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Alternativer Anbieter legt sich mit AWS und Co an Linode, der Hipster unter den Cloud-Providern

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit schickt sich ein Cloud Provider aus den USA an, den deutschen Markt aufzumischen. Linode mit Hauptsitz in Philadelphia und Rechenzentrum in Frankfurt macht vieles anders als die drei großen Hyperscaler.

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Linode hat seinen Hauptsitz im Herzen von Philadelphia.
Linode hat seinen Hauptsitz im Herzen von Philadelphia.
(Bild: Linode)

Linode wurde 2003 von Christopher S. Aker in Philadelphia als Virtual Private Server (VPS)-Hoster gegründet. Geboten werden den nach Unternehmensangaben mittlerweile 400.000 Kunden im Wesentlichen Linux-Knoten, genannt Linodes bzw. Linoden, die schnell und einfach einzurichten sind. Der Firmenname Linode leitet sich denn auch ab von Linux und Node.

Zielgruppe: hippe Entwickler

Von Anfang an setzte das Unternehmen auf einen „alternativen“ Weg in die Cloud, und als alternativ kann sowohl die Belegschaft als auch die Zielgruppe beschrieben werden. Linode rühmt sich, insbesondere Frauen und „nicht-binäre“ Personen in seinen Reihen zu führen. Ähnlich verhält es sich mit der Zielgruppe, allen voran Entwickler mit einem Open Source-Background und gerne mit einer Vorliebe für Python. Der typische Anwender von Linode scheint also ein Hipster zu sein, die Blogs richten sich jedenfalls durchgängig an junge, multikulturelle und weltoffene Techies und Software-Liebhaber.

In seiner Rubrik „Craft of Code“ präsentiert Linode Beispiele für erfolgreiche Anwender aus der ganzen Welt. Die Palette reicht von irischen Maschinenbauern über amerikanische One-Man-Start-ups, die freie Basketball-Spielplätze ermitteln, bis hin zu holländischen Content Management-Spezialisten und vieles darüber hinaus. Ihnen allen gemein ist ihre Jugend, ihr Ehrgeiz und der Wille, „alternative“ Wege zu beschreiten, um ein Problem zu lösen.

Hillary Wilmoth, Leiterin des Produktmarketings bei Linode
Hillary Wilmoth, Leiterin des Produktmarketings bei Linode
(Bild: Linode)

Fast als müsse Linode beweisen, dass es Teil der weltweiten Developer-Community ist, veröffentlicht das Unternehmen regelmäßig quelloffene Eigenentwicklungen. Jüngstes Release: die Linode Kubernetes Engine (LKE) zum Erstellen von Infrastruktur mit Managed Kubernetes. „Wir haben LKE entwickelt, um die Komplexität bestehender Container-Lösungen zu verringern“, so Hillary Wilmoth, Leiterin des Produktmarketings bei Linode. LKE verfüge über eine Kubernetes-Steuerebene, um Cluster ohne zusätzliche Kosten in Betrieb zu nehmen – inklusive API, Scheduler, etcd und Ressourcen-Controller.

Maßgeschneidertes Angebot

Die hippe Zielgruppe will man offenkundig mit einem Angebot überzeugen, das einfacher und billiger ist als das, was die drei Hyperscaler AWS, Azure und Google auffahren. Man verfüge über das branchenbeste Preis-Leistungs-Verhältnis – Linode wird nicht müde, das an einfachen Rechenbeispielen zu belegen. „Verfügbarkeit, Rechenleistung, Bandbreite, Durchsatz und Kundenservice sind Benchmarks, bei denen wir Amazon und Google stets übertreffen“, so COO Thomas Asaro.

Die genannten Wettbewerber schlage man zudem mit der „richtigen“, in gewissem Sinne antikapitalistisch zu nennenden Einstellung: „Durch die Reinvestition von Gewinnen in unsere Infrastruktur und die strategische Expansion zur Deckung der Verbrauchernachfrage sind wir in der Lage, die zugänglichsten und zuverlässigsten Cloud-Server auf dem Markt anzubieten“, so Asaro.

Thomas Asaro. Chief Operations Officer von Linode
Thomas Asaro. Chief Operations Officer von Linode
(Bild: Linode)

Die „Einfachheit“ ist und bleibt aber das große Aushängeschild des Unternehmens. Man verfolge „die Mission, die Cloud, einfacher, billiger und für jeden zugänglich zu machen“, so Linode in beinahe all seinen Veröffentlichungen. Abonnenten sollen einen Cloud-Server mit Linode in weniger als einer Minute für nur zehn Dollar pro Monat erstellen können. Man zahle nur für Leistungen, die man auch wirklich genutzt habe, und gehe keine langfristigen Verpflichtungen ein.

Die Anwender werde dabei von einem engagierten Support unterstützt, „der aus echten Menschen“ bestehe und – angeblich anders als bei den Hyperscalern – Probleme schnell, auf Augenhöhe und hierarchielos angehe. Überhaupt spreche man die selbe Sprache wie die Anwender, betonte Rick Myers, Vice President of Customer Support. Und die sei oft sehr technisch: „Durch eine ausführliche Einarbeitung und Schulung versuchen wir uns selbst, unser Team und unsere Prozesse immer besser zu machen“, so Myers.

Rick Myers, Vice President of Customer Support bei Linode
Rick Myers, Vice President of Customer Support bei Linode
(Bild: Linode)

Das ursprüngliche Angebot der Linode-Instanzen wurde mittlerweile vielseitig ergänzt, etwa um SSD-Speicher, AMD Epyc- und Rome-Prozessoren sowie Nvidia GPUs, einem redundanten Netzwerk mit 40 Gbit/s und KVM-basierten Hypervisors. Block- und Objektspeicher helfen den Entwicklern, Inhalte und Daten aller Art rechtskonform abzulegen. Kunden können auch aus einer Reihe von Zusatzfunktionen auszuwählen, wie z.B. den System-Metriken-Berichtsdienst Longview, Backups und NodeBalancer, Managed- und Professional-Services. Auf einem Marktplatz gibt es laufend neue, sofort einsetzbare One-Click Apps.

Schon seit 2015 in Deutschland vertreten

Eigentlich verblüffend: Linode operiert bereits seit 2015 in Deutschland, quasi unter dem Radar des Cloud-Mainstreams. Kontakt zur elitären Zielgruppe hielt man bislang vorzugsweise über Communities und Entwickler-Foren wie GitHub.

2015 jedenfalls eröffnete Linode sein Rechenzentrum in Frankfurt am Main, das die Kapazität des Unternehmens in Europa verdoppelte. Das erste europäische Rechenzentrum von Linode stand und steht erwartungsgemäß in London. "Es gibt eine spannende Start-up- und Technologieentwicklungsszene in Deutschland und ganz Europa“, so Aker. „Wir freuen uns, unsere einfachen und leistungsstarken Cloud-Services auf Entwickler, Unternehmer und Unternehmen in der Region auszuweiten."

Christopher S. Aker, Gründer und CEO von Linode
Christopher S. Aker, Gründer und CEO von Linode
(Bild: Linode)

Anfang des Jahres führte man in Frankfurt einen Cluster des S3-kompatiblen Linode Object Storage ein. Eine Sonderaktion dazu ging leider gerade zu Ende. Die „normalen“ Preise beginnen bei fünf Dollar im Monat für 250 GB Storage und 1 TB ausgehenden Transfers (darüber hinaus werden 0,02 $ / GB für Storage und 0,01 $ / GB für Transfers fällig), eingehende Transfers sind immer und unbegrenzt kostenlos.

Das Linode Rechenzentrum nutzt die Colocation- und Rechenzentrumsdienste der TelecityGroup (zertifiziert nach ISO 27001) für beide europäischen Standorte. "Die hochmoderne Anlage von Telecity, die hochsichere Umgebung und die robusten Konnektivitätsoptionen waren wichtige Faktoren bei der Auswahl", so Projektleiter Brett Kaplan 2015. Neben Frankfurt und London verfügt Linode über Rechenzentren in Sydney, Mumbai, Toronto, Tokyo, Singapur, Kalifornien, Texas, New Jersey und Georgia.

Partner-Programm

Ende vergangenen Jahres startete Linode ein Partnerprogramm, das auch in Deutschland greifen soll. Das Linode Solutions Partnerprogramm richtet sich an Wiederverkäufer, Service Provider und Softwareanbieter bzw. SaaS-Spezialisten, die Unternehmen beim Aufbau ihrer Geschäfte in der Cloud unterstützen. Exklusive Preise, technisches Fachwissen, Marketing-Support sowie Zugang zur weltweiten Linode Partner-Community sollen sie überzeugen.

Es wird auf jeden Fall interessant sein zu sehen, ob das Partnerprogramm greift, und Linode in Deutschland durchstarten kann – endlich einmal ein Anbieter, der „alternative“ Wege beschreiten will.

(ID:46620031)

Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

Dr. Dietmar Müller

Journalist