Technologische Basis für Jahrzehnte Google Cloud Next 2025 zeigt Infrastruktur für das KI-Zeitalter

Von Thomas Joos 6 min Lesedauer

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Die diesjährige Google Cloud Next in Las Vegas offenbarte, was derzeit wohl kein anderes Technologieunternehmen in dieser Konsequenz verfolgt: Den Aufbau einer vollständig KI-optimierten Infrastruktur, die Unternehmen und Behörden eine neue technologische Basis für die nächsten Jahrzehnte bietet.

Google Cloud präsentiert auf der Next 2025 eine durchgängig KI-optimierte Infrastruktur, die Rechenleistung, Netzwerk, Sicherheit und Plattformen zu einer strategischen Basis für die breite Operationalisierung künstlicher Intelligenz vereint.(Bild:  Google Cloud)
Google Cloud präsentiert auf der Next 2025 eine durchgängig KI-optimierte Infrastruktur, die Rechenleistung, Netzwerk, Sicherheit und Plattformen zu einer strategischen Basis für die breite Operationalisierung künstlicher Intelligenz vereint.
(Bild: Google Cloud)

Thomas Kurian, CEO von Google Cloud, betonte in seiner Eröffnungsrede das Potenzial der neuen Technologien: „Die Möglichkeiten, die sich durch KI eröffnen, sind beispiellos. Sie haben das Potenzial, Leben zu verbessern, Produktivität zu steigern und Prozesse in einem Ausmaß neu zu denken, das wir uns bislang kaum vorstellen konnten.“

Im Zentrum stehen Rechenleistung auf ExaFLOP-Niveau, ein planetenweites Netzwerk mit eigener Glasfaserinfrastruktur und ein umfassendes Plattformangebot für hochsichere, KI-basierte Anwendungen in jeder denkbaren Umgebung. Google verknüpft diese Infrastruktur mit einem klaren Ziel, der Operationalisierung künstlicher Intelligenz in der Breite. Es geht nicht nur um leistungsfähige Modelle, sondern um das Zusammenspiel von Chips, Software, Netzwerk, Sicherheit und Daten.

Auch im Hinblick auf die strategische Ausrichtung von Google Cloud zeigte sich Kurian entschlossen: „Dies ist ein außergewöhnlicher Moment, um mit diesen transformativen Technologien zu arbeiten. Wir bei Google setzen alles daran, unseren Kunden mit erstklassiger Infrastruktur, leistungsfähigen Modellen, Plattformen und Agenten zu helfen, Innovationen voranzutreiben.“

Globale Netzwerkarchitektur mit Google-Geschwindigkeit

„Unsere Infrastruktur bewegt sich mit Google-Geschwindigkeit“, sagte Muninder Sambi, Vice President Cloud Networking bei Google, zum Auftakt der Keynote. Gemeint ist damit eine Latenzstruktur, die weltweit durch mehr als 3,2 Millionen Kilometer Glasfaser, 33 eigene Unterseekabel und über 200 Points of Presence getragen wird. Google betreibt diese Leitungen selbst, nicht gemietet, sondern vollständig kontrolliert. Diese Unabhängigkeit ermöglicht es, bis zu 40 Prozent höhere Übertragungsgeschwindigkeit im Vergleich zum öffentlichen Internet zu bieten.

Genau auf dieser Basis baut der neue Dienst Cloud WAN auf. „Cloud WAN ist ein vollständig verwaltetes, zuverlässiges und sicheres Unternehmens-Backbone, um die WAN-Architektur in Unternehmen grundlegend zu transformieren“, führt Sambi weiter aus. Cloud WAN stellt damit eine Infrastruktur bereit, mit der Unternehmen ihre Rechenzentren, Standorte, Campusnetzwerke und Multicloud-Umgebungen verbinden können, inklusive AWS, Azure und Oracle.

Unternehmen wie Nestlé, BT und Citadel Securities setzen das System bereits ein. Ralf Hübenthal, Global Head of IT Platforms bei Nestlé, erklärt dazu: „Indem Cloud WAN die Lücke zwischen Edge und Cloud schließt, verbessern wir unsere Anwendungsleistung um bis zu 40 Prozent, senken Kosten und erhalten eine resiliente, skalierbare Grundlage für unsere durchgängige Digitalisierung.“

Mit Cross-Site Interconnect bietet Google zudem Layer-2-Verbindungen mit 10 oder 100 Gbit/s an, mit dedizierter Glasfaser, Redundanz und eigenem SLA. Besonders für Unternehmen, die große Datenmengen zwischen Rechenzentren oder Edge-Standorten verschieben, ist das ein hochleistungsfähiges Angebot. Chris Dee, Head of Cloud Platform Engineering bei Citadel Securities, sieht im globalen Netzwerk von Google Cloud einen entscheidenden Vorteil für seine Organisation: „Ein skalierbares und zuverlässiges globales Netzwerk ist entscheidend, wenn wir unsere Forschungsinitiativen ausbauen und leistungsintensive Workloads auf Google Cloud betreiben. Wir freuen uns darauf, die Stabilität und Zuverlässigkeit von Cloud WAN für unsere hybriden Netzwerke zu nutzen.“

Ergänzend dazu sorgt das Premium Tier Network mit über 5.700 Peering-Verbindungen und mehr als 60.000 erreichbaren Autonomous System Numbers (ASNs) dafür, dass Cloud-Datenverkehr global den optimalen Pfad nimmt, direkt und ohne Umwege. ASNs identifizieren Netzwerke im globalen Internet, die eigenständig Routing-Entscheidungen treffen. So weiß das Internet, über welchen Pfad Daten zu bestimmten IP-Adressräumen geleitet werden müssen.

TPU Ironwood: Denken auf ExaFLOP-Niveau

Mit dem Launch der siebten Generation seiner Tensor Processing Units (TPU Ironwood) setzt Google in puncto KI-Hardware einen neuen Maßstab. Ein einzelner Ironwood-Pod bietet 42,5 ExaFLOPs. Ein ExaFLOP entspricht einer Trillion Rechenoperationen pro Sekunde. Das ist eine Eins mit 18 Nullen. Um diese Dimension greifbar zu machen: Wenn jeder der acht Milliarden Menschen auf der Erde pro Sekunde fünf Milliarden Rechenschritte mit einem Taschenrechner durchführen würde, bräuchte es alle gleichzeitig arbeitenden Menschen, um die Leistung eines einzigen ExaFLOPs zu erreichen. Ein TPU-Pod vom Typ Ironwood schafft mehr als 42 davon, jede Sekunde. In einem hochoptimierten Design sind über 9000 Chips pro Pod verbaut. Damit erfüllt Ironwood die Anforderungen der neusten, komplexesten Denkmodelle, wie Gemini 2.5.

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Die neue TPU ergänzt ein umfangreiches Hardwareportfolio: Google bietet jetzt auch A4- und A4X-VMs mit NVIDIA B200- und GB200 Blackwell-GPUs an. Zusätzlich wird Google der erste Cloudanbieter mit Zugriff auf Vera Rubin GPUs, die bis zu 15 ExaFLOPs FP4-Leistung pro Rack liefern können. Die Hardware wird über Cluster Director orchestriert, eine Plattform für das Management von Hochleistungsclustern mit physisch benachbarten Maschinen und optimiertem Netzwerkzugriff.

Distributed Cloud: KI ohne Internetzugang

Mit Google Distributed Cloud – Air-gapped reagiert der Konzern auf eine wachsende Anforderung in sicherheitskritischen Bereichen. Diese Umgebung läuft vollständig isoliert vom Internet und kann vor Ort beim Kunden betrieben werden. Updates erfolgen ausschließlich manuell, zum Beispiel per (speziell abgesicherten) USB-Stick. Gerade Behörden und Betreiber kritischer Infrastrukturen setzen auf diese Variante, um sensible Workloads unabhängig und unter vollständiger Kontrolle zu verarbeiten. Auch hier ist Gemini verfügbar, inklusive der neusten Version 2.5, die Reflexionsprozesse vor Antworten durchführt und so eine nachvollziehbare Interaktion ermöglicht.

NotebookLM: Wissen organisieren, zuhören und verstehen

Googles NotebookLM richtet sich an alle, die Wissen strukturieren und Inhalte zusammenfassen wollen, sei es in der Bildung, Forschung oder Unternehmenskommunikation. Neu ist die Funktion Audio-Zusammenfassungen in über 50 Sprachen, inklusive Deutsch. Anwender können PDFs, Webseiten oder YouTube-Videos hochladen und daraus automatisch eine sprachlich hochwertige Zusammenfassung in Audioform erhalten, ähnlich einem Podcast.

Zudem erlaubt die neue Funktion „Quellen entdecken“, per thematischer Beschreibung relevante Inhalte aus dem Web zu identifizieren. Die Auswahl erfolgt automatisiert anhand semantischer Ähnlichkeit, anschließend lassen sich diese Inhalte in das eigene Notebook übernehmen. Michael Chen, Software Engineer bei Google Labs, sagt dazu: „Wir wollen Informationen nicht nur zugänglich machen, sondern verstehbar, vernetzbar, hörbar.“

Live-Analyse durch Bildschirmfreigabe

Im Entwickler-Tool AI Studio wurde mit Stream eine Funktion integriert, die völlig neue Einsatzmöglichkeiten in Wartung, Support und Schulung eröffnet. Nutzer können ihren Bildschirm freigeben, das System analysiert die Inhalte in Echtzeit und liefert dazu Hilfestellungen, Anleitungen oder Kontextinformationen. In Kombination mit Audioverarbeitung erkennt Gemini 2.5 auch Umgebungsgeräusche, zum Beispiel das Klackern defekter Relais oder Vibrationen von Maschinen, und gibt Hinweise zur möglichen Fehlerquelle. Das ist vor allem in industriellen Szenarien ein echter Fortschritt.

Sicherheit neu gedacht: Google Unified Security

Mit Google Unified Security (GUS) konsolidiert Google Bedrohungserkennung, Incident Response und Sicherheitsdatenmanagement in einer KI-gesteuerten Plattform. GUS erstellt ein durchsuchbares Sicherheitsdatenmodell über Netzwerke, Clouds, Endpoints und Applikationen hinweg. Mit Gemini als integraler Bestandteil erkennt das System Bedrohungen proaktiv und leitet Priorisierungen automatisch ein.

Zwei spezialisierte Agenten unterstützen die operative Sicherheit: Der Alert Triage Agent führt eigenständig Kontextanalysen und Bewertungen von Alarmen durch, inklusive Entscheidungsbegründung. Der Malware Analysis Agent analysiert Code auf potenzielle Schadfunktionen, führt Deobfuskation durch und erstellt Reports. Deobfuskation bezeichnet den Vorgang, bei dem absichtlich verschleierter oder unleserlich gemachter Programmcode wieder in eine verständlichere Form gebracht wird.

Kunden wie Dun & Bradstreet nutzen GUS, um ein zentrales Monitoring von KI-basierten Sicherheitsbedrohungen zu etablieren. D&B ist ein weltweit tätiges US-Unternehmen, das auf Wirtschaftsinformationen, Bonitätsbewertungen und Datenanalysen spezialisiert ist. Eines der bekanntesten Produkte ist die D-U-N-S-Nummer, eine eindeutige neunstellige Kennung, die Unternehmen international zugeordnet wird und bei Geschäftsanbahnungen, Lieferkettenprüfung oder Risikobewertungen genutzt wird.

Industrielle Anwendungen mit visueller KI

Besonders greifbar wird die Infrastruktur dort, wo KI mit der physischen Welt interagiert. In Produktionsumgebungen kann Gemini auf Basis von Kamerabildern Maschinenzustände analysieren. Die KI erkennt defekte Bauteile, Leckagen oder Abnutzungen. Auch akustische Signale, wie ungewöhnliche Motorengeräusche, fließen in die Diagnose ein. Nutzer können mit der KI in natürlicher Sprache interagieren, etwa um sich Reparaturanweisungen geben zu lassen oder ein mögliches Ersatzteil zu identifizieren.

Ein weiteres Beispiel ist die Integration in Fahrzeuge: In der Automobilbranche setzt Google auf sogenannte Small Language Models (SLMs), die speziell für eingebettete Systeme optimiert sind, etwa zur Sprachsteuerung oder zur Analyse von Sensordaten. Zusammen mit LLM DevOps stellt Google zudem Werkzeuge bereit, um KI-Modelle im Lebenszyklus zu überwachen, zu aktualisieren und auf Änderungen im Betrieb zu reagieren.

Verbindungen ohne Medienbruch

Mit Model Garden und Agent Garden stellt Google umfangreiche Bibliotheken bereit: vortrainierte Modelle, gebrauchsfertige Agenten und vollständig integrierbare Schnittstellen. Über den Agent Marketplace können Partnerunternehmen eigene Agenten vermarkten, von Compliance-Automatisierung über Finanzanalyse bis zu Produktempfehlungssystemen.

Damit Agenten auch miteinander kommunizieren können, hat Google das Agent2Agent-Protokoll entwickelt, eine offene Spezifikation zur agentenübergreifenden Kommunikation. Mehr als 50 Partner wie SAP, Salesforce, Deloitte, TCS oder Servicenow arbeiten aktiv daran mit.

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