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Um erst einmal ausreichend Erfahrungen sammeln zu können, habe man sich bei BMW im ersten Schritt für das Modell einer privaten Cloud entschieden, erklärt Müller. Und auch die noch zahlreichen ungeklärten Fragen hinsichtlich Compliance und Security, aber auch die unausgereifte Interoperabilität, trugen zu dieser Entscheidung bei. Bei der Umsetzung habe BMW sich auf bereits in der ODCA entwickelte Anwendermodelle gestützt. Langfristig soll das Cloud-Projekt bei BMW aber in zwei Schritten umgesetzt werden: Der erste konzentriert sich ausschließlich auf die Private Cloud, der zweite wird dann den Aufbau einer Hybrid Cloud zum Ziel haben. BMW hat seine Cloud-Strategie als langfristige Initiative mit kurzen Entwicklungszyklen und schneller Zielerfüllung definiert. Dieser Ansatz soll bereits während der Umsetzungsphase deutlich Profit bringen.
Zentraler Aspekt der technischen Umsetzung war, von bestimmten Herstellern oder Anbietern unabhängig zu werden oder zu bleiben. Dafür, betont BMWs IT-Chef Müller, sei eine strenge Modularisierung wichtig gewesen, mit deutlicher Trennung der Platform- und Infrastructure-as-a-Service-Ebenen. Wesentlich zur Erreichung diese Ziels war die Verwendung von Standards, Richtlinien zur Modifizierung bestehender Produkte zu einer stark modularisierten Architektur und der Aufbau internen Know-hows, nicht nur für die Projektumsetzung, sondern auch für den Betrieb der fertigen Cloud-Service-Architektur.
Das Cloud-Projektteam stand vor einer großen Aufgabe: Die IT-Infrastruktur bei BMW unterstützt annähernd tausend Web-Applikationen mit 4.700 Server-Instanzen und 8.400 Web-Server-Instanzen. Die IT-Organisation unterhält zudem 90.000 Desktop-PCs und Laptops, 9.300 Smartphones und 48.000 Handys. Das Netzwerk umfasst 186.000 aktive LAN-Ports, 6.100 LAN-Switches oder –Router und betreibt 4.900 WLAN-Accesspoints. Außerdem werden 1.900 Datenbank-Instanzen verwaltet sowie 300 SAP-Systeme in Test-, Entwicklungs- und Produktionsumgebungen. Rund 50 Prozent der Betriebssystemvirtualisierung läuft mit XEN/VMware-ESX-Technologie und 25 Prozent der Virtualisierung über Project Server.
Der Weg zum Ziel
In Abstimmung mit den Design-Zielen wurden folgende technischen Kriterien und Anforderungen für alle Cloud-Services-Implementierungen umgesetzt:
- Die direkte Interaktion zwischen Plattform- und Infrastruktur-Services wurde ausgeschlossen, indem eine klare Trennung von Dienstleistung und Technologie in Platform-as-a-Service (PaaS) und Infrastructure-as-a-Service (Iaas) erfolgte. Die gesamte Kommunikation zwischen den Ebenen erfolgt über den Business Orchestrator. Alle Service-Anfragen durchlaufen entweder das Self-Service-Portal (SSP) und können bereits hier bearbeitet und gelöst werden oder werden dem Business Orchestrator zugestellt.
- Um weiter unabhängig von operativen Modellen und Provider- bzw. Lieferanten-Verträgen bleiben zu können, wurde die Business Orchestrierung von der technischen Orchestrierung bzw. Automatisierung getrennt. Die technische Automatisierung erfolgt nun innerhalb der verschiedenen Services für die Plattformen bzw. Infrastrukturen, während die Kontrolle weiter in Händen der gegenwärtigen Projektbeteiligten. Wo immer möglich sind für alle Schnittstellen, Automatisierungsprozesse und Cloud-Technologien auch standardisierte operative Dienste im Einsatz. Die Mischung zwischen proprietären und Open-Sopurce-Produkten kann modifiziert und weiterentwickelt werden, solange offene Schnittstellen und Standards verwendet werden.
- Die geschichtete Architektur, Modularität und Kommunikation über offene Schnittstellen wird auf alle Cloud-Services angewendet. Außerdem sorgt die Automatisierung bei Technik und Orchestrierung dafür, dass Abhängigkeiten von Herstellern, Produkten oder technischen Spezifikationen vermieden werden.
- IT-i verfolgte darüber hinaus eine übergeordnete Herangehensweise an die technische Lösungen für das Cloud Computing. Dieser Ansatz erlaubt es, die Organisation und die Art und Weise der angebotenen Dienste zu erweitern, ohne die allgemeine Architektur ändern zu müssen. Außerdem wird dazu beigetragen, dass das Private-Cloud-Konzept nicht die Möglichkeit zur Erweiterung hin zu einer hybriden Cloud ausschließt, wie es das ODCA Usage Model zur VM-Interoperabilität und Long-Distance Workload Migration vorsieht.
- Schließlich wurde die Benutzeroberfläche des SSP benutzerfreundlich und fehlertolerant konzipiert, um allen Mitarbeitern einen einfachen Zugang zu den Cloud-Services zu ermöglichen.
Das Usage Model zur Private-Cloud-Umsetzung bei der BMW Group ist als Whitepaper der Open Data Center Alliance unter dem Titel „The Private Cloud Strategy at BMW” erschienen.
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