Ovum-Report: Middleware as a Service

Der Aufstieg der Middleware-Suiten in der Cloud

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Florian Karlstetter

Ovum hat neun Anbieter von Middleware-as-a-Service-Suiten untersucht.
Ovum hat neun Anbieter von Middleware-as-a-Service-Suiten untersucht. (Bild: © vallepu - stock.adobe.com)

Die Integration von Anwendungen (B2B, IoT usw.) und Geräten durch eine Middleware verlagert sich zusehends in die Cloud. Eine neue Marktstudie von OVUM Consulting stellt eine Entscheidungsbasis für die Auswahl der passenden Middleware as a Service (MWaaS) bereit. Die alteingesessenen Anbieter sehen sich einer überraschenden Vielzahl von Herausforderern gegenüber, darunter auch einige aus Deutschland.

Im Zeitalter der Digitalisierung profitieren moderne IT-Anwendungen von der Integration anderer Anwendungen, Module, Datenquellen, Geräte und Services. Die Ebene der Integration wird von einer Middleware realisiert, und im Zuge des Cloud Computing finden sich in der Cloud immer mehr Cloud-Services und Suiten. Dafür gibt es nach Angaben des OVUM-Reports "Ovum Decision Matrix: Selecting a Middleware-as- a-Service Suite zwei Gründe. Die IT-Abteilung hat weder das Budget noch die Zeit, um langwierige Middleware-Einführungen zu stemmen, sondern muss agil vorgehen – schnell und flexibel. Der zweite Grund ist daher, die nötigen Services in der Cloud zu abonnieren und sie in einer hybriden Cloud-Architektur mit der traditionellen Middleware zu koppeln, etwa mit einem Enterprise Service Bus

Die Kategorie MWaaS

Nach Ansicht der Marktforscher von OVUM hat der Erfolg des Konzepts Platform as a Service (PaaS) zur Entstehung von MWaaS geführt. Darunter ist eine zusammenhängende Suite Cloud-basierter Integrationsdienste zu verstehen, die auf Einsatzszenarien hybrider Integration abzielt.

Sie umfasst die Integration von Cloud Services, die API-gestützte Integration, API-Management, B2B-Integration, die Integration von Mobil- und Backend-Anwendungen sowie die Integration von IoT-Apps und von Datenquellen. APIs sind in einer vernetzten Welt von größter Bedeutung. Nicht nur erlauben sie die Nutzung externer Angebote wie Anwendungen, Geräten und Services, sondern bieten umgekehrt einem Unternehmen die Möglichkeit, das eigene innovative Geschäftsmodell und die eigenen Vorzüge anzubieten und mit externen Plattformen wie etwa Google usw. zu koppeln. Dies ist im Umfeld von Industrie 4.0 und IoT unerlässlich.

Eine umfassende MWaaS-Suite (siehe Abbildung 1 in der Bildergalerie) kombiniert iPaaS, apiPaaS, mobiles Backend as a Service (MBaaS) und andere Cloud-basierte Integrationsdienste wie etwa datenzentrisches PaaS und Cloud-basierte B2B-Integrationsdienste. Ihr Zweck: eine zusammenhängende Suite von Integrationsfähigkeiten bereitzustellen, die zur Unterstützung des digitalisierten Geschäfts nötig sind.

Eine MWaaS-Suite lässt sich indes auch als eine Reihe von gut integrierten, Cloud-basierten Integrationsdiensten beschreiben, also ohne den Hybrid-Aspekt der Private/Public-Cloud-Integration. In angrenzenden Einsatzszenarien, so OVUM, finden sich Funktionen wie Prozessintegration und Orchestrierung, doch OVUM hat in seiner Marktstudie diese BPM-zentrischen Produkte aus seiner Bewertung ausgeschlossen.

Anbieter

Die Platzhirsche im Markt sind die beiden Marktführer IBM mit der Connect-Familie und Tibco mit der Business Works-Suite sowie Axway mit der Amplify-Plattform, Dell Boomi mit iPaaS AtomSphere und Mulesoft mit dem Produkt: Anypoint. Darüber hinaus stuft Ovum als Herausforderer die Anbieter Jitterbit, Snaplogic, den Open-Source-Anbieter WSO2 und die deutsche Firma Seeburger ein.

Seeburger ist mit seiner Business Integration Suite (BIS) seit rund 30 Jahren als Integrationsspezialist auf dem Markt, so dass die Einstufung als Herausforderer so manchen Experten erstaunen könnte. Alle bewerteten Produkte sind spätestens seit Ende Januar 2017 auf dem Markt und seit Ende März 2017 bei mindestens 30 zahlenden Enterprise-Kunden im Einsatz.

Ergebnisse der Marktstudie

Die Einführung von MWaaS in Unternehmen eignet sich sowohl für strategische als auch taktisch orientierte Initiativen im Hinblick auf die Hybrid-Integration. IT-Marktführer haben die erheblichen Vorteile von MWaaS-Suiten hinsichtlich größerer Agilität erkannt, die für sich rasch wandelnde Geschäftsanforderungen und Kosteneinsparungen nötig sind.

Indes werde der Begriff „Middleware as a Service“ durch die Interessenten noch nicht besonders gut verstanden. Die Anbieter sollten sich deshalb bemühen, eine MWaaS-Suite in der Cloud als Gegenstück zur traditionellen hausinternen Middleware zu positionieren.

Der Grad der Kopplung der Komponenten einer MWaaS-Suite ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Besonders in den Bereichen Einheitlichkeit der Benutzererfahrung (GUI etc.) und der Kopplung auf der API-Ebene von Produkten bzw. Komponenten haben sich die Anbieter um Verbesserungen bemüht.

Die MWaaS-Entwicklungsansätze der Marktführer bei Middleware und Cloud-basierten Integrationsplattformen weichen stark voneinander ab, so dass der Interessent achtgeben muss, welche Entwicklungsbedingungen er bei welchem Anbieter vorfindet und nutzen kann.

Die API-geführte Integration ist eine zentrale Anforderung für das digitale Business und ein Hauptmerkmal für eine MWaaS-Suite. Ähnlich wichtig wie die Verwaltung von Programmierschnittstellen ist mittlerweile auch die rasche Erstellung bzw. Zusammenstellung von APIs geworden.

Die Marktverlagerung, die mit der Entstehung einer integrierten Platform as a Service (iPaaS) begann, hat zur Geburt eines breiter aufgestellten Middleware-Stapels in der Cloud geführt. MWaaS ist daher nur die natürliche Weiterentwicklung von iPaaS-Produkten, wobei folgende Vorteile angestrebt werden: höhere Entwicklerproduktivität, kürzere Time-to-Integration und niedrigere Betriebskosten (TCO).

Rasantes Wachstum prognostiziert

Die MWaaS dürften nach Ansicht von OVUM den bestehenden Markt für hausinterne Middleware kannibalisieren und bis Mitte 2019 etwa 50 Prozent des Middleware-Budgets für Neuinvestitionen (also keine Wartung oder Upgrades) beanspruchen. Die Investitionen für iPaaS-Lösungen dürften zwischen 2016 und 2021 um 42,2 Prozent steigen, wodurch 2021 ein Markt von 2,2 Milliarden US-Dollar entsteht.

API-Plattformen sind weltweit sogar noch gefragter. Hier dürften die Ausgaben um 44,7 Prozent im gleichen Zeitraum ansteigen, so dass ein Marktvolumen von rund 3 Milliarden US-Dollar entsteht. B2B-Integrationsdienste schlagen nach einem Wachstum um 18 Prozent bis zum Jahr 2021 mit über 4 Milliarden US-Dollar zu Buche. Der MBaaS-Markt (Mobile Backend as a Service) dürfte in diesem Zeitraum weltweit ebenfalls zweistellig wachsen.

Alle erwähnten Kategorien werden in der Studie eingehend charakterisiert. Um zu sehen, wie die einzelnen Anbieter in den verschiedenen Bewertungskategorien abgeschnitten haben, kann man sich den kostenlosen Report im Netz herunterladen. Die Positionierungen sind sowohl in Tabellen als auch in Radardiagrammen dargestellt.

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