Was ist vom Hype geblieben?

Lohnt sich der Einsatz von Open Source im Unternehmensumfeld?

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Lohnt sich der Einsatz überhaupt?

Der Einsatz von OSS in Unternehmen hatte viele Jahre etwas mit Idealismus zu tun. Die Software galt als fizzelig, aber frei von Herrschaftsansprüchen dominanter Player wie Microsoft oder Oracle. Hinzu kam und kommt, dass die Anschaffungskosten gegen null tendieren. „Das Doppelargument der Kosten - keine Lizenzgebühren und geringere Kosten für Support als bei proprietären Anbietern – sticht noch immer“, so Branchenbeobachter Schmitz. „Aber das ist nicht mehr das wichtigste. Das Plus an Flexibilität und Unabhängigkeit sowie die Möglichkeit, die Software an eigene Bedürfnisse anzupassen, wiegen sehr viel stärker.“

Das hat auch Gartner in seinem Report „Survey Analysis: Overview of Preferences and Practices in the Adoption and Usage of Open-Source Software“ bestätigt. Dafür waren im August vergangenen Jahres in elf Ländern 547 IT-Manager und CIOs befragt worden. Flexibilität und Unabhängigkeit mag im Mittelstand gefragte Themen sein, Enterprise-Firmen jedoch verlassen sich gerne auf einen großen Softwareanbieter, der dann Hand in Hand mit dem CIO die Probleme des Konzerns lösen soll. Ist OSS deshalb dort außen vor?

Im Gegenteil, erklärt Seibt: „Gerade für große Unternehmen lohnt sich OSS, denn Economy of Scale zählt hier besonders. Aber es bedarf einer Strategie, etwa die Festlegung, ausschließlich OSS einzusetzen, für die es auch Support und Maintenance gibt.“ Dann habe das Unternehmen die Sicherheit, auf einen Standard zu setzen, der weiterentwickelt wird. Alternativ könnten die Großunternehmen, wie bereits angesprochen, Joint-Ventures mit Ihresgleichen eingehen, um bestehende OSS weiterzuentwickeln.

Ist OSS sicherer als proprietäre Software?

Lange Jahre war die Sicherheit von OSS ein heiß diskutiertes Thema. Und ist es noch immer. Offenkundig tun sich dabei ideologische Gräben auf. Für Seibt ist die Lage beispielsweise eindeutig: „Dazu gibt es Belege! Nicht dass OSS von Haus aus sicherer ist – durch den Umstand, dass so viele die Software ansehen und mitentwicklen, werden schneller Fehler gefunden. Sogar die EU kommt zu dem Schluss, dass Software im sicherheitskritischen Bereich eigentlich immer offen sein sollte.“

Veteranen der IT- und Politszene erinnern sich sicherlich noch daran, dass zur Jahrtausendwende nicht zuletzt Bundesinnenminister Schily eine Lanze für OSS gebrochen hat. Entsprechend findet sich in vielen Behörden und Polizeiabteilungen Linux auf den Rechnern. Klaus-Rüdiger Hase, verantwortlich für das Technologiemanagement bei der Deutschen Bahn, berichtet in diesem Zusammenhang: „Auch das US-amerikanische Department of Defense hat sich ziemlich eindeutig positioniert.“

Pro OSS, versteht sich. Das US-Militär hat sogar einen ausführlichen Leitfaden zum Thema ins Netz gestellt. Aber auch Brüssel hat sich positiv über die Sicherheit von OSS geäußert. Aus diesem Grund hat es für das TEN-T-Förderprogramm der EU, ein Projekt zum Verkehrswesen, als Förderbedingung die Quelloffenheit der Software genannt.

Christopher Hackett, seit 2009 Sales Director DACH bei Talend. (Archiv: Vogel Business Media)

Neben Behörden setzen mittlerweile auch große Organisationen auf OSS als Sicherheitsgarant. Christopher Hackett, Sales Director DACH beim OSS-Middleware-Anbieter Talend, berichtet beispielsweise von einem Anwender aus der Finanzbranche: „Die Landesbank Berlin (LBB) hat mittels unserer Unified Integration Platform Kundendaten und -anwendungen in die Cloud hinein migriert. An diesem Beispiel können Sie ersehen, dass eine Nutzung solcher Ressourcen durchaus sicher ist.“

weiter mit: Open Source Software und die Cloud - ein Widerspruch?

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