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Die Cloud wirft ihren Schatten voraus Konsolidierung im ERP-Markt steht bevor

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Die Cloud kommt für viele ERP-Anbieter in Deutschland wie eine Gewitterfront daher. Den Umstieg werden nicht alle schaffen. Bei Step Ahead hat man alle Strippen gezogen, um die Konsolidierung zu treiben, statt irgendwann zu den Konsolidierten zu gehören.

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Die Cloud bringt Unwetter in Form von Konsolidierung für den ERP-Markt mit.
Die Cloud bringt Unwetter in Form von Konsolidierung für den ERP-Markt mit.
(Bild: ah_fotobox - stock.adobe.com)

Wolfang Reichenbach, CEO, Step Ahead Group
Wolfang Reichenbach, CEO, Step Ahead Group
(Bild: Step Ahead Group)

Step Ahead wurde 1999 gegründet und feierte im vergangenen Jahr das 20-jährige Firmenjubiläum. Die letzten zwei Dekaden ist das Unternehmen aus eigener Kraft gewachsen. Die Frage stand im Raum, wohin sich die Firma in der dritten Dekade entwickeln will, um weiterhin strategisch gut aufgestellt zu sein. „Dass der weitere Weg nur heißen kann ‚auf in die Cloud‘, stand eigentlich schon früher fest, aber die Frage stellt sich im ERP-Markt im Lichte einer laufenden Konsolidierung unter ganz besonderen Vorzeichen. Wir mussten uns konkret fragen: Wie können wir das leisten, ohne zu den Konsolidierten zu gehören, sondern zu jenen, die die Konsolidierung treiben“, so Wolfang Reichenbach, CEO, Step Ahead Group. Der Manager geht davon aus, dass von den 500 ERP-Lösungen in zehn Jahren keine 100 mehr auf dem Markt sein werden.

Von 500 Anbietern in 10 Jahren noch 50 übrig?

Karl Gerber, Geschäftsführer, Step Ahead Group
Karl Gerber, Geschäftsführer, Step Ahead Group
(Bild: Step Ahead Group)

Karl Gerber, Geschäftsführer der Step Ahead Group, geht noch ­einen Schritt weiter: „Ich gehe davon aus, dass von den 500 ERP-Lösungen in zehn Jahren noch etwa 50 auf dem Markt sein werden.“ Gerber ­taxiert: „Um eine bestehende OnPrem-Software in die Cloud zu bringen, kann man eine Investition zwischen fünf und fünfzehn Millionen Euro für die Neuentwicklung veranschlagen.“ Von den vielen, relativ kleinen ERP-Anbietern hierzulande wird diesen Schritt nur ein Teil stemmen können.

Die WFX-Plattform

Wie Gerber weiter ausführt, hat Step Ahead bereits strategisch investiert: In die Plattform WFX-Software sind zwischen 16 und 20 Mannjahre an Entwicklungsarbeit eingeflossen, „wenn wir der Rechnung die Tatsache zugrunde legen, dass sechs Leute drei Jahre daran gearbeitet haben.“ Wolfang Reichenbach blickt zurück: Es sei den ­Unternehmen bei den strategischen Plänen sehr zugute gekommen, „dass wir uns vor etwa drei Jahren an der Firma WFX Software beteiligt haben, die wir inzwischen ganz übernommen haben.“ Denn das war letztlich die Grundlage für Step Aheads Cloud-Strategie.

Geld von Private-Equity-Gesellschaft

Mit Geld von Elvaston ­Capital Management konnte Step Ahead für die sich nun beschleunigende Konsolidierungsphase selbst das Heft in die Hand nehmen. Reichenbach erklärt: „Das ist eine Private-Equity-Gesellschaft, aber eher im Sinne ­einer Boutique statt einer Heuschrecke. Sie hat zu 80 Prozent in ERP-Firmen investiert und achtet über deren Ausrichtungen darauf, dass es keine Kannibalisierungs-Effekte gibt.“ So wurde mit dem Geld die Step Ahead Group gegründet und unter diesem Dach zum ­einen Step Ahead eingegliedert sowie die beiden übernommenen Firmen Godesys und Informing, deren Gesellschafter sich aus dem Geschäft zurückzogen.

Daten-Verteilungsknowhow

WFX Software hat viel Knowhow aufgebaut, was Software- und Daten-Verteilungsfragen in der Cloud angeht. Das stammt aus den Ursprüngen der Firma, nämlich ­Online-Games. Fußball-Simulation und Shooter-Games sowie Software-Verteilung in Großunternehmen wie beispielsweise BMW. „Mit WFX als Plattform lassen sich im Grunde alle und in welcher Programmiersprache auch immer geschriebenen ERP-Systeme in die Cloud bringen. So wie es auch mit den Lösungen von Step Ahead, Godesys und Informing nach dem Zusammenschluss geschehen ist“, bringt es der CEO auf den Punkt. Godesys basiert auf Gupta-Technologie, ­Informing auf Small Talk und die Steps Enterprise Solution ist in .Net ­programmiert. Geplant ist nun, die WFX-Plattform dahingehend zu lizenzieren, dass sie auch andere Unternehmen nutzen können, um den Weg in die Cloud zu finden.

Alte Systeme „hybridisieren“

Karl Gerber drückt es so aus: „ Wir hybridisieren mit WFX alte Systeme und machen sie App- oder Browser-tauglich.“ So bildet WFX Software die Grundlage für My Steps, dem ERP-System des Unternehmens, und dessen „Vorstellung eines digitalen Arbeitsplatzes“. Step Ahead hat heute 20 ­aktive Partner und will diese Anzahl mittelfristig um zehn weitere Partnerschaften im deutschsprachigen Raum aufstocken.

Die Wertschöpfungsfrage

Der These, dass Cloud Computing viele Wertschöpfungs- und damit Verdienstmöglichkeiten aus dem Channel nimmt, weil tendenziell mehr davon in den Wirkungskreis des Herstellers verlagert wird, stimmt Gerber nicht zu, ­beziehungsweise plädiert für eine differenzierte Sicht: „Wenn Sie beispielsweise eine Fahrtenbuch-App vermarkten, gibt es dort für Partner nichts anzupassen. Was unsere ERP-Lösungen aus der Cloud angeht, ist die Lage eine völlig andere; hier würde ich nicht behaupten, dass die Cloud Wertschöpfung aus dem Channel nimmt, denn es gibt viel Anpassungsarbeit zu leisten, angefangen beim Logo und anderen Aspekten des Customizings. Parametrisierung ist gefragt. Es gilt, Shops, IoT-Sensorik und Maschinen anzubinden und weitere Schnittstellenarbeit zu leisten.“

Das Partnerprogramm

Im Step-Ahead-Partnerprogramm sind keine Umsatzvor­gaben vorgesehen. Tipp-Partner erhalten für ihre Leads ­eine 13-prozentige Provision auf einen Umsatz im ersten Jahr. Sales Partner verkaufen selbst und erhalten neben einer ­einmaligen zehnprozentigen Provision auf den ersten ­Jahresumsatz eine laufende Provision von sieben Prozent auf Monatsumsätze. Silber-Partner, die selbst die Standard-Version implementieren, können auf eine zehnprozentige Einmalvergütung in diesem Sinne bauen und auf 15 Prozent Beteiligung an den laufenden Umsätzen. Gold-Partner, die Step-Ahead-Systeme selbst implementieren, anbinden und veredeln, beispielsweise mit Daten-Services, erhalten zehn Prozent einmalig und 22 Prozent laufend. So lasse sich im Channel auch in der SaaS- beziehungsweise Cloud-Ära ­gutes Geld für gute Arbeit verdienen.

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

Dr. Stefan Riedl

Leitender Redakteur