Cloud in Zeiten von Industrie 4.0

Fog Computing beflügelt Co-Location- und Housing-Anbieter

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Cloud Computing versus Fog Computing: Einsatzszenarien, Chancen und Hürden.
Cloud Computing versus Fog Computing: Einsatzszenarien, Chancen und Hürden. (Bild: ©beebright - stock.adobe.com)

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Die Industrie 4.0 setzt sich in Riesenschritten durch – und droht auch mittlerweile bekannte Phänomene wie das Cloud Computing auf seinem Weg zu zertreten. Denn unter dem Schlagwort Industrie 4.0 wird nicht nur die vollständige und intelligente Vernetzung aller Objekte in einer Produktionsumgebung vorangetrieben, sondern auch eine so große Datenmenge erzeugt, dass herkömmliche Clouds sie nicht mehr fassen können.

Ziel für Industrie 4.0 ist die Integration über die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Damit optimiert man Logistik, Produktionsplanung, Lagerbestände oder Maschinenauslastung – Schritt für Schritt. Beim Supply Chain Management beispielsweise geht es um die Datenintegration, optimale Reaktionen auf kurzfristige interne oder externe Ereignisse sowie Analysen der Umgebung inklusive der Berücksichtigung von Schnittstellen und Datenformaten.

Vieles davon kann man heute schon sehen - die vollkommen auf Internet of Things (IoT)-basierende „Smart Factory“ wird wohl bis spätestens 2025 zu sehen sein. Davon sind nach einer VDE-Studie fast drei Viertel der befragten 1.300 Mitgliedsunternehmen und Hochschulen der Elektro- und Informationstechnik überzeugt. Das derzeit größte Hindernis für die Ausbreitung von Industrie 4.0 in Deutschland ist für sieben von zehn Befragten die IT-Sicherheit. Für fast jeden Zweiten sind es die fehlenden Normen und Standards, Migrationsprobleme von klassischer Industrie zu Industrie 4.0 sowie unzureichende branchenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Hohe Investitionskosten und Komplexität sind für jeden Dritten große Hindernisse, fehlende Anwendungsfälle sowie Geschäftsmodelle und die unzureichende IKT-Infrastruktur sieht etwa ein Viertel als Barriere an.

Übersehen wird dabei aber offenkundig das naheliegendste Problem: Die Bandbreite der Verbindungen von den Sensoren hinein in die Cloud reicht für die in unvorstellbarer Menge anfallenden Daten nicht mehr aus, so schnell können Glasfasern gar nicht gezogen werden. Die Provider reagieren mit der Auslagerung der Cloud dorthin, wo die Daten direkt entstehen. Nur wenn man Daten „on the edge“ auswertet, kann man wertvolle Einsichten in Prozesse erhalten, bessere Entscheidungen treffen und Nutzer umgehend beliefern.

Das Analystenhaus Gartner hält das Thema Fog Computing, gelegentlich auch Edge Computing genannt, für so epochal und wichtig, dass es dem Thema gar ein „Manifest“ gewidmet hat. Darin wird gefordert, Inhalte, Daten und Rechenpower an den Rand des Netzwerkes zu platzieren, nahe an die potentiellen Nutzer. Nur so könne das Digital Business seine Versprechen wahrmachen.

What the fog? – Eine Orientierung zum Fog Computing

Fog Computing in a nutshell

What the fog? – Eine Orientierung zum Fog Computing

20.09.17 - Nach dem Cloud Computing kommt mit dem Fog Computing ein neuer Trend in die IT. Aber Moment, war da nicht schon einmal etwas? Richtig, die Idee zum Fog Computing ist nicht neu, denn schon im Jahre 2014 hat CISCO mit diesem Thema Aufsehen erregt. An anderer Stelle bei IBM wurde das Thema als Edge Computing diskutiert. lesen

Um es mit den Worten von Gartner-Analyst David Cappuccio zu beschreiben: „Lokalisierte oder auch Mikrorechenzentren gehören einfach zum Geschäftsleben dazu und sind keine neue Erfindung, Aber mit solchen autarken, skalierbaren Einheiten, die sich remote verwalten lassen, können CIOs nun Kosten sparen und dennoch die Agilität aber auch die Compliance-Level und Service-Verfügbarkeit erhöhen.“

USA reiten vor

Das Konzept ist einleuchtend: Statt alle Daten wahllos in ein zentrales Rechenzentrum zur Verarbeitung zu schicken, werden die Daten sofort am Rand des IoT sortiert und ausgewertet. Nur die vergleichsweise schmalen Ergebnisse dieser Analyse werden an das zentrale Rechenzentrum weitergeleitet.

Zu besichtigen ist das heute schon in den USA – dort sind Fog Computing und Edge-Rechenzentren sehr viel weiter verbreitet als in Deutschland und Europa. Die Erklärung dafür ist einfach: Weil die USA eine Fläche von annähernd zehn Millionen Quadratkilometer aufweist, aber lediglich 320 Millionen Einwohner hat, sind datentechnisch große Distanzen zu überwinden. Zum Vergleich: In Europa hausen auf einer vergleichbaren Fläche 742 Millionen Menschen.

In den USA befinden sich viele der großen Rechenzentren in den Ballungsräumen der West- und Ostküste – von dort müssen Daten und Anwendungen an die Nutzer im Landesinneren geliefert werden. Statt die Netzwerkinfrastruktur mit Milliarden weiter aufzublasen, entscheiden sich viele Provider lieber dafür, Rechenzentren vor Ort zwischenzuschalten.

Nur einige wenige Großunternehmen, so nochmals die Analysten von Gartner, dürften in der Lage sein, eine eigene Infrastruktur im Fog-Modell auf die Beine zu stellen. Hier eröffneten sich demnach neue Chancen für Co-Location-Anbieter. Co-Location-Dienstleister könnten zum einen eigene Edge-Standorte ihren Kunden als eine Alternative zu Cloud-Content Delivery Networks zur Verfügung stellen, zum anderen aber die eigene Fog-Infrastruktur an Cloud-Anbieter als Reseller vermieten.

In dem neuen Marktsegment ist daher jede Menge Bewegung drin. Kein Wunder: Fog Computing verspricht die Probleme des IoT zu beheben, die zuallererst in der mangelnden Bandbreite von Netzwerken zu suchen ist. Laut einer Studie des Eco Verbands der Internetwirtschaft e. V. und Arthur D. Little zum deutschen Rechenzentrumsmarkt weisen Co-Location- und Housing-Anbieter daher aktuell Rekordwachstumsraten von jährlich 17 Prozent auf.

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