Definition: Die Cloud-Strategie von Microsoft

Microsoft Azure und Microsoft Cloud Deutschland detailliert erklärt

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

(Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

2010 stellte Microsoft auf der CeBIT erstmals eine Cloud-Plattform vor. Der damals auch für Konzernmitarbeiter nur schwer auszusprechende Name: „Azure“ – zu hören waren alle Schattierungen zwischen Azur, A-Schur und Ä-scha, Das ist bis heute so geblieben, weswegen Microsoft sein Azure-Angebot für Deutschland auch lieber „Microsoft Cloud Deutschland“ nennt.

Unabhängig von den hiesigen Gegebenheiten, auf die wir noch ausführlich eingehen werden, ist Microsoft Azure mit einem globalen Marktanteil von etwas mehr als zehn Prozent (Stand Anfang 2017) die zweitgrößte Cloud-Plattform der Welt. Deutlich vor ihr haben sich laut Angaben des Marktforschungsunternehmens Synergy Research die Amazon Web Services (AWS), deutlich dahinter IBM und Google mit ihren Clouds platziert.

Microsoft selbst bezeichnet Azure als „eine wachsende Sammlung integrierter Cloud-Dienste für Analysen, Computing, Datenbanken, Mobilgeräte, Netzwerke, Speicher und das Web" (alle derzeitigen Azure-Lösungen im Überblick). Azure basiert auf einem weltweiten Netzwerk aus von Microsoft verwalteten Rechenzentren (alle Azure-Regionen weltweit).

Wie andere Cloud-Angebote auch erlaubt Azure seinen Kunden:

  • plattformübergreifende Web- und mobile Anwendungen zu entwickeln und bereitzustellen
  • Daten in der Cloud zu speichern, zu sichern und wiederherzustellen
  • Unternehmensanwendungen in Azure auszuführen
  • Compute-Aufträge und Predictive Analytics durchzuführen
  • Audio- und Videoinhalte skalierbar zu verschlüsseln, zu speichern und zu streamen

Anfang 2017 gehören zum Leistungsumfang zudem typische Infrastrukturdienste wie virtuelle Maschinen, Storage und Netzwerkkomponenten, ergänzt durch Plattform-Angebote wie SQL-Datenbanken oder Web Apps. Office 365 und Dynamics 365 sollen ab dem Frühjahr 2017 über Azure angeboten werden.

Azure Stack

Hervorzuheben ist Azure Stack für den Aufbau von hybriden Cloud-Umgebungen, wie sie aktuell sehr nachgefragt sind. Mit Azure Stack können Anwender eine private Cloud-Umgebung im Unternehmen aufbauen. Diese Private Cloud lässt sich also in Richtung Public Cloud - also Azure - erweitern. Workloads können nach Bedarf zwischen beiden Cloud-Sphären hin und her bewegt werden. Azure Stack offeriert zudem Anwendungsentwicklung und -bereitstellung für Rechenzentren.

Beim direkten Vergleich der Public-Cloud-Dienste von Microsoft und Amazon Web Services (AWS) zeigt sich, dass beide Anbieter eine ähnliche Strategie verfolgen. Die AWS beeindrucken allerdings durch die schiere Zahl der verschiedenen Angebote und die hohe Taktfrequenz der Veröffentlichungen.

Microsoft garantiert im Rahmen seiner Service Level Agreements (SLAs) für Cloud-Dienste eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent bis 99,99 Prozent - je nach Service. Bei Virtual Machines sowie den Basic-, Standard- und Premium-Stufen der SQL-Datenbank sind es 99,99 Prozent, bei der Identitäts- und Zugriffsverwaltung Azure Active Directory 99,9 Prozent.

Microsoft Cloud Deutschland

Azure stand stets in der Kritik der Datenschützer und unter dem Generalverdacht, gehortete Daten an Geheimdienste in den USA weiterzugeben. Microsoft hat darauf reagiert, indem man Rechenzentren in Frankfurt am Main und nahe Magdeburg einrichtete und den internationalen Standard zum Datenschutz in der Cloud, ISO 27018, übernommen hat. Mit der Eröffnung der neuen Standorte in Deutschland hat Microsoft weltweit 34 Azure-Rechenzentrumsregionen, von denen bereits 32 in Betrieb sind (Stand Januar 2017).

Das Angebot richtet sich an Geschäftskunden aus Deutschland, der EU sowie der Europäischen Freihandelszone (EFTA). Es kombiniert die ausschließliche Speicherung von Kundendaten in Deutschland mit einem Datentreuhandmodell: Ein Datentreuhänder – in diesem Fall T-Systems International - kontrolliert den Zugang zu den Kundendaten. Ohne dessen Zustimmung erhält Microsoft keinen Zugriff. Wird diese Zustimmung erteilt, greift Microsoft nur unter dessen Aufsicht zeitlich begrenzt auf die Kundendaten zu.

„Die Microsoft Cloud Deutschland ist unsere Antwort auf die wachsende Nachfrage nach Microsoft Cloud-Diensten in Deutschland und Europa. Azure Deutschland unterstützt unsere Kunden dabei, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig ihre Compliance-Richtlinien einzuhalten“, so Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland.

Die deutschen Rechenzentren nutzen die gleichen Technologien und Sicherheitsstandards wie die globalen Microsoft-Cloud-Angebote. Dazu gehören Multi-Faktor-Authentifizierungen, biometrische Scans, Smartcards, Datenverschlüsselungen nach SSL/TLS-Protokollen, physische Sicherheitsmaßnahmen, Sicherungen gegen Naturkatastrophen und Stromausfälle. In Kooperation mit mehreren Partnern bietet Azure ExpressRoute zudem sichere Hochgeschwindigkeitszugänge zu den deutschen Rechenzentren.

Big Data, Machine Learning und Industrie 4.0

Für die Umsetzung von angesagten Big-Data-, Machine-Learning- und Industrie-4.0-Szenarien bietet Azure Deutschland die Azure IoT Suite mit Diensten wie Azure IoT Hub, Stream Analytics, Machine Learning und Document DB. Geschäftskunden haben mit der Zertifizierung von SAP HANA für Microsoft Azure die Möglichkeit, ihre sensiblen Daten auf Azure Deutschland bearbeiten und speichern zu lassen. Wie im November 2015 angekündigt, sollen neben weiteren Azure Services auch die Cloud-Dienste Office 365 und Dynamics 365 zukünftig aus deutschen Rechenzentren bereitgestellt werden.

„Mit der Microsoft Cloud Deutschland unterstützen wir unsere Kunden und Partner dabei, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und als Pioniere die digitale Transformation in ihren Branchen voranzutreiben. Wir bieten ihnen offene, skalierbare Cloud-Dienste, die auch die Erfüllung von Compliance-Anforderungen in datensensiblen Bereichen, wie dem Gesundheits- und Finanzwesen sowie öffentlichen Sektor, unterstützen“, so Bendiek.

Eröffnung des Cloud Control Center in Berlin

Lesen Sie außerdem auch einen vertiefenden Fachbeitrag anlässlich der Eröffnung des Cloud Control Center für die deutsche Microsoft-Cloud Ende Januar 2017 in Berlin.

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