Salesforce stellt Slack-Neuheiten und einen Gesundheitspass vor Dreamforce 2021 und die Vision vom „Trusted Enterprise“

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Es waren nachdenkliche Töne, die Salesforce-CEO Marc Benioff vor Kunden und Partnern anschlug: Die Pandemie, das Klima, Arbeitskräftemangel, Ungleichheit und Vertrauensverlust – alles Herausforderungen, mit denen sich die meisten Unternehmen noch nicht ausreichend auseinandergesetzt hätten.

Firmen zum Thema

Bühne frei für Salesforce-Chef Marc Benioff auf der Dreamforce 2021 in San Francisco.
Bühne frei für Salesforce-Chef Marc Benioff auf der Dreamforce 2021 in San Francisco.
(Bild: © Photo by Jakub Mosur Photography)

„Wir sind mit mehreren Krisen konfrontiert, die alle gleichzeitig auftreten und die bewältigt werden müssen, damit Organisationen zu vertrauenswürdigen Unternehmen werden können“ sagte Benioff in seiner Keynote zur diesjährigen Salesforce-Konferenz Dreamforce. Vor allem das sinkende Vertrauen in die meisten Institutionen bereite ihm Sorgen: „Das Misstrauen gegenüber allem, von der Politik über den Klimawandel bis hin zu Bildung und Pandemie, ist enorm gestiegen.“ Damit Unternehmen Regierungen oder andere Organisationen diese Krisen bewältigen, zum Wachstum zurückkehren und den Zustand der Welt verbessern könnten, habe Salesforce eine Art Drehbuch entwickelt – das „Trusted Enterprise“.

Doch was steckt dahinter? Salesforce erklärt es folgendermaßen: Ein vertrauenswürdiges Unternehmen zu sein bedeutet, dass der Kunde an erster Stelle steht. In einer Welt, in der jeder von überall aus arbeitet, ist ein digitales Hauptquartier ein wesentlicher Baustein für den Aufbau eines vertrauenswürdigen Unternehmens. Daher sind digitale Zentralen heute wichtiger als physische Zentralen. Aus diesem Grund wird auch Slack in jedes Salesforce-Produkt integriert. Es bedeutet außerdem, dass Gesundheit und Sicherheit an erster Stelle stehen. Und vertrauenswürdige Unternehmen sind nachhaltige Unternehmen, die den Planeten schützen, indem sie ihren CO2-Fußabdruck beachten und „Net Zero“ anstreben, also ihr Unternehmen mit 100 Prozent erneuerbarer Energie betreiben.

Somit drehten sich alle Ankündigungen auf der Dreamforce auch um diese Themen. So hat Salesforce weitere Integrationen seines angekauften Kommunikationsprodukts Slack vorgestellt, so dass es nun in 16 Produkte eingebaut ist. Sie sollen zusammen mit Salesforce Customer 360 ein „digitales Hauptquartier“ ermöglichen. Neues gibt es auch zur Health Cloud 2.0.

Neue Slack-Integraionen

Nachdem Salesforce im August Integrationen von Slack in die Sales-, Service-, Marketing- und Analytics-Cloud bekanntgegeben hat, sind Commerce, Experience, Platform, Trailhead (Lernplattform), MuleSoft und Quip an der Reihe. Bei den branchen-orientierten Produkten genießen nun auch Sustainability (Nachhaltigkeit), Corporate & Investment Banking, Health & Life Sciences, Philanthropy, Non-profit und Education die Vorteile der asynchronen Bürokommunikation mit Slack. Die meisten Neuerungen sollen im Spring- oder Summer-Release '22 der jeweiligen Cloud-Lösung verfügbar werden, so etwa „Expert Finder“ in der Sales-Cloud oder „Einstein Discovery“ in der Analytics Cloud (Tableau).

Slack ist mit MuleSoft integriert.
Slack ist mit MuleSoft integriert.
(Bild: Salesforce)

Es gibt drei Neuerungen in Slack. Slack Clips ist eine Funktion, mit der sich maximal dreiminütige Aufzeichnungen von Ton, Video und Bildschirminhalten anfertigen und teilen lassen. Das soll den Nutzern mehr Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und Belastung verleihen, denn sie können solche Aufzeichnungen überall und zu jeder Zeit bereitstellen und der Nutzer sie überall und jederzeit anschauen, etwa auf einem Handy. Außerdem sollen die Transkripte all dieser Aufzeichnungen in einem Archiv durchsuchbar sein. Diese Funktion wird bereits bereitgestellt.

GovSlack ist eine Slack-Version, die die höchsten, strengsten Compliance- und Sicherheitsanforderungen der US-Regierungsbehörden erfüllt. Eine ganze Reihe von Erweiterungen in Slack Connect sollen es erleichtern, Verbindungen zu erstellen und zu verwalten, und zwar auch für Kunden und Partner, die Slack noch nicht nutzen. Connect soll den Inhalt von E-Mail-Inboxen quasi befreien und in Kanäle umleiten, damit Teams schnell und kollaborativ mit externen Partnern zusammenarbeiten können. Neue Funktionen sollen die Kommunikationen mit Nicht-Slack-Nutzern erleichtern, so dass sich das Netzwerk erweitern lässt. Diese Funktion wird Enterprise-Grid-Kunden ab dem Winter-22-Release zur Verfügung gestellt.

„Der Aufbau einer digitalen Firmenzentrale bedeutet jedoch, dass man sich genau überlegen muss, wie die digitale Infrastruktur, die jeden in einem Unternehmen mit anderen verbindet, aufgebaut sein sollte, damit sie ihnen hilft, zu innovieren, zusammenzuarbeiten und in Kontakt zu bleiben“, sagte Stewart Butterfield, der CEO und Mitgründer von Slack.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Die neue Health Cloud 2.0

Das erweiterte Health-Cloud 2.0-Produktportfolio soll für alle Unternehmen in jeder Branche verfügbar sein. Diesmal dreht sich alles ums Impfen und wie man den individuellen Status nachweist.

Der „Dreampass“ wurde entwickelt, um Präsenz-Veranstaltungen für Mitarbeiter, Kunden und Communities sicherer zu machen. Die Lösung umfasst laut Hersteller Funktionen wie das Registrierungsmanagement, COVID-19-Impf- und/oder Teststatusüberprüfung sowie die Integration von Testanbietern, um die Ausgabe von Testkits zu unterstützen. Nach den notwendigen Überprüfungen erhalten Teilnehmer über Dreampass mit einem personalisierten QR-Code auf dem Endgerät Einlass. Im Falle von Vorgabenänderungen oder einem möglichen Kontakt mit Infizierten (Contact Tracing) können Benachrichtigungen direkt an betroffene Teilnehmer gesendet werden. Dreampass ermöglicht also die Implementierung solider und skalierbarer COVID-19-Schutzprotokolle für Teilnehmende, Mitarbeiter und andere Personen vor Ort. So soll eine sichere Umgebung geschaffen werden.

In welchen Bereichen dieses Vertrauen gewonnen werden muss, skizziert Saleforce in seinem „Playbook“ für ein „Trusted Enterprise“.
In welchen Bereichen dieses Vertrauen gewonnen werden muss, skizziert Saleforce in seinem „Playbook“ für ein „Trusted Enterprise“.
(Bild: Salesforce)

Für die manuelle Kontaktverfolgung werden von der App angeblich nur wenige notwendige Daten von infizierten oder potenziell gefährdeten Personen gesammelt, um bestmöglichen Schutz zu gewährleisten und gefährdete Personen informieren zu können. Durch das Impfmanagement sollen Behörden und Organisationen Impfprogramme verwalten und auf neue Situationen rasch reagieren können. Zu den Funktionen gehören die Bestandsverwaltung, Terminplanung, Ergebnisüberwachung, öffentliche Bekanntmachungen und mehr.

Mit dem „Care from Anywhere“-Ansatz sollen laut Salesforce Gesundheitsorganisationen das Patientenerlebnis personalisieren und eine Versorgung anbieten können, die je nach Wunsch hybrid, also ortsunabhängig, stattfinden kann. Das System soll auch dazu beitragen, Behandlungsteams zusammenzubringen, um bessere Ergebnisse für Patienten zu erzielen. So sollen Unternehmen des Gesundheitssektors produktiver und die Arbeit öffentlicher Gesundheitsbehörden optimiert werden.

Datensicherheit in Europa

Im Dezember 2020 stellte Salesforce seine neue Plattform-Architektur Hyperforce vor. Für die EU schafft nun Salesforce eine gesonderte geografische Zone, in der Hyperforce bereitgestellt wird. Auf diese – nicht ganz neue – Weise soll es Kunden aus der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor möglich sein, ihre Daten in der EU gesetzeskonform (siehe DSGVO) zu verarbeiten und zu speichern.

Salesforce bietet nicht nur seine Services an, sondern auch Support rund um die Uhr. Dieser neue Service wird für Customer 360 Anwendungen ab dem vierten Quartal 2022 ausgerollt.

Nachhaltigkeit und die Cloud

Salesforce ist stolz auf seine Bemühungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und forciert diese Anstrengung in immer weitere Zonen seiner Lieferkette und Partnerlandschaft. Das Unternehmen sei inzwischen entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral und nutze weltweit zu 100 Prozent erneuerbare Energien – auch bei Hyperforce. Salesforce habe dafür Strategien zur Reduktion von Emissionen in den Zonen Scope 1-, Scope 2- und Scope 3 der Firmen-Wertschöpfungskette in den folgenden vier Kategorien entwickelt: Work from Anywhere, Infrastruktur, Geschäftsreisen und Lieferkette.

Als technische Lösung stellt Salesforce nun die Sustainability Cloud 2.0 vor. Unternehmen könnten damit ihren CO2-Ausstoß tracken, die Ausstöße reduzieren und nachhaltiger werden. Zu den neuen Funktionen gehören Slack-First Sustainability für eine verbesserte Zusammenarbeit mit Lieferanten, Verwaltungstools für die Klimakompensation und branchenspezifische Klimaaktionspläne.

Salesforce möchte helfen, eine Billion Bäume zu pflanzen und u.a. damit das Klimaziel von max. 1,5°C Erderwärmung zu erreichen. Es konzentriert sich dafür auf sechs Dimensionen der Nachhaltigkeit: Emissionssenkung, CO2-Abscheidung, Bäume pflanzen & Wiederherstellung von Ökosystemen, Bildung & Mobilisierung, Innovation sowie Regulierung & Richtlinien. Soeben hat Salesforce seinen Klimaaktionsplan veröffentlicht.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

(ID:47686275)

Über den Autor