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Heroku von Salesforce im Industrieeinsatz Endress+Hauser stellt Kunden in den Mittelpunkt der IoT-Strategie

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Aus Tausenden von Komponenten, so genannten Assets, bestehen Industrieanlagen der Kunden von Endress+Hauser, einem führenden Anbieter von Prozess- und Labormesstechnik. Überall dort, wo etwas in riesigen Mengen produziert wird, ob Pharmazeutika oder Schokolade, kommen die Sensoren des Unternehmens zum Einsatz

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Endress+Hauser bietet Kunden aus vielen unterschiedlichen Branchen maßgeschneiderte Lösungen für ihre messtechnischen Aufgaben.
Endress+Hauser bietet Kunden aus vielen unterschiedlichen Branchen maßgeschneiderte Lösungen für ihre messtechnischen Aufgaben.
(Bild: Martin Raab/Endress+Hauser)

Nicht selten erstrecken sich die Anlagen über mehrere hundert Meter, sodass auf Fahrrädern kreuzende Techniker kein seltenes Bild darstellen. Auch, weil die Großmaschinen häufig über die Jahre wachsen, mangelt es Betreibern vielerorts an einem vollständigen Überblick über alle Bestandteile und Details einer Anlage.

Isolierte Assets in vernetzte Produkte umwandeln

„Da in den meisten Produktionsanlagen rund 80 Prozent der Assets nicht kommunikationsfähig sind, ist die Fehlersuche bei einem Ausfall enorm zeitraubend und schwierig“, erklärt Andreas Hofmann, Team Leader und verantwortlich für die Industrial-IoT-(IIoT)-Services bei Endress+Hauser. Und die lediglich 20 Prozent an kommunikationsfähigen Assets können zwar Prozess- und Diagnoseinformationen übermitteln – allerdings nur innerhalb von industriellen IT-/OT-Systemen und nicht ohne weiteres über das Internet. Daraus ergeben sich laut Hofmann vielschichtige Herausforderungen: „Einerseits existieren viele Daten, andererseits sind sie nicht zugänglich beziehungsweise nur für Personen, die sie nicht nutzen können.“

Bereits seit 15 Jahren bietet Endress+Hauser seinen Kunden webbasierte Anwendungen zur Optimierung des Anlagenbetriebs an. Allerdings konnte das Potenzial dieser ersten Anwendungen, die selbstentwickelt, online und on-premise gehostet wurden, nicht ausgeschöpft werden – Geschwindigkeit, Performanz, Zuverlässigkeit und vor allem die finanziellen und Arbeitsaufwände für die Infrastruktur waren die Hindernisse.

Ein IIoT-Ökosystem entsteht

2016, ausgelöst durch Technologieinnovationen wie schnelles Internet, Cloud und IoT initiierte Endress+Hauser einen neuen Anlauf, um isolierte Assets in vernetzte Produkte umzuwandeln. „Unsere Vision war, ein IIoT-Ökosystem zu kreieren, das alle Informationen aus dem Lebenszyklus einer Anlage auf einer mandantenfähigen Plattform zentral erfasst und uns so ermöglicht, unseren Kunden innovative Dienstleistungen anzubieten“, fasst Hofmann zusammen.

Das Ziel war, über einen API-first-Ansatz auch die Hersteller und Lieferanten anderer Maschinenteile mit auf die Plattform zu nehmen – und den Nutzern der Anlagen somit ein herstellerübergreifendes Gesamtbild zur Verfügung zu stellen. Und auch Endress+Hauser zieht daraus einen Zusatznutzen für sich: „Für uns als Hersteller ist es wichtig, mehr über den Zustand unserer Geräte im Betrieb zu erfahren. Das ist nicht nur für die Produktentwicklung hilfreich, sondern mit diesem Wissen können wir unsere Kunden auch viel besser bedienen“, erklärt Hofmann.

Dies war der Aufbruch in ein neues Zeitalter für Endress+Hauser, die sich damit ein Betätigungsfeld als SaaS-Provider erschlossen. Bei der Suche nach dem geeigneten PaaS-Partner ließ das Unternehmen entsprechende Sorgfalt walten. Denn das Unternehmen wollte keine Ressourcen in die Infrastruktur stecken, sondern sich klar auf die Entwicklung der neuen Dienste konzentrieren. In einer Ausschreibung wurden zunächst elf PaaS-Anbieter europaweit den Kriterien des Unternehmens unterworfen. Dazu gehörte die EuroCloud-Zertifizierung ebenso wie die Verfügbarkeit mehrerer Speichertechnologien und Programmiersprachen sowie eine geografische Standort-Redundanz der Rechenzentren in Europa.

Nach einem einjährigen parallelen Testbetrieb der zwei Finalisten aus der Vorauswahl erhielt Heroku von Salesforce den Zuschlag – auch, weil Endress+Hauser in Kundendienst und Vertrieb bereits seit längerem mit Produkten des Anbieters arbeitet und dadurch weiteres Potenzial für die übergreifende Nutzung der Technologien sieht, so Hofmann: „Perspektivisch möchten wir durch die integrierte Nutzung aller IIoT- und in Salesforce vorhandenen Kundendaten den 360-Grad-Kundenblick für alle Abteilungen und somit ein deutlich besseres Kundenerlebnis schaffen.“

Vom Produktanbieter zu digitalen Services

Mit Heroku als Entwicklungsplattform hat das IIoT-Team um Hofmann die Endress+Hauser IIoT-Platform namens „Netilion“ entwickelt, als Herzstück der digitalen Angebote und Quelle für die IoT-Daten. Dabei kann das Team alle relevanten Technologien einsetzen und in der Test- und Produktionsumgebung vollautomatisiert ausliefern. Nicht nur für die Entwickler selbst ist die Vielfalt der kompatiblen Programmiersprachen ein Vorteil. „Weil wir Netilion als Ökosystem mit verschiedenen Teilnehmern betrachten, ist eine Eingrenzung auf wenige Technologien eher hinderlich“, so Hofmann weiter.

Mit dem API-first Ansatz ist Netilion offen für eine Vielzahl verschiedener Technologien, die sich integrieren lassen. Auch gibt es immer wieder Anforderungen, für die sich eine bestimmte Sprache besser eignet als die andere. So hat das Team beispielsweise die anspruchsvolle Anwendung Elasticsearch für das schnelle Auffinden von Informationen über die Web-Apps in der Rekordzeit von nur zwei Wochen in Netilion integriert.

Stand heute: Durchgängige digitale Services

Über das Einstiegsportal netilion.endress.com können Kunden inzwischen vier verschiedene Services beziehen. Dazu gehören beispielsweise ein Analysetool, das nicht nur Statusinformationen, sondern auch Optimierungsempfehlungen gibt, und eine Library zur Zentralisierung von verteilten Daten. Eine mobile App erleichtert zudem das Einscannen und automatisierte Hinzufügen von nicht-vernetzten Assets. Endress+Hauser hat für den Bezug der Services eine komplett digitalisierte Customer Journey aus verschiedenen Internetdiensten wie beispielsweise auch Zahlungssystemen gebaut.

„Für uns ist dieser Übergang vom Produktanbieter zu digitalen Services sehr aufschlussreich, denn wir bieten sie als Abonnements an, mit ganz anderen Prozessen“, erläutert Hofmann. „Im Unterschied zu unserem traditionellen Produktverkauf durchlaufen unsere Kunden bei den digitalen Services alle Vertriebsphasen innerhalb von zehn Minuten. Daraus lernen wir viel für die Zukunft, wovon potenziell auch die gesamte Vertriebsorganisation der Gruppe profitieren kann.“

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