!) OSS eine Zukunft haben kann. Denn, so der Geschäftsführer, „im Cloud-Bereich wird Offenheit und Daten-Besitz ein wichtiges Thema werden. Für die Anwender von SaaS- bzw. Cloud-Anwendungen wird es von erheblicher Bedeutung sein, ob eine Lösung offene Standards verwendet oder nicht. Denn nur die Verwendung offener Standards und Formate reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und sorgt für die Freiheit der Daten.“

Laguna erläutert weiter: „Das Thema Integration von Diensten, das auch Talend in den Fokus rückt, wird die Zukunft des Cloud-Computing auf absehbare Zeit bestimmen – und erst richtig zur Geltung bringen. Das Miteinander aller Angebote wird in der Cloud noch viel wichtiger als innerhalb eines Unternehmens. Im Unternehmen können verschiedene Lösungen immer durch erhöhten Aufwand dazu gebracht werden, miteinander zu funktionieren. Über verschiedene Rechenzentren von verschiedenen Anbietern hinweg geht das nur, wenn schon vor dem Einsatz beim Kunden alles passt.“

Über aktive Cloud-Teilnehmer wie Talend und Open-Xchange hinaus gibt es aber schon länger eine Debatte über Clouds in der OSS-Szene. Die Gespräche mündeten am 1. April 2009 in das „Open Cloud Manifesto“. Darin ist festgeschrieben: „Cloud-Anbieter dürfen ihre Marktposition nicht nutzen, um Kunden an die jeweilige Plattform zu binden und ihre Provider-Auswahl zu beschränken.“ Dazu seien Standards zu nutzen und notfalls gemeinsam neue zu entwickeln. Alles müsse dabei unter dem Imperativ der Anwenderanforderungen stehen.“

Seit dem ist allerdings wenig Manifestes geschehen. Aus der Initiative ist nicht viel geworden, offenbar hat man sich etwas überhoben. Man kehrte zu „traditionellen“ Projekten mit ähnlicher Zielsetzung zurück, etwa der Open Source Integration Initiative der Lisog. Das Ergebnis ließe sich im Prinzip schnell auf Private und Public Clouds übertragen. Im Prinzip, denn handfestes hat die Community rund um das Projekt noch nicht vorzuweisen.

In der Realität werden heutzutage klassische Virtualisierungsvorhaben in Unternehmen mit dem „private Cloud“-Stempel versehen. Insofern kann die Open Source-Szene durchaus ernsthafte Mitspieler vorweisen: uib und Univention – Slogan: „Linux for your Business“ - etwa sind führend in Sachen Desktop-Virtualisierung.

weiter mit den wichtigsten Anbietern und Trends im Open Source-Umfeld.

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