Vorschau Hannover Messe Industrie

Hannover Messe und was von der Cebit bleibt

| Redakteur: Wilfried Platten

Licht aus, Spot an: Es ist HMI-Zeit in Hannover.
Licht aus, Spot an: Es ist HMI-Zeit in Hannover. (Bild: Deutsche Messe AG)

Die Hannover Messe Industrie (HMI) erlebt den Wandel von der Industriemesse zur weltweiten Bühne für Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz und Digitale Transformation. Also all die Buzzwords, die aktuell auch die IT-Branche prägen.

Der Wunsch der Hannoveraner Messegesellschaft ist verständlich: Sie möchte die verblichene Cebit mit all ihren Ausstellern gerne 1:1 zur Hannover Messe Industrie (HMI) transferieren. Das Ende der einstmals größten IT-Messe der Welt wurde ja Ende letzten Jahres als „Neusortierung der Digitalthemen“ verkauft und zudem angekündigt, die Aussteller für die Teilnahme an der HMI begeistern zu wollen.

Immerhin, die dominierenden Themen wie IoT, Industrie 4.0 oder Smart Manufactoring bieten sich als Betätigungsfeld für IT-Unternehmen geradezu an. Und für den Channel sind sie allemal spannend genug. Diese Vorstellung ist nachvollziehbar, die aktuelle Ausstellerliste zeigt jedoch, dass diese „Transformation“ nur partiell gelungen ist. Verglichen mit der Zahl der einstigen Buchungen für die Cebit ist die Auftrittsdichte von IT-Firmen auf der HMI eher überschaubar. Und bis auf wenige Ausnahmen sind direkt Channel-relevante Schwerpunkte, wie etwa der einstige Branchentreffpunkt Planet Reseller, von der Bildfläche verschwunden.

Der Channel ist präsent

Trotzdem kann sich der Ausflug nach Hannover Anfang April natürlich lohnen. Nicht umsonst ist eine ganze Reihe von Systemhäusern, darunter Schwergewichte wie Axians, Cancom, Häusler, Logicalis oder SVA, mit einem eigenen Stand auf der HMI vertreten.

Mit Tech Data ist interessanterweise auch ein IT-Distributor präsent. Tech Data hat Anfang des Jahres mit einem IoT-Showroom für die Vertriebspartner dokumentiert, wie wichtig das Thema genommen wird. Zu den thematischen Schwerpunkt zählen IoT-Lösungen für die Überwachung und Analyse von Maschinen in Echtzeit, für Spracherkennung und -Analyse, für die Überwachung von beweglichen Gütern (Asset Tracking) sowie für Videoüberwachung mit den entsprechenden Gateway-, Connectivity-, Security- und Analytics-Systemen.

Hallen 5 - 6

Nachdem Microsoft schon vor Jahren von der Cebit zur HMI konvertierte, sind viele IT-Anbieter aus gegebenem Anlass diesem Beispiel gefolgt. Diese „IT-Enklave“ konzentriert sich vornehmlich in den Hallen 5 bis 7. Das Ausstellerverzeichnis dort reicht von A wie Autodesk bis V wie VMware.

Zu den namhaften Herstellern zählen in den Hallen 5 und 6 unter anderem Cisco, Dell, HPE, Huawei Intel, Lancom und LG. Cisco zeigt in Halle 6 unter dem Motto „The Digital Factory, Ready for Business. Secure and Proven Network for Industry 4.0“ Edge Computing, Industrie-Netzwerke mit passenden Transparenz- und Kontroll-Systemen, sowie sichere Multi-Domain-Architekturen.

Dell Technologies hat erstmals einen eigenen Stand auf der HMI und zeigt dort das Komplettportfolio für IoT und Edge Computing. Auch bei HPE sind Edge Computing Systeme zu sehen. Mit einer eigenen „Produktionslinie“ demonstriert HPE Lösungen für die datengetriebene Fertigung, die eine intelligente Produktion ermöglichen soll. Sie umfassen Intelligente Produktentwicklung, Connected Robotics Services, Plattform Interoperability und Qualitätssicherung.

Huawei wird gemeinsam mit seinen Partnern neueste Produkte und Lösungen vorstellen, die auf Technologien wie dem IoT, Cloud Computing, Big Data, eLTE, Machine Learning und Artificial Intelligence (AI) basieren.

Intel präsentiert intelligente marktreife IoT-Lösungen für smarte Fabriken vom Endgerät bis in die Cloud. Und Lancom Systems zeigt Software-defined Networking für die Industrie 4.0.

Halle 7

Die Halle 7 ist durch Software-Anbieter wie Microsoft, Oracle und SAP geprägt. Microsoft kann ja schon als „HMI-Veteran“ gelten. Das Unternehmen zeigt auf mehr als 1.200 Quadratmetern unter dem Motto „Intelligent Manufacturing – Manufacturing a better future“, wie sich Industrieunternehmen zu Anbietern von digitalen Lösungen entwickeln können. In der Mixed-Reality-Area werden Anwendungsfelder für das Arbeiten mit Microsoft HoloLens und Mixed-Reality-Technologien vorgestellt.

Über die HMI-Aktivitäten von Oracle liegen bislang keine Informationen vor.

Bei SAP ist ein Showcase mit verknüpften Stationen zu erleben. Dabei kann ein intelligentes Werkstück auf seiner Reise vom Auftrag über die Produktion bis zur Lieferung an den Kunden und den technischen Support begleitet werden.

Mit Fujitsu, IBM und Schneider Electric sind in Halle 7 aber auch prominente Hardware-Hersteller vertreten. Bei Fujitsu steht der Digital Annealer im Mittelpunkt. Er basiert auf einer vom Quantencomputing inspirierten Technologie: Im Gegensatz zu traditionellen Rechnern kann er komplexe kombinatorische Probleme lösen, indem er Tausende von möglichen Ergebnissen nicht nacheinander, sondern gleichzeitig miteinander vergleicht. Dadurch soll er Prozesse unter Echtzeitbedingungen optimieren, etwa in der Fertigung, dem Finanzwesen, der Logistik oder der Medizin.

Konkrete Anwendungsszenarien sind beispielsweise die Optimierung von Investitionsportfolios, die Minimierung von Verkehrsstaus oder die Medikamentenentwicklung und molekulare Simulationen. In Demonstrationen wird gezeigt, wie die Fertigungsindustrie von der Annealing-Technologie profitieren kann.

Es war einmal: die größte IT-Messe der Welt

So war das Motto der letzten Cebit sicherlich nicht gemeint.
So war das Motto der letzten Cebit sicherlich nicht gemeint. (Bild: Deutsche Messe/Cebit)

Man kann kaum über die Hannover Messe 2019 sprechen, ohne an ihr größtes, berühmtestes und spektakulärstes Baby zu erinnern: die Cebit. Für Generationen von IT-lern, egal ob Techies, Marketiers oder Vertriebler, war der März in Hannover ein Fixtermin im Jahr. Die einen liebten ihn, die anderen hassten ihn. Nicht nur, dass man dort sein musste. Viele Planungen richteten sich an diesem Leuchtturmtermin aus: Ankündigungen, Produktzyklen, Neuvorstellungen. Bis in die späten Neunziger Jahre hinein gab es hinter roten Vorhängen versteckte Prototypen zu sehen, die stolze Entwickler mit leuchtenden Augen vorführen durften. Nur die wenigsten haben es dann in die Serie geschafft, aber das ist ein anderes Thema.

Je schnelllebiger jedoch die IT-Branche agierte, je höher die Innovationsgeschwindigkeit getaktet wurde, desto mehr wurde der Jahresrhythmus obsolet. Neuheiten wurden zunehmend über das ganze Jahr hinweg präsentiert, jeder noch so kleine zeitliche Vorsprung musste genutzt werden, um in Umsätze umgemünzt werden zu können. Niemand wartete mehr auf die große Präsentationsbühne in der niedersächsischen Tiefebene. Ganz abgesehen davon, dass die Chance groß war, dort in der Flut der Neuvorstellungen unterzugehen.

Diese Entwicklung betraf und betrifft jedoch alle Messen. Trotzdem haben es themenzentrierte Ansätze wie die ISE in Amsterdam, der MWC in Barcelona oder die it-sa in Nürnberg geschafft, sich erfolgreich zu etablieren. Selbst die IFA feiert fröhliche Wiederauferstehung. Letztlich ist die Cebit wohl daran gescheitert, Everybody´s Darling sein, auf jeder IT-Hochzeit tanzen und damit alles abschöpfen zu wollen, was irgendwie nach IT riecht. Schiere Größe allein, von der die Messegesellschaft als Geschäfts- und Erlösmodell über viele Jahre erfolgreich praktiziert, ist kein Qualitätsmerkmal (mehr).

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