BaaS im Praxiseinsatz – Teil 1 Cloud-Entwicklung mit Backend-as-a-Service

Von Elena Bochkor und Dr. Veikko Krypczyk* 8 min Lesedauer

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Immer mehr Anwendungen – ob mobil oder webbasiert – greifen auf Daten in der Cloud zu. Statt eigene Server und Datenbanken zu betreiben, setzen viele Entwickler auf sogenannte Backend-as-a-Service-Plattformen, welche standardisierte Funktionen als Cloud-Service bereitstellen. Der Artikel zeigt, wie sich solche Dienste nutzen lassen, welche Vorteile sie bieten und worauf bei der Auswahl zu achten ist.

Backend-as-a-Service-Plattformen übernehmen Standardaufgaben im Hintergrund und beschleunigen die Entwicklung von Apps und Services.(Bild: ©  hakinmhan - stock.adobe.com)
Backend-as-a-Service-Plattformen übernehmen Standardaufgaben im Hintergrund und beschleunigen die Entwicklung von Apps und Services.
(Bild: © hakinmhan - stock.adobe.com)

Backend-as-a-Service (BaaS) ist ein Cloud-Modell, bei dem Entwickler die kompletten Aufgaben eines Backends an einen Cloud-Dienst auslagern und sich auf die Frontend-Logik konzentrieren können. Die Kernfunktion eines solchen BaaS ist eine leichtgewichtige Datenspeicherung. Deren Einsatz verkürzt die Entwicklungszeit und erlaubt es Teams, sich auf die eigentliche Anwendung zu fokussieren.

Übliche Anwendungsfälle sind Mobile- und Web-Apps, bei denen schnell skalierende Backends benötigt werden, ohne dass Entwickler sich um Infrastruktur kümmern möchten. Durch den Einsatz von BaaS spart man Zeit und Kosten.

Typische Funktionen von BaaS-Angeboten

BaaS-Plattformen bieten i.d.R. ein Bündel aus Backend-Services über eine API oder ein SDK. Kernfunktionen umfassen typischerweise:

  • Datenbank und Speicher: Skalierbare NoSQL- oder SQL-Datenbanken sowie Blob-/Dateispeicher in der Cloud. Entwickler können Daten (z.B. JSON-Dokumente) ablegen, abfragen oder als Dateien speichern.
  • Authentifizierung: Eingebaute Nutzerverwaltung mit E-Mail-Login, Passwort-Zurücksetzung, Social-Logins (OAuth über Facebook, Google etc.) und Rollen-basierte Zugriffskontrolle.
  • Echtzeit-Funktionen: Einige BaaS bieten Realtime-Synchronisation, z.B. Live-Updates via WebSockets und Offline-Support, sodass Clients stets aktuelle Daten sehen.
  • Benachrichtigungen: Push-Benachrichtigungen und E-Mail-Services zur Nutzerkommunikation.
  • Hosting und Serverless-Funktionen: Bereitstellung statischer Assets und ggf. serverloser Logik (Functions-as-a-Service), um eigene API-Endpunkte oder Trigger zu implementieren.
  • Weitere Dienste: Geolocation-Dienste, In-App-Chat, Analytics usw. Viele BaaS-Lösungen unterstützen eigene Zusatzfunktionen wie Performance-Monitoring oder Suchindizierung.

Einfach ausgedrückt: BaaS-Anbieter entlasten Entwickler von typischen Backend-Aufgaben. Dabei ist zu beachten, dass man die komplette Funktionsvielfalt in den meisten Projekten nicht benötigt.

BaaS im Kontext von Cloud Computing

Backend-as-a-Service lässt sich als spezialisierte Ausprägung im Spektrum des Cloud Computings zwischen Infrastructure-as-a-Service (IaaS) und Platform-as-a-Service (PaaS) einordnen. Während IaaS Dienste wie virtuelle Maschinen, Speicher und Netzwerkinfrastruktur bereitstellt, obliegt es dem Nutzer, das Betriebssystem, Middleware und die eigentliche Anwendungslogik selbst zu betreiben.

PaaS geht einen Schritt weiter und stellt zusätzlich eine lauffähige Entwicklungs- und Ausführungsplattform zur Verfügung – etwa mit vorinstallierten Frameworks, Datenbanken oder CI/CD-Tools. Beide Modelle erfordern jedoch eine gewisse Eigenverantwortung für die Backend-Architektur.

Einordnung von BaaS in den Kontext des Cloud Computings.(Bild:  Krypchzyk)
Einordnung von BaaS in den Kontext des Cloud Computings.
(Bild: Krypchzyk)

BaaS abstrahiert diesen Teil noch weiter: Es stellt vollständig vorgefertigte, produktionsreife Backend-Komponenten bereit – darunter Datenbankfunktionen, Nutzerverwaltung, Datei-Upload, Benachrichtigungen oder Realtime-Dienste. Der Zugriff erfolgt meist über standardisierte APIs oder SDKs (Software Development Kit) für verschiedene Plattformen.

Entwickler können sich somit vollständig auf das Frontend und die Business-Logik konzentrieren, ohne sich um die Einrichtung, Wartung oder Skalierung des Backends kümmern zu müssen. BaaS schließt damit die Lücke zwischen Plattform und fertiger Infrastruktur und eignet sich besonders für die schnelle, ressourcenschonende Entwicklung moderner Web- und Mobile-Anwendungen.

Kosten, Skalierung, Datenschutz, Aufwand und Risiken

Die Entscheidung für oder gegen BaaS hängt wesentlich von den Anforderungen eines Projekts, aber auch von wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen ab. Der Einsatz eines BaaS bietet vielfältige Vorteile (Kosten, Skalierung, Datenschutz, Aufwand) gegenüber dem Betrieb einer eigenen Serverinfrastruktur. Die Einrichtung eines BaaS ist in der Regel mit sehr geringen Initialkosten verbunden. Viele Anbieter bieten kostenlose Einstiegstarife oder „Free Tiers“, die für kleinere Projekte oder Prototypen vollkommen ausreichen.

Die Betriebskosten sind transparent und meist nutzungsabhängig: Statt in Hardware, Lizenzen, Wartung oder Personal zu investieren, bezahlt man nur die Ressourcen, die tatsächlich in Anspruch genommen werden – etwa pro Datenbankzugriff, Nutzeranzahl oder Speichervolumen. Gerade für Start-ups und kleine Teams ist dieses Pay-as-you-go-Modell attraktiv.

Einer der größten Vorteile von BaaS-Plattformen ist ihre automatische Skalierbarkeit. Anwendungen, die in kurzer Zeit stark an Nutzerzahl gewinnen, benötigen keine manuelle Aufrüstung der Server – die Cloud-Infrastruktur wächst bei Bedarf automatisch mit. Bei einem selbst betriebenen Server müssten Entwickler hingegen Load-Balancing, Replikation, Redundanz und Monitoring selbst organisieren, was mit erheblichem technischem und finanziellem Aufwand verbunden ist.

Moderne BaaS-Anbieter legen großen Wert auf Datenschutz und stellen häufig Tools zur Verfügung, um die Anforderungen der DSGVO oder anderer internationaler Datenschutzrichtlinien umzusetzen. Dazu gehören Funktionen wie rollenbasierte Zugriffskontrolle, Audit-Logs, Verschlüsselung von Daten bei Übertragung und Speicherung sowie die Möglichkeit, Serverstandorte gezielt auszuwählen. Einige Anbieter ermöglichen zudem den Abschluss eines Auftragsverarbeitungsvertrags, was gerade im europäischen Kontext ein wichtiges Kriterium ist.

Der Einsatz eines BaaS reduziert den Implementierungsaufwand erheblich. Anstatt eigene APIs, Authentifizierungsmechanismen oder Datenbankstrukturen zu entwickeln, können Entwickler auf erprobte, dokumentierte Schnittstellen und SDKs zurückgreifen. Dies beschleunigt nicht nur die Entwicklungszeit, sondern reduziert auch die Wartung und Fehleranfälligkeit der Anwendung. Updates, Sicherheits-Patches und Infrastrukturwartung liegen in der Verantwortung des Anbieters – so können sich Entwickler ganz auf die Business-Logik ihrer Anwendung konzentrieren.

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Weitere Vorteile sind:

  • Zeitersparnis: durch fertige Komponenten.
  • Schneller Time-to-Market: keine eigene Infrastruktur muss aufgesetzt werden.
  • Weniger Sicherheitsrisiken: BaaS-Anbieter stellen i.d.R. regelmäßige Sicherheitsupdates bereit.
  • Integration mit anderen Cloud-Diensten: etwa für Analytics, Payments oder AI-Funktionen.

Ein weiteres zentrales Argument für den Einsatz BaaS-Lösungen liegt in der erheblichen Entlastung bei der Einrichtung und Wartung einer eigenen serverseitigen Infrastruktur. Der Aufbau eines skalierbaren, sicheren und performanten Backends ist ein komplexes Unterfangen, das ein hohes Maß an technischem Know-how, Erfahrungswissen sowie kontinuierlicher Pflege erfordert.

Entwicklerinnen und Entwickler müssen sich bei einer Eigenentwicklung unter anderem mit Themen wie Serverkonfiguration, Datenbankmanagement, Authentifizierung, API-Design, Sicherheitsstandards, Skalierung, Monitoring und Fehlerbehandlung auseinandersetzen. Insbesondere kleinere Teams oder Start-ups stehen hier vor einer enormen Herausforderung, da ihnen oft die personellen und zeitlichen Ressourcen fehlen, um diese Aufgaben auf professionellem Niveau zu erfüllen.

BaaS-Plattformen abstrahieren viele dieser Aufgaben durch standardisierte und sofort einsetzbare Dienste. Sie bieten vorkonfigurierte Module für die genannten Aufgaben, welche sich über einfache Schnittstellen ansprechen lassen. Dadurch können sich Entwickler auf die eigentliche Anwendungslogik und das Nutzererlebnis konzentrieren, statt sich mit komplexen Backend-Setups zu beschäftigen. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern reduziert auch das Risiko von Fehlern in sicherheitskritischen Bereichen. Zusätzlich profitieren Teams von integrierten Skalierungsmechanismen und automatischer Wartung, die eine stabile und belastbare Systemarchitektur sicherstellen – auch bei starkem Nutzerwachstum.

Der Einsatz von BaaS bringt neben vielen Vorteilen auch einige Risiken mit sich. Ein zentrales Problem ist die Abhängigkeit vom Anbieter: Wer sich für eine Plattform entscheidet, bindet sich oft tief in dessen Schnittstellen und Datenmodelle – ein späterer Wechsel ist aufwändig. Zudem sind die Möglichkeiten zur Individualisierung begrenzt. Komplexe Anforderungen oder spezielle Sicherheitsmaßnahmen lassen sich häufig nicht realisieren.

Auch die Aspekte des Datenschutzes benötigen einer kritischen Reflektion. Trotz DSGVO-Konformität bleibt die Verantwortung beim Betreiber der Anwendung, insbesondere bei sensiblen Daten. Ein weiteres Risiko besteht in möglicherweise steigende Kosten bei wachsender Nutzung – viele Dienste rechnen API-Zugriffe oder Speicherplatz separat ab. Schließlich bedeutet BaaS auch Kontrollverlust, d.h. Sicherheitslücken oder Ausfälle auf Anbieterseite wirken sich direkt auf die eigene Anwendung aus. Wer maximale Kontrolle benötigt, sollte den Einsatz sorgfältig abwägen.

Fassen wir die Argumente zusammen: Der Einsatz eines BaaS ist besonders für dynamische, digital affine Projekte sinnvoll, bei denen Entwicklungsgeschwindigkeit, Skalierbarkeit und geringer Wartungsaufwand im Vordergrund stehen. Für größere Unternehmen mit speziellen Compliance- oder Integrationsanforderungen kann hingegen der eigene Serverbetrieb (z. B. in einer Private Cloud) sinnvoller sein. Die Entscheidung sollte stets entlang von Kriterien wie Budget, Projektgröße, Sicherheitsanforderungen und Ressourcenverfügbarkeit getroffen werden.

BaaS-Anbieter

Es gibt eine Vielzahl etablierter BaaS-Anbieter, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen und sich für verschiedene Anwendungsszenarien eignen. Zu den bekanntesten zählen Firebase, AWS Amplify, Supabase, Backendless und weitere spezialisierte Plattformen, wie beispielsweise StellarDS.

Werfen wir einen Blick auf diese BaaS und betrachten wir dann beispielhaft die Einrichtung und Verwendung aus Sicht des Softwareentwicklers:

Firebase ist ein von Google bereitgestellter BaaS-Dienst, der eine NoSQL-Datenbank (Cloud Firestore und Realtime Database), Nutzer-Authentifizierung, Cloud-Funktionen, Push-Benachrichtigungen und Hosting für statische Webanwendungen bietet. Hervorzuheben ist die integrierte Echtzeit-Synchronisation sowie die enge Verzahnung mit anderen Google-Diensten. Firebase eignet sich gut für mobile und Webanwendungen mit hoher Interaktivität, insbesondere bei Bedarf an Realtime-Funktionen.

AWS Amplify ist die BaaS-Lösung im Amazon-Ökosystem. Sie kombiniert Dienste wie Authentifizierung, Datenbanken (z. B. DynamoDB), GraphQL-APIs, Hosting und Storage. Amplify richtet sich insbesondere an Entwickler, die skalierbare Anwendungen auf AWS aufbauen möchten und dabei möglichst viele Backend-Komponenten automatisiert verwalten wollen.

Supabase basiert auf PostgreSQL als relationaler Datenbank. Es bietet Authentifizierung, Realtime-Funktionen, Storage und eine SQL-basierte API. Supabase richtet sich an Entwickler, die eine klassische SQL-Struktur bevorzugen, aber nicht auf moderne BaaS-Komfortfunktionen verzichten möchten.

StellarDS ist ein europäischer BaaS-Anbieter, der sich auf eine strukturierte, tabellenbasierte Datenhaltung spezialisiert hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Diensten setzt StellarDS auf ein relationales Datenmodell, bei dem Daten in frei definierbaren Tabellen mit benutzerdefinierten Feldern organisiert werden. Die Plattform stellt eine REST/JSON-API sowie SDKs für verschiedene Programmiersprachen, d.h. aktuell JavaScript, TypeScript, .NET, Python und Delphi bereit, über die sich Daten erstellen, lesen, aktualisieren und löschen lassen. Zu den Kernfunktionen gehören eine rollenbasierte Zugriffskontrolle, Multi-Tenant-Unterstützung (Mehrmandantenfähigkeit), OAuth2-Authentifizierung, die Verwaltung von Metadaten über ein Web-Dashboard sowie die Möglichkeit, strukturierte und unstrukturierte Daten zu speichern. Die Plattform richtet sich vor allem an Entwickler, die auf ein klassisch strukturiertes Datenmodell mit klarer Rechteverwaltung setzen und dabei europäische Datenschutzstandards (DSGVO) einhalten möchten. Sie eignet sich gut für datengetriebene Web- und Business-Anwendungen, bei denen Transparenz, Struktur und Datenschutz im Vordergrund stehen. Backendless bietet sowohl NoSQL- als auch relationale Datenbankfunktionen, Benutzerverwaltung, Push-Benachrichtigungen, serverseitige Logik und ein visuelles Backend-Dashboard. Der Dienst legt Wert auf hohe Anpassbarkeit und erlaubt auch visuelle App-Entwicklung über ein integriertes UI-Tool.

Diese Anbieter decken in unterschiedlichem Umfang typische BaaS-Funktionalitäten ab. Die Wahl des passenden Dienstes hängt stark von den Anforderungen an Datenmodell, Skalierbarkeit, Echtzeitverhalten, Integrationsfähigkeit und Kostenstruktur ab.

Lesen Sie weiter in Teil 2: „BaaS einrichten und nutzen: So geht es mit StellarDS“

* Über die Autoren
Dr. Veikko Krypczyk ist Softwareentwickler, Trainer und Fachautor und u.a. auf die Themen Mobile Development, WinUI 3 und .NET MAUI spezialisiert. Sein Wissen gibt er über Fachartikel, Seminare und Workshops gern an Interessierte weiter und steht mit seiner Expertise auch für eine individuelle Unterstützung in Projekten zur Verfügung. Elena Bochkor arbeitet primär am Entwurf und Design mobiler Anwendungen und Webseiten. Weitere Informationen zu den Autoren unter Larinet.com.

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