Zurück ins eigene Rechenzentrum: 10 Empfehlungen Cloud-Repatriierung richtig planen

Quelle: Pressemitteilung 4 min Lesedauer

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Steigende KI-Kosten, neue Regulierungen und der Wunsch nach Kontrolle verändern die Cloud-Strategien vieler Unternehmen. Ein Leitfaden für die richtige Repatriation-Strategie aus Sicht der Rechenzentrumsplanung.

Steigende Kosten und neue Regularien treiben Unternehmen zurück ins eigene Rechenzentrum – eine kluge Repatriierungsstrategie kann zum Wettbewerbsvorteil werden.(Bild: ©  kiri - stock.adobe.com)
Steigende Kosten und neue Regularien treiben Unternehmen zurück ins eigene Rechenzentrum – eine kluge Repatriierungsstrategie kann zum Wettbewerbsvorteil werden.
(Bild: © kiri - stock.adobe.com)

Der Trend zur Public Cloud schien unaufhaltsam. Doch nun kehrt die digitale Transformation teilweise ihre Richtung um. Denn viele Unternehmen erleben derzeit, dass sich die ursprünglich erwarteten Kostenvorteile der Public Cloud nicht realisieren lassen. Insbesondere im Kontext von KI-Anwendungen mit hohen Anforderungen an Rechenleistung, Speicher und Datentransfer werden die laufenden Betriebskosten zunehmend zum Risikofaktor.

Der Betrieb eigener Infrastrukturen wird dadurch nicht nur zur strategischen, sondern auch zur wirtschaftlich sinnvollen Option. Für viele Unternehmen stellt sich die Frage neu: Welche Workloads gehören wirklich in die Cloud und welche wandern besser zurück ins eigene Rechenzentrum?

Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere generativer und agentischer KI, verändert die Anforderungen an IT-Infrastrukturen massiv: Die Modelle sind datenhungrig, energieintensiv und benötigen spezialisierte Hardware. Damit steigen nicht nur die technischen Anforderungen, sondern auch die Kosten bei cloudbasierter Nutzung rasant. Hinzu kommen rechtliche und regulatorische Anforderungen, die sich in Public-Cloud-Modellen nicht immer ausreichend abbilden lassen. Unternehmen, die wieder stärker auf eigene Rechenzentren setzen, verfolgen deshalb keine Rückzugsstrategie, sondern reagieren auf reale betriebswirtschaftliche und technologische Herausforderungen.

Aber: Welche Infrastrukturüberlegungen sind relevant? Und worauf sollten IT- und Infrastrukturverantwortliche bei der Repatriierung achten? Stefan Maier, Geschäftsführer bei Prior1 gibt zehn Empfehlungen aus Sicht der Rechenzentrumsplanung:

1. Workloads differenziert analysieren
Der erste Schritt jeder Repatriierungsstrategie ist eine detaillierte Analyse aller Workloads im Unternehmen. Dabei geht es nicht nur um technische Kriterien, sondern auch um wirtschaftliche, regulatorische und sicherheitsrelevante Aspekte. Welche Anwendungen verursachen in der Cloud überproportional hohe Betriebskosten? Welche sind datenschutzrechtlich sensibel oder erfordern geringe Latenzzeiten? Besonders bei KI-gestützten Prozessen, großen Datenmengen oder Business-Critical Applications lohnt sich ein genauer Blick auf Betriebskosten, Datenflüsse und Abhängigkeiten. Diese Analyse bildet das Fundament jeder Architekturentscheidung.

2. Standortwahl strategisch treffen
Die Wahl des richtigen Standorts für das eigene Rechenzentrum hat weitreichende Konsequenzen: für Energieeffizienz, Betriebsstabilität, Nachhaltigkeit und Expansion. Neben Aspekten wie Netzanschluss, Platzangebot und Erreichbarkeit sollten auch regionale Förderprogramme, die Nähe zu Ökostromquellen oder Potenziale für Abwärmenutzung berücksichtigt werden. Eine gute Standortentscheidung kann nicht nur langfristige Betriebskosten senken, sondern auch Investitionssicherheit und Flexibilität erhöhen.

3. Energieeffizienz von Anfang an einplanen
Moderne Rechenzentren müssen deutlich mehr Rechenleistung auf engerem Raum erbringen und dabei im Verhältnis zur verarbeiteten IT-Last immer weniger Energie verbrauchen. Die Herausforderung: Neue Workloads wie KI oder Machine Learning erhöhen die Leistungsdichte erheblich. Klassische Luftkühlung stößt hier teilweise an ihre Grenzen. Stattdessen setzen fortschrittliche Betreiber auf Konzepte wie Direct Liquid Cooling, Warmwasser-Kreisläufe oder modulare Kühlzonen. Wer diese Technologien von Anfang an einplant, reduziert nicht nur Energiekosten und CO₂-Ausstoß, sondern unterstützt gesetzliche Vorgaben wie das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) zu erreichen.

4. Nachhaltigkeit als Business Case verstehen
Nachhaltigkeit ist heute mehr als nur eine Pflicht. Sie wird zunehmend zur strategischen Differenzierung. Rechenzentren mit eigener Photovoltaik-Anlage, Ökostromverträgen, Holzmodulbauweise oder intelligenter Abwärmenutzung setzen nicht nur ein Zeichen für Verantwortung, sondern erzielen auch ökonomische Vorteile durch langfristige Energiepreisstabilität, Imageeffekte und regulatorische Bonuspunkte. Nachhaltigkeit lässt sich heute planen, nicht nur aus Überzeugung, sondern auch aus wirtschaftlicher Klugheit.

5. Compliance-Anforderungen technisch abbilden
Regulatorische Vorgaben wie DSGVO, NIS-2 oder das EnEfG (Energieeffizienzgesetz) beeinflussen die RZ-Planung tiefgreifend. Eigene Rechenzentren bieten die Möglichkeit, Compliance von Grund auf mitzudenken: durch klar definierte Zugriffsrechte, verschlüsselte Datenräume, nachvollziehbare Log-Ketten oder dedizierte Sicherheitszonen. Gerade mittelständische Unternehmen profitieren von dieser Transparenz und vermeiden langfristige Risiken bei Audits, Zertifizierungen oder Lieferkettenverantwortung.


Cloud-Repatriierung ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck strategischer Reife. Unternehmen, die individuelle Anforderungen an Kosten, Sicherheit und Nachhaltigkeit genau analysieren, profitieren langfristig von mehr Kontrolle, besserer Planbarkeit und messbaren Wettbewerbsvorteilen.

Stefan Maier, Geschäftsführer Prior1

Bildquelle: Prior1

6. Hybride Architekturen gezielt planen
Ein Rechenzentrum ersetzt nicht automatisch die Cloud. Vielmehr geht es um das richtige Zusammenspiel beider Welten. Hybride IT-Architekturen ermöglichen es, sensible oder kostenintensive Anwendungen lokal zu betreiben, während andere Dienste weiterhin in der Cloud bleiben. Voraussetzung ist eine durchdachte Architektur mit klaren Schnittstellen, einheitlichen Monitoring-Lösungen und gut dokumentierten Übergabepunkten. Wer hybride Strategien frühzeitig einplant, bleibt langfristig flexibel.

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7. Gesamtkosten realistisch kalkulieren
Viele Repatriierungsprojekte scheitern an einer zu optimistischen Kostenplanung. Neben Investitionskosten für Bau, Hardware und Ausstattung müssen auch die laufenden Betriebskosten realistisch abgebildet werden: Energie, Flächenbedarf, Wartung, Personal, Software-Lizenzen, IT-Sicherheit, Notfallvorsorge. Eine Total-Cost-of-Ownership-(TCO)-Betrachtung über fünf bis zehn Jahre gibt realistische Entscheidungsgrundlagen und zeigt oft, dass On-Premises-Modelle wirtschaftlicher sind als erwartet.

8. Personalressourcen gezielt einsetzen
Der Betrieb eines Rechenzentrums ist anspruchsvoll und Fachpersonal in der IT-Infrastruktur ist knapp. Wer dennoch eigene Infrastrukturen betreiben will, sollte frühzeitig über Betriebsmodelle nachdenken. Insite- Co-Location, Managed-Services oder Fully-Serviced-RZs ermöglichen eine Entlastung interner Ressourcen, ohne Kontrollverlust. So lassen sich Betriebssicherheit, Verfügbarkeit und Know-how kombinieren, ganz im Sinne eines souveränen, aber wirtschaftlichen RZ-Betriebs.

9. Flexible Finanzierungsmodelle nutzen
Der Bau oder Umbau eines Rechenzentrums muss nicht automatisch hohe Einmalkosten bedeuten. Moderne Anbieter bieten flexible Finanzierungsmodelle, etwa nutzungsbasierte Abrechnung (Consumption-Based), Leasing-Optionen oder hybride Modelle, die CAPEX- und OPEX-Anteile kombinieren. Gerade für Unternehmen mit begrenztem Investitionsspielraum eröffnen sich so Wege zur digitalen Eigenständigkeit, ohne auf Skalierbarkeit, Nachhaltigkeit oder Sicherheit zu verzichten.

10. Frühzeitig Expertise einbinden
Eine Repatriierung ist kein rein technisches Projekt. Sie betrifft Strategie, Finanzen, Organisation, Nachhaltigkeit und Compliance. Deshalb lohnt es sich, bereits früh im Planungsprozess auf externe Erfahrung zu setzen. Rechenzentrumsplaner wie Prior1 bringen nicht nur bauliches und technisches Know-how ein, sondern auch Erfahrung mit hybriden Szenarien, regulatorischer Integration und nachhaltigen Betriebskonzepten. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern sorgt für zukunftssichere Entscheidungen.

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