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Kleine Zwischenbilanz vom OpenStack-Praktiker OpenStack - Geht es auch ohne Doktorgrad?

Autor / Redakteur: Udo Seidel* / Ulrike Ostler

Die jährliche OpenStack-Konferenz im Silicon Valley ist eine gute Möglichkeit Zwischenbilanz zu ziehen. Hat sich etwas getan seit dem OpenStack-Summit im Mai? Gibt es erste Erfolge oder Fehlschläge? Wie sind die weiteren Schritte bis zum nächsten Summit? Praktiker Dr. Udo Seidel war dabei.

Die OpenStack Foundation arbeitet verstärkt an der Vereinfachung der OpenSource-Integrationsplattform.
Die OpenStack Foundation arbeitet verstärkt an der Vereinfachung der OpenSource-Integrationsplattform.
(Bild: pixelrobot/ Fotolia.com)

Ein großes Thema beim ersten OpenStack Summit 2015 - im Mai, in Vancouver - war die Benutzbarkeit beziehungsweise die -freundlichkeit. Mark Interrante, SVP Engineering bei Hewlett-Packard, fasste dies im Frühjahr mit den Worten zusammen: „Man sollte keinen Doktor-Grad besitzen müssen, um OpenStack bedienen zu können!" Gespräche des Autors mit verschiedenen Vertretern der Openstack-Foundation, inklusive des Vorsitzenden Jonathan Bryce, belegten ebenfalls, dass die Organisation hinter der „freien Wolke“ dieses Problem ernst nimmt.

Tatsächlich kommt der Vorsitzender OpenStack Foundation gleich zur Sache: Was ist das Rezept, um die Software erfolgreich in Produktion einzusetzen? Bryce nennt hier vier Punkte:

  • 1. Der Start sollte stark fokussiert sein. Gespräche mit den zukünftigen Benutzern sind ein Muss. Es gilt sie frühzeitig ins Boot zu holen, sie als interne „Katalysatoren“ zu gewinnen. Anders gesprochen: Der Erfolg von OpenStack steht und fällt mit den Menschen vor und hinter den Kulissen.
  • 2. Der zweite Punkt hat die Erfahrung mit dem Betrieb von horizontal-skalierbaren Diensten zu tun. Laut Bryce sollte der zukünftige OpenStack-Betreiber dieses Wissen unbedingt im Hause haben. Diese Applikationen eignen sich aus technischer Sicht sehr gut für OpenStack. Die Erfahrung im Betrieb vorausgesetzt eliminiert eine große Unbekannte für den produktiven Einsatz der Opensource-Wolke.
  • 3. Auch sollte man nicht jede Anwendung um jeden Preis in die OpenStack-Form pressen. Die Empfehlung lautet Richtlinien zu entwickeln, die klar festlegen, welche Applikation bevorzugt in der Wolke laufen soll und welche nicht. Dies ist übrigens Eckpfeiler Nummer 3 des Bryce-Rezepts für den erfolgreichen produktiven Einsatz von OpenStack.
  • 4. Etwas ähnlich gelagert ist der letzte Punkt. Er besagt, dass es einen guten Grund für den Schritt „in die Wolke“ gehen, sprich: sich nicht vom Hype verführen lassen und überhastet und ohne gründliche Vorüberlegungen OpenStack als die de-facto Plattform einführen. Anwender und Betreiber müssen die Vorteile und Chancen der „freien Wolke“ verstehen und verinnerlicht haben. Hier schließt sich der Bogen: der Erfolg von OpenStack steht und fällt mit den Menschen vor und hinter den Kulissen.

Dennoch: Der Neuling ist von der Vielzahl der Projekte im Dunstkreise von Openstack quasi erschlagen. Dazu kommt, dass die einzelnen Komponenten unterschiedliche Reife- und Adaptationsgrade haben. Laut Bryce sind diese bei den Ur-Projekten, also „Neutron“, „Nova“, „Swift“, „Glance“ und „Cinder“, besonders hoch.

Es lohnt sich also für den Einstieg in OpenStack auf die klassischen Infrastruktur-Komponenten (Netzwerk, Server, Datenspeicher) zu konzentrieren. Daraus ergibt sich quasi implizit ein Fokus hinsichtlich der eingesetzten Technologie. Es bedeutet gleichzeitig auch, dass die involvierten Personen einfacher abzuholen sind.

Klingt einfach, ....

Das klingt alles recht schlüssig und einfach - ist es aber nicht, wie verschieden Vorträge auf dem OpenStackSV zeigten. So möchte man glauben, dass Rackspace ein wahrer Meister beim Betrieb des Opensource-IaaS (Infrastructre as a Service) ist. Umso überraschender ist der Beitrag von Matt van Winkle, Senior Manager Operations bei Rackspace, zum Thema Skalierbarkeit.

Jonathan Bryce, der Vorsitzende der OpenStack Foundation auf der Bühne der Veranstaltung OpenStackSV
Jonathan Bryce, der Vorsitzende der OpenStack Foundation auf der Bühne der Veranstaltung OpenStackSV
(Bild: Udo Seidel)

Der OpenStack-Pionier sieht sich selbst weiter mit den „normalen“ Herausforderungen konfrontiert: Wie bringt man physikalische Rechner, virtuelle Instanzen und nun auch noch Container unter einen Hut und dies im großen Stückzahl?

Eine Kernaussage von van Winkle ist, dass es eher eine Philosophie- als eine Technik-Frage ist. Es geht also wiederum um die Menschen vor und hinter den Kulissen. Ohne strukturelle Veränderungen in der Organisation ist der Schritt vom klassischen IT-Betrieb zur Service-IT nicht wirklich zu bewältigen.

Die Technik rückt in den Hintergund

Da rückt die technische Herausforderung in den Hintergrund, aber nur für den Moment. Wie viele andere auch muss sich Rackspace die Fragen stellen: Skaliert das auch bei einem Faktor 10? Eine praktische Beantwortung dieser Frage erfordert die entsprechende physikalische Infrastruktur. Die kann sich aber nicht jede Firma oder IT-Umgebung leisten.

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