Wortmann baut Cloud-Marktplatz auf Hüllhorster Cloud statt AWS

Redakteur: Michael Hase

Wortmann hat ein neues Geschäftsfeld als Service Provider auf­gebaut. Noch in diesem Jahr ergänzt der Distributor und Hersteller die Terra Cloud um einen Marktplatz, über den er Services von Drittanbietern vertreibt.

Der Distributor und Hersteller Wortmann positioniert die Terra Cloud als Channel-Cloud für den Mittelstand.
Der Distributor und Hersteller Wortmann positioniert die Terra Cloud als Channel-Cloud für den Mittelstand.
(Bild: Wortmann)

Im Hardware-Geschäft geben internationale Konzerne wie Lenovo, HP, Dell und Fujitsu den Ton an. Viele regionale Fertiger sind mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Doch die Wortmann AG aus Hüllhorst hat sich in diesem rauen Markt erfolgreich behauptet und ist heute größter unabhängiger Computer-Hersteller Europas. Ähnlich wird das Cloud-­Geschäft inzwischen von Giganten wie Amazon, Google, IBM und Microsoft bestimmt. Dort wollen die Ostwestfalen den Global Playern ebenfalls Paroli bieten.

Hier wie dort setzt Wortmann als Wettbewerbsfaktor, mit dem sich das Unternehmen aus dem Kreis Minden-Lüb­becke von den Weltkonzernen abhebt, auf die große Nähe zu den Vertriebspartnern. Unter der Marke „Terra“ liefert ihnen der Anbieter seit mehr als zwei Jahrzehnten eigene Hardware-Produkte. Seit diesem Jahr – offiziell seit dem 1. März, die Beta-Phase begann im Januar – bietet Wortmann unter demselben Label auch Rechenzentrums- und Cloud-­Services an, die am Standort Hüllhorst bereitgestellt werden. Zum Port­folio der Terra Cloud gehören Housing, Hosting sowie Infrastructure und Software as a Service (siehe „Ergänzendes zum Thema“). Der Zielmarkt sind mittelstän­dische Unternehmen.

Martin Klein ist als Geschäftsführer für die Terra Cloud verantwortlich.
Martin Klein ist als Geschäftsführer für die Terra Cloud verantwortlich.
(Bild: Wortmann)

Wortmann vertreibt diese Services wie die Hardware ausschließlich indirekt. „Die Terra Cloud ist die Channel-Cloud“, ­betont Martin Klein, der als Managing ­Director für das Geschäftsfeld verantwortlich zeichnet. Das Interesse im Channel ist dem Manager zufolge groß. Rund 1.200 Fachhändler hat der Distributor und Eigenmarkenhersteller inzwischen zu Terra-Cloud-Partnern qualifiziert. Dafür müssen sie ein zweitägiges Bootcamp in Hüllhorst absolvieren. Firmenchef Siegbert Wortmann unterschreibt die Zerti­fikate persönlich.

Standort als Verkaufsargument

Zahlreiche Partner vermarkten die Angebote bereits aktiv, wie eine Google-Suche ergibt. Ob Conny Becker Computer aus Wittlich, Franken & Vogel aus Mainz, Jobri aus Bielefeld, Netrix aus Köln oder Tigersoft aus Wolfenbüttel – sie alle werben damit, dass die Terra-Services in einem deutschen Rechenzentrum bereitgestellt werden. Aus Security- und Compliance-Gründen ist der Standort für deutsche Unternehmen nach wie vor ein essenzielles Kriterium bei der Auswahl eines Providers. Rund 2.000 Endkunden haben sich in den ersten Monaten für Services aus der Ostwestfalen-Cloud entschieden.

Mit der Terra Cloud ist das Portfolio aber noch nicht komplett. Der Distributor erweitert die eigenen Angebote demnächst um einen Marktplatz, über den Services von Drittanbietern vertrieben werden, wie Klein ankündigt. Dabei handelt es sich um eine Transaktionsplattform, wie sie inzwischen auch die Broadliner Also und Ingram Micro in Deutschland betreiben. Der Marktplatz soll noch in diesem Jahr live ­gehen. Angebote wie Office 365 von Micro­soft oder Backup von Acronis werden darüber für Partner verfügbar sein.

Flexibel für den Kunden

Hinter den Cloud-Plänen steht der gleiche Ansatz wie im klassischen IT-Geschäft, wo Wortmann als Distributor die Terra-Hardware um Produkte von Drittanbietern (zum Beispiel Peripherie oder Software) ergänzt. Dabei ist die Fertigung in Deutschland für den Anbieter immens wichtig. Denn er ist damit in der Lage ist, flexibler auf individuelle Kundenwünsche einzugehen („Built to Order“), als das ein reines Handelsunternehmen könnte.

Ähnliches gilt Klein zufolge im Cloud-Geschäft, wo Wortmann die Services ebenfalls indi­viduell an Kundenforderungen anpasst. ­Dafür sei es aber erforderlich, die Infrastruktur in Eigenregie zu betreiben. „Für Siegbert Wortmann stand immer fest: Wenn wir in die Cloud gehen, dann nur mit einem eigenen Rechenzentrum“, sagt der Terra-Cloud-Geschäftsführer. Der Standort Hüllhorst ist somit mehr als ein Compliance-Argument.

Warum man bei Wortmann das Partner-Enabling für genauso wichtig hält wie die Technik, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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