Vom richtigen Umgang mit Daten

Die Multi-Cloud-Strategie und ihre Einführungsphasen

| Autor / Redakteur: Perry Krug* / Florian Karlstetter

Wichtige Punkte zur Auswahl, Management und Sicherung einer Multi-Cloud-Management-Plattform.
Wichtige Punkte zur Auswahl, Management und Sicherung einer Multi-Cloud-Management-Plattform. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

Gibt es eine neue Innovation auf dem Markt, die die Unternehmenslandschaft aufrüttelt, durchläuft sie in der Regel immer die gleichen Schritte. Am Anfang steht die Einführung: meist langsam und beschränkt auf die fortschrittlichsten und agilsten Unternehmen und Start-ups.

Bis die Technologie zur Reife gelangt und weltweit eingesetzt wird, haben die Early Adopter und die Pioniere bereits damit begonnen, nach Wegen zu suchen, den Einsatz dieser Technologie zu verstärken und zu diversifizieren, um so ihren Wettbewerbsvorteil auszubauen. Genau das erleben wir heute mit der Cloud. Immer mehr Unternehmen, die seit gut einem Jahrzehnt mit der Cloud arbeiten, wenden nun eine verfeinerte Multi-Cloud-Strategie an.

Der Grund ist klar: sie möchten nicht von einem einzelnen Anbieter abhängig sein. In den letzten 15 Jahre dies immer klarer, als Unternehmen zunehmend von monolithischen Plattformen zu Open-Source-Alternativen übergingen. Die Abhängigkeit von nur einem Anbieter ist ein besonders drängendes Cloud-Problem, da den Unternehmen dabei nicht nur die Kontrolle über die Software selbst fehlt, sondern auch teilweise über die Daten. Dadurch könnten ihre gesamten Geschäfte von ihrem Cloud-Anbieter abhängen – und das ist für kein Unternehmen eine gute Ausgangsposition. Deshalb suchen Unternehmen jetzt bei Implementierungsmodellen nach Flexibilität – einem der stärksten Antriebsfaktoren zur Einführung einer Multi-Cloud-Strategie.

Gründe zur Einführung

Die Einführung einer Cloud-neutralen Strategie verleiht Unternehmen ein viel größeres Maß an Geschäftskontinuität und Betriebsbereitschaft. Dies gilt unabhängig von Störungen, die auf Infrastruktur-Ebenen, sei es auf Hardware-Ebene (Server, Netzwerke, Speichergeräte) oder Software-Ebene (Bugs im OS, Router oder Gerätetreiber) auftreten könnten. Da sich kein digitales Unternehmen längere Ausfallzeiten leisten kann, ist dies ein wesentlicher Vorteil der Multi-Cloud-Strategie.

Noch wichtiger als die Systemverfügbarkeit ist jedoch die Frage, wie eine Cloud-neutrale Strategie dazu beitragen kann, ein Unternehmen in Hinblick auf Kosten (Investitionsaufwand und Betriebskosten) und Compliance zukunftsfähig zu machen. In Bezug auf die Kosten sind Unternehmen, die eine Multi-Cloud-Strategie verfolgen, nicht für immer an dieses Modell gebunden – falls es ihnen zu teuer wird, eine öffentliche Cloud zu betreiben. Sie sind dadurch flexibel und können ihre eigenen Datencenter aufbauen sowie ohne zusätzlichen Aufwand ihre Anwendungen unverändert in ihrer eigenen privaten Cloud betreiben.

Dies gilt auch für die Compliance. Sollte ein Unternehmen aus Sicherheits- und Datenschutzgründen wegen regulatorischer Anforderungen einen Teil der Daten und den dazugehörigen Workload aus der öffentlichen Cloud in eine sichere On-Premises-Umgebung verschieben müssen, macht der Multi-Cloud-Ansatz dies möglich. Die Anwendung dieser Strategie gibt Unternehmen die Kontrolle über die Verschiebung der Daten und Workloads, falls ein anderer Cloud-Provider, der die erforderlichen Standards erfüllt, gewählt wird. Oder die Daten können in ihre eigene private Cloud eingestellt werden.

Wie jede andere Technologie-Strategie, hat auch die Multi-Cloud-Strategie einige Nachteile: den Mangel an Standards und Portabilität. Das bedeutet, dass Unternehmen eine sorgfältig erarbeitete Architektur benötigen, um nicht die proprietären Ressourcen eines bestimmten Anbieters nutzen zu müssen. Dies ist ein Bereich,der sich weiterentwickelt und in dem es zu einer Konsolidierung von Technologien und Anwendern kommt. Mit steigender Priorität beschäftigen sich Innovationen auf Cloud-Management-Ebene mehr und mehr mit diesem Thema.

Auswahl, Management und Sicherung einer Multi-Cloud-Management-Plattform

Multi-Cloud-Management entwickelt sich schnell weiter. Es gibt jedoch einige wesentliche Schritte, die jedes Unternehmen überprüfen muss. Diese Punkte zu verstehen, ist für ein Unternehmen im Rahmen der Prüfung der Multi-Cloud-Optionen ebenso wichtig, wie das anschließende Verwalten und Sichern ihrer Daten. Wichtige Faktoren hierbei sind:

Implementierung & Management: Unternehmen verlangen eine einheitliche Management-Plattform, die in vielen Cloud-Infrastrukturen implementiert und verwaltet werden kann. Das ist jedoch einfacher gesagt als getan, da unterschiedliche Cloud-Anbieter unterschiedliche Virtualisierungsebenen und mehrere Verwaltungsebenen haben. Darüber hinaus muss jede Plattform auch die private Cloud implementieren und verwalten. Ein wesentlicher Gesichtspunkt dieser Plattform sollte sein, dass sie eine nahtlose Verschiebung von Diensten und Workloads zwischen öffentlichen und privaten Cloud-Implementierungen zulässt.

Tooling für Produktivität: Nach der Verwaltung geht es um die Benutzerfreundlichkeit. Das Letzte, was ein Unternehmen möchte, ist ein Tool, das seinen Anwendern das Leben verkompliziert oder die Markteinführungszeit behindert. Eine effektive Multi-Cloud-Plattform muss für das Operations-Team wie für das Entwicklungsteam leicht zu bedienen sein, um eine einfache und effektive Konfiguration, Implementierung und Skalierung von Diensten zu ermöglichen.

Überwachung & Diagnostik: Das häufigste Problem in der Cloud ist, das Herunterfahren von Diensten. Und das kostet Unternehmen jedes Jahr Tausende Euro. Aus diesem Grund müssen Überwachungstools in die Multi-Cloud-Strategie integriert werden. Effektive Tools sollten warnen und gleichzeitig eine Delegated-Administration-Funktion bieten – ein Muss in dieser schnelllebigen Welt. Ebenso wichtig sind Diagnose-Tools, die Sichtbarkeit auf Infrastrukturebene liefern, um schwierigste Probleme zu beheben.

Sicherheit & Governance: Da immer mehr Kundendaten und vertrauliche Informationen über das Internet verfügbar sind, muss die Management-Plattform die Möglichkeit bieten, Sicherheits-Updates auf allen Ebenen – Infrastruktur, Plattform oder Anwendung – schnell einzuführen und zu implementieren. Die Management-Plattform muss des Weiteren richtlinienbasierte Governance von Daten und Diensten ermöglichen, sodass Unternehmen die Datenbewegungen über geografische Grenzen hinweg gemäß den gesetzlichen Vorschriften und Regelungen kontrollieren können.

Perry Krug, Principal Analyst bei Couchbase.
Perry Krug, Principal Analyst bei Couchbase. (Bild: Couchbase)

Kurzum, die Cloud ist von der privaten über die hybride zur jetzigen Multi-Cloud-Technologie herangereift, die, angesichts der Tatsache, dass Unternehmen bestrebt sind, Workloads zu optimieren und Anbieterabhängigkeit zu vermeiden, zum De-facto-Maßstab für die Cloud-Architektur werden wird. Daten befinden sich in privaten, öffentlichen oder hybriden Clouds und On-Premises. Sie müssen jedoch unabhängig von der Umgebung effektiv verwaltet und gesichert werden. Nur Unternehmen, die dies erreichen, werden von den wahren Vorteilen der Multi-Cloud-Strategie profitieren können.

Der Autor: Perry Krug ist Principal Architect bei Couchbase.

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