Echo startet durch Europäischer Marktplatz für Hoster entsteht

Von Sarah Böttcher

Die Marktmacht der Hyperscaler ist ungebrochen. Um im hart umkämpften Cloud-Markt zu bestehen, ist Kreativität und Teamgeist gefragt. In der Genossenschaft Echo schließen sich nun europäische Hoster zusammen, um sich gemeinsam am Cloud-Markt zu behaupten.

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Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei. In einer Genossenschaft schließen sich nun europäische Hoster zusammen, um nicht in der Versenkung zu verschwinden.
Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei. In einer Genossenschaft schließen sich nun europäische Hoster zusammen, um nicht in der Versenkung zu verschwinden.
(Bild: Michelle Albers - stock.adobe.com)

Managed Services sind das Dienstleistungsmodell des digitalen Zeitalters. Einige Systemhäuser, die ihr Portfolio nicht entsprechend anpassen, werden in den nächsten Jahren von der Bildfläche verschwinden. Denn Managed Services haben sich längst zum Standardangebot entwickelt. Dadurch wächst die Zahl der Managed Service Provider (MSPs) stetig und somit auch der Wettbewerbsdruck.

So müssen MSPs, um sich im Markt zu behaupten, höherwertige, komplexere Services entwickeln und zu weniger vergleichbaren Paketen schnüren. Dadurch entsteht ein Preisdruck, mit denen Service Provider laut IT-Servicepreisspiegel der Synaxon Akademie aktuell zu kämpfen haben. Auch durch veränderte Kundenanforderungen im Zuge der Digitalisierung, die steigende Komplexität auf technologischer Ebene, strengere Datenschutz- und Compliance-Vorgaben, Probleme mit den Lieferketten, dem Fachkräftemangel sowie durch die zunehmenden Bedrohungen aus dem Netz, steigen die Anforderungen weiter.

Darüber hinaus bereitet das Lizenzmanagement vielen Service Providern Kopfzerbrechen: „Die Verwaltung von Softwarelizenzen ist eine komplexe und vielschichtige Welt, gespickt mit Stolperfallen. Die Komplexität der Lizenzmetriken nimmt laufend zu. Die Vorschriften ändern sich oft. In der Auseinandersetzung mit den juristischen Papieren der Softwareherstellern fragen wir uns immer wieder: Sind wir mit unserem Reporting auf dem richtigen Weg?“, skizziert Vito Critti, Gründer und CEO bei Swiss Cloud Computing, die Problematik. Das Schweizer Unternehmen besitzt eigene Rechenzentrumskapazität in Zürich, bietet Services rund um den digitalen Arbeitsplatz und ist seit neustem Mitglied der European Cloud Hosting Organisation, kurz Echo.

European Cloud Hosting Organisation (Echo)

Christoph van Lück, Gründer und Vorstandsvorsitzender bei Echo
Christoph van Lück, Gründer und Vorstandsvorsitzender bei Echo
(Bild: Echo)

Die Genossenschaft wurde am 15. November 2021 von Christoph van Lück (Vorstand), Christian Schmidt (Vorstand) und Peter Hartl (Mitglied des Aufsichtsrats) ins Leben gerufen, mit dem Ziel einen Marktplatz für Hoster aufzubauen. Denn nicht nur die komplizierten Lizenzbestimmungen machen den Service Providern das Leben schwer: „Durch die Monopolisierung des Cloud-Markts ist es für regionale Rechenzentrumsbetreiber immer schwieriger, im Markt der Hyperscaler und weltweit agierenden Cloud-Anbieter zu bestehen“, erklärt van Lück.

Hinzu kommt, dass die Marktteilnehmer ihre Wertschöpfungsketten verändern: Distributoren beginnen, sich mit ihren Leistungen in Richtung der Systemhäuser zu entwickeln. Hersteller und Hyperscaler richten vermehrt direkte Angebote an den Kunden. Zudem nehmen die großen Public-Cloud-Anbieter Managed-Service-Angebote in ihr Portfolio auf und treten damit verstärkt in Konkurrenz zu den klassischen Anbietern, vor allem beim Infrastruktur- und Plattform-Management.

Sebastian Schweegmann, Leitung Einkauf und Partnermanagement bei DS-Group
Sebastian Schweegmann, Leitung Einkauf und Partnermanagement bei DS-Group
(Bild: Füssner Computersysteme)

Aus diesem Grund hat sich auch das IT-Systemhaus DS-Group, dass seit 1995 seine Kunden mit Infrastrukturlösungen und Rechenzentrumsleistungen versorgt, für eine Mitgliedschaft bei Echo entschieden: „Durch den Austausch unter den Mitgliedern und das kollektive Auftreten gegenüber Herstellern und Lieferanten können wir unsere Marktposition stärken und Prozesse sowohl bei uns als auch auf Seiten der Hersteller und Lieferanten verschlanken. Durch den Eintritt in die Genossenschaft erweitern wir somit unser Portfolio und Know-how“, erklärt Sebastian Schweegmann, Leitung Einkauf und Partnermanagement bei DS-Group.

Echo versteht sich nicht als Einkaufsgenossenschaft. Im Gegenteil: Das Unternehmen versteht sich als Marktplatz für Hoster. „Die Stärkung der Mitglieder steht bei Echo im Fokus. Durch die Vernetzung der Mitglieder untereinander ist es einfacher, Dienste, Produkte und Leistungen europaweit über die Genossenschaft gemeinsam zu vermarkten“, betont Gründer und Vorstandsvorsitzender van Lück. Ein erfahrenes Team innerhalb der Organisation kümmert sich um die Administration, die Vernetzung der Mitglieder, den Aufbau eines gemeinsamen Marktplatzes, die Schaffung eines zentralen Marketings sowie eine Zentralisierung der Beschaffung. Dabei kann sich jedes einzelne Mitglied weiter auf sein Basisgeschäft konzentrieren, während die Organisation „die komplexen Aufgaben übernimmt.“

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Vito Critti, Gründer und CEO von Swiss Cloud Computing
Vito Critti, Gründer und CEO von Swiss Cloud Computing
(Bild: Swiss Cloud Computing)

Für CEO Critti war genau das der Grund, Mitglied der Echo zu werden: „Bei Echo finde ich Reporting-Lösungen, die auf Knopfdruck funktionieren und unseren Ansprüchen gerecht werden – aus der Praxis, für die Praxis. Das Lizenzmanagement von Echo gibt mir die Sicherheit, den Softwareherstellern richtig, vorschriftskonform und qualitativ stimmig zu rapportieren. Das macht uns auditsicher.“

Ein Marktplatz von Hostern für Hoster

Über den Marktplatz haben die Mitglieder aktuell Zugriff auf die Produkte von Microsoft, Veeam, Acronis, Hornetsecurity und Autphone. Weitere Hersteller sollen das Portfolio bald erweitern. Darüber hinaus können Produkte wie eigene Softwarelösungen, Dienstleistungen, eine gemeinsame IP-Telefonie-Lösung und Security-Lösungen, aber auch Consulting-Dienste von den Mitgliedern in Anspruch genommen werden.

So stehen den Mitgliedern beispielsweise jederzeit SAM-Consultants (Software Asset Management), Rechtsanwälte, Lizenzspezialisten und IT-Spezialisten zur Verfügung. Für die Mitglieder öffnen sich laut van Lück dadurch „völlig neue Perspektiven was die Reichweite ihrer Dienste und die Wettbewerbsfähig betrifft. Durch die interne und externe Vernetzung seitens Echo haben die einzelnen Mitglieder die Chance bekommen, um im international hart umkämpften Markt bestehen zu können. Trotz der Monopolisierung der Cloud-Strukturen haben unsere Mitglieder wettbewerbsfähige lokale und sichere Dienste, die sie ihren Kunden anbieten können.“

Frank Förster, Geschäftsführer bei Förster IT
Frank Förster, Geschäftsführer bei Förster IT
(Bild: Förster IT)

Für das inhabergeführte, norddeutsche IT-Systemhaus Förster IT war ein weiterer Grund entscheidend für die Mitgliedschaft bei Echo: „Wir sind ein Genossenschaftsmitglied geworden, weil dadurch eine große Gemeinschaft unsere Interessen als Hoster vertritt und wir durch die Rechtsform aktiv an den Entscheidungen und am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden, ohne unsere unternehmerische Freiheit einzuschränken“, erklärt Frank Förster, Geschäftsführer bei Förster IT. Genau aus diesem Grund haben die Gründer bei der Rechtsform der Organisation die Genossenschaft gewählt. So können sich alle Mitglieder aktiv und unternehmerisch beteiligen. Die Gleichberechtigung soll „ein gemeinsames Miteinander fördern“, betont van Lück.

Aktuell besteht Echo aus 20 Mitgliedern aus dem deutschsprachigen Raum (DACH), Tendenz steigend. Dieses Jahr soll die Mitgliederzahl bis auf 100 ansteigen. Anfragen aus weiteren europäischen Ländern liegen laut Vorstandsvorsitzenden van Lück bereits vor. In den nächsten fünf Jahren werden mehr als 600 Mitglieder erwartet. Dabei sind die Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft klar geregelt: Die Genossenschaft ist offen für jeden „Service Provider, Hoster, Rechenzentrumsdienstleister, Internetdienstleister, Telekommunikationsprovider sowie deren Tochterunternehmen und Beteiligungen, welche mehrheitlich an mindestens einem physikalischen Rechenzentrum beteiligt sind und diese(s) auch betreiben oder aber ihre Services von den Rechenzentren bestehender Mitglieder der Genossenschaft beziehen oder dessen Mitgliedschaft im Interesse der Genossenschaft liegt“, heißt es in der Satzung. Den Aufsichtsrat bilden Gerd Simon (Vorsitz), Werner Nieberle und Peter Hartl. Ein offenes und faires Miteinander sowie Seriosität werden vorausgesetzt.

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