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Windows-Live-ID gesperrt Erotikbilder können zum Rauswurf aus der Microsoft-Cloud führen

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Dateien in der Cloud abzuspeichern ist eben doch etwas anderes als auf der heimischen Festplatte. Denn professionelle Aktaufnahmen oder erotische Manga-Comics in privaten Ordnern können theoretisch zu einem Totalverlust führen.

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Wenn erotische Mangas zu Datenverlust und Kontensperrung führen können, ist Streit vorprogrammiert.
Wenn erotische Mangas zu Datenverlust und Kontensperrung führen können, ist Streit vorprogrammiert.
(© urkraft - Fotolia.com)

Die „Windows Live ID“ ist für Microsoft-Kunden so etwas wie der Generalschlüssel für verschiedene Cloud-Dienste des Software-Konzerns. Der diensteübergreifende Account gewährt beispielsweise bei Windows Phone Eintritt zum App-Markt oder zum E-Mail-Konto der Microsoft-Tochter Hotmail. Auch um auf den Cloud-Datenspeicher „SkyDrive“ zugreifen zu können, wird dieser Account benötigt.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat Microsoft in der Vergangenheit mehreren Nutzern das „Windows Live ID“-Konto gesperrt, wegen „unzulässiger Verhaltensweisen“, die gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) verstießen. Als „unzulässige Verhaltensweisen“, die zur Konto-Sperrung führen können, werden dort Aktionen angeführt, die derzeit kontrovers diskutiert werden.

Erotische Mangas verboten?

So findet sich im Verhaltenskodex beispielsweise ein Verbot, folgendes hochzuladen:

„Nacktaufnahmen, einschließlich vollständiger oder teilweiser Nacktaufnahmen von Menschen oder in Cartoons, Science Fiction oder Manga.“

Ein erotischer Manga-Comic in einem privaten Ordner auf dem Cloud-Speicher kann also theoretisch dazu führen, dass Nutzer aus dem Microsoft-Universum fliegen, dass sie ihre Daten verlieren und dass sie nicht mehr auf E-Mails zugreifen können? Und das, obwohl Cloud-Anbieter die Daten ihrer Nutzer nur dann durchsuchen dürfen, wenn der Nutzer ausdrücklich zustimmt?

Rauswurf-Praxis

Offenbar handelt es sich dabei nicht nur um eine theoretische Möglichkeit, wie ein Beispiel eines Niederländers zeigt, der seinem Ärger im Netz Luft gemacht hat. Aufgrund welches Regelverstoßes genau er seine bereits bezahlten Apps und sein Hotmail-Konto verloren hat, lässt sich nicht nachvollziehen. Bei einem anderen Beispiel, welches im Jahr 2011 für Schlagzeilen sorgte, wurden einem Profifotografen künstlerische Aktaufnahmen zum Verhängnis. Der Betroffene beschwerte sich daraufhin in der Aachener Zeitung, für die er bereits als Fotojournalist gearbeitet hat. Sein Vorwurf: Offenbar durchstöbere der Microsoft-Konzern seine Daten in der Cloud.

Stellungnahme von Microsoft

Ein Sprecher von Microsoft erläuterte auf Nachfrage, dass in dem zuletzt genannten Fall die Aktbilder teilweise öffentlich zugänglich waren. Was die inhaltliche Kontrolle angeht, seien in solchen Fällen die fraglichen Dateien ohnehin zugänglich, also auch für Microsoft. Deswegen müsse man als Plattform-Betreiber auch reagieren, da SkyDrive eine breite Zielgruppe ab 13 Jahren anspreche. Inwieweit auch nicht öffentlich zugängliche Dateien überprüft werden, konnte der Microsoft-Sprecher nicht sagen. Laut dem Sprecher haben Kontensperrungen aufgrund der beschriebenen Thematik in der Praxis kaum Relevanz. Dass die AGBs teilweise etwas hart formuliert sind, sei der juristischen Praxis geschuldet.□

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