„Unmoralische“ Angebote?

Risikofaktor: Outsourcing-Projekte ohne Ausschreibung

| Autor / Redakteur: Branimir Brodnik, microfin Unternehmensberatung / Florian Karlstetter

Gerade bei der Vergabe von Outsourcing-Verträgen, die in der Regel eine lange Laufzeit haben, ist eine Ausschreibung kein notwendiges Übel, sondern eine sinnvolle Investition.
Gerade bei der Vergabe von Outsourcing-Verträgen, die in der Regel eine lange Laufzeit haben, ist eine Ausschreibung kein notwendiges Übel, sondern eine sinnvolle Investition. (© Blueminiu - Fotolia.com)

Der Deal ist simpel, die Versuchung ist groß, und es gibt – scheinbar – nur Gewinner: Wer sich bei der Erneuerung von Sourcing-Verträgen den aufwendigen Ausschreibungsprozess spart, dem versprechen Provider oft Sonderkonditionen. Erst bei genauerem Hinsehen zeigen sich mögliche Risiken, wie dieser Beitrag zeigt.

Bei der Erneuerung von Sourcing-Verträgen ohne vorherigen Ausschreibungsprozess könne der Kunde doppelt sparen, argumentiert so mancher Provider. Tatsächlich spart jedoch vor allem der Provider selbst: Ohne Wettbewerbssituation kann er den Preis und vertragliche Konditionen zu seinen Gunsten gestalten und sich Folgegeschäfte ohne große Mühe sichern. Potenzielle Verlierer sind hingegen die Verantwortlichen im Unternehmen, weil das Vorgehen Compliance-Richtlinien unterläuft und zur persönlichen Haftung von Managern führen kann – und das Unternehmen insgesamt nicht so gut wegkommt wie in einem ordentlichen Wettbewerbsprozess.

Vier Jahre lang ist ein Outsourcingprojekt relativ gut gelaufen, die Haken und Ösen hielten sich in Grenzen und ließen sich zeitig ausräumen – kurz: Das Modell „Outsourcing“ hat im Rahmen der Erwartungen funktioniert und soll auch nach Ablauf des Vertrages fortgeführt werden. Wenn es nun um einen Anschlussvertrag geht, hat der Provider einen (nicht ganz) unerwarteten Vorschlag: Man könne doch beiderseits den Aufwand für eine Ausschreibung sparen, heißt es. Dafür bietet der Provider günstige Sonderkonditionen an, die Preisverhandlungen überflüssig machten. Eine Win-Win-Situation also, mit der Provider immer öfter nicht nur Bestandskunden binden wollen, sondern auch gezielt im Rahmen eines „Lockangebotes“ das Topmanagement ansprechen.

Natürlich scheint ein solches Geschäft attraktiv – auf den ersten wie auch auf den zweiten Blick. Denn es kommt offenbar allen Seiten entgegen. Der Auftraggeber erhält günstige Konditionen und spart sich die Kosten für Evaluation und Ausschreibung. Der zuständige Manager schont seine Nerven und Arbeitszeit und bewahrt sich einen bekannten und berechenbaren Dienstleister – egal wie gut oder schlecht dieser ist. Der Provider muss keine Akquisekosten auf den Vertrag umlegen und kann so vermeintlich attraktive Preise machen.

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