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Eine Frage des Rechtsstandes Marktreaktionen stärken „Software made in Germany“

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Während große Player der US-amerikanischen IT- und Internetwirtschaft inzwischen gegen die Praktiken staatlicher „Dienste“ protestieren, profitieren Anbieter hierzulande. Ein Unternehmenssitz in Deutschland und inländische Datenhaltung sorgen zwar nicht automatisch für Datensicherheit, aber zumindest für weniger rechtliche Unsicherheit.

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Ist die CRM-Software browserbasiert, sind Dokumente auch für mobile Mitarbeiter schnell verfügbar.
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( Andres Rodriguez - Fotolia.com)

Nach den Enthüllungen von Edward Snowden wird über IT-Sicherheit ganz anders diskutiert als zuvor. Auf dem 30. Chaos Communication Congress [30c3] des Chaos Computer Clubs [CCC] in Hamburg war sogar mehr oder weniger scherzhaft vom „Jahr eins nach Snowden“ die Rede.

Die Situation

Die neue Zeitrechnung – falls man sich dieser Terminologie annimmt – steht unter veränderten Vorzeichen. Denn der Abhörskandal der „befreundeten Dienste“ NSA und GCHQ scheint so etwas wie eine Lose-­Lose-Lose-Situation geschaffen zu haben. Edward Snowden ist zwar für das Gros der Betroffenen ein Held, muss aber im russischen Exil leben.

Die US-Amerikaner müssen mit dem Gesichtsverlust leben, zumal sie sich zu keiner grundlegenden Besserung bekennen. Mitunter keimt ein Generalverdacht gegenüber US-Unternehmen auf, die auf Basis US-amerikanischer Gesetze und Rechtsprechung im Geheimen zur Kooperation gezwungen sein könnten.

Und Bürger sowie Unternehmen müssen sich fragen, inwieweit ihre Daten zweckentfremdet werden – auch außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritanniens.

Worte, die nachhallen

Klare Worten zu möglichen Wirtschafts-­Spionage-Delikten kommen aber nicht nur aus dem Umfeld derer, die schon immer gewarnt haben, wie dem Chaos Computer Club, sondern auch aus dem Umfeld von IT-Verbänden.

So meldete sich relativ früh nach den ersten Snowden-Enthüllungen der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) zu Wort: Über Jahre haben sich die Geheimdienste fremder Staaten hemmungslos der Daten deutscher Bürger und Unternehmen bedient, schrieb der BITMi: „Der Schaden für die Wirtschaft ist überhaupt nicht abzusehen, das Vertrauen in die Aufrichtigkeit unserer Freunde und europäischen Nachbarn nachhaltig beeinträchtigt.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Folgen des Abhörskandals und die allgemeine Stimmungslage.

Statements aus der Branche

Nach dem Abhörskandal bekommt die Frage nach dem Standort der Daten ein neues Gewicht.
Nach dem Abhörskandal bekommt die Frage nach dem Standort der Daten ein neues Gewicht.
( © Teteline - Fotolia.c)

Michaela Merz, IT-Sicherheitsexpertin des Verbands sagte: „Deutschland ist besonders anfällig für solche Spionage-Aktionen. Unsere Wirtschaft ist sehr stark von ausländischen Technologien abhängig, und wir wissen nicht, ob und welche Hintertüren noch in häufig benutzten Soft- und Hardware-Produkten eingebaut sind.“

Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf kommentierte: „Sowohl die Internetnutzer als auch die Anbieter von Internetdiensten müssen vor einem ungezügelten Zugriff auf persönliche Daten durch die Geheimdienste geschützt werden.“ Laut Kempf gebe es auch in Deutschland einen massiven Vertrauensverlust, was die Sicherheit von Daten und die Integrität von Diensten im Internet angeht.

80 Prozent verunsichert

Die Bitkom-Position wird durch eine aktuelle Umfrage des Verbands untermauert, nach der 80 Prozent der Internetnutzer in Deutschland ihre persönlichen Daten im Internet generell für unsicher halten. 33 Prozent halten sie für „völlig unsicher“ und 47 Prozent für „eher unsicher“. Bei einer Bitkom-Umfrage 2011 waren es insgesamt noch 55 Prozent. Das Misstrauen der Bürger wächst, unabhängig davon, ob sie Datensicherheit als Privatperson oder als IT-Entscheider in Unternehmen einschätzen.

Erinnerungen an Echelon

Letztere werden mitunter mit erschreckenden Zahlen konfrontiert: So wird in der Studie „Industriespionage 2012“ der Unternehmensberater von Corporate Trust der Schaden durch Wirtschaftsspionage in Deutschland im Jahr 2012 auf immerhin 4,2 Milliarden Euro beziffert. Freilich sind solche Zahlen nicht nur im Geheimdienst-Kontext zu sehen, sondern werden auch durch gezieltes Hacken im Auftrag der Konkurrenz oder durch Fehlverhalten von Mitarbeitern verursacht. Aber seit Snowden ist das NSA-Thema zurück in den Debatten. Dabei ist es gerade mal zehn Jahre her, dass eine NSA-Einrichtung im bayerischen Bad Aibling wegen des begründeten Verdachts auf Wirtschaftsspionage nach einer entsprechenden Empfehlung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses die Pforten schließen musste. Danach ist es ruhiger rund um das Thema Industrie- und Wirtschaftsspionage geworden. Irgendwann war es für viele wieder „Verschwörungstheorie“. Bis Snowden auspackte.

Die Folgen

Die Folgewirkungen sind mannigfaltig. Von hundertprozentiger Datensicherheit traut sich kaum noch jemand zu sprechen. Und Anbieter mit alleinigem Rechtsstand des Unternehmens in Deutschland und heimischer Datenhaltung können profitieren.

Beispielsweise berichtet das relativ kleine Unternehmen TecArt aus Erfurt, das All-in-One-Business-Software herstellt, von gestiegenem Kundeninteresse seit den Enthüllungen von Edward Snowden.

Marktreaktionen

Auch TecArt-Geschäftsführer Thomas Fischer sieht die Welt so realistisch, dass es hundertprozentige Sicherheit nirgends gebe.

Fischer erklärt sich den tendenziellen Auftrieb für „Software made in Germany“ im großen Bild wie folgt: „Sagen wir mal so: Ein Firmensitz in Deutschland mit Datenhaltung in Deutschland sorgt vor dem Hintergrund der Patriot-Act-Problematik und dem breit dis­kutierten Thema ‚digitale Wirtschaftsspionage’ inzwischen bei vielen IT-Entscheidern für ein besseres Bauchgefühl.“

Die wirtschaftlichen Konsequenzen dieses Bauchgefühls für US-Unternehmen lassen sich schwer abschätzen. Aber auch hier wirken Marktmechanismen korrigierend auf die Eingriffe der Nachrichtendienste ins Marktgeschehen.

Zentrale Player der US-amerikanischen IT-Wirtschaft haben sich inzwischen zusammengetan. AOL, Apple, Facebook, Google, Linkedin, Microsoft, Twitter und Yahoo fordern auf einer gemeinsamen Website Reformen der Überwachungsprogramme.

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Über unsere Schwester-Publikation IT-BUSINESS erhalten Sie Sonderkonditionen für die TecArt-CRM-Software: Die Jahresschutzgebühr für diese Version mit zwei Usern mit vollem Funktionsumfang und allen aktuell verfügbaren Modulen beträgt bei Bezug über den Link 99 Euro (statt 840 Euro). Sie steht künftigen registrierten TecArt-Partnern zur Verfügung. Die registrierte Partnerschaft mit TecArt ist mit keinen weiteren Verpflichtungen verbunden. Die Laufzeit umfasst zwölf Monate. Benötigt wird hierfür der Aktionscode: TEC99ITB14 auf der Website www.tecart.de/itb-partneraktion. Fragen zu dem Angebot ­können Sie unter der Telefonnummer 0361/302624-24 stellen.

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