NIFIS-Studie zeigt große Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft

Dunkle Wolken über Deutschland

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Angesichts zahlreicher Spionage-Vorfälle und weiterer aktueller Enthüllungen hegen deutsche Unternehmen noch immer große Zweifel an der Sicherheit von Cloud-Services.
Angesichts zahlreicher Spionage-Vorfälle und weiterer aktueller Enthüllungen hegen deutsche Unternehmen noch immer große Zweifel an der Sicherheit von Cloud-Services. (Bild: Alphaspirit, Fotolia)

Die Mehrheit der Fach- und Führungskräfte deutscher Unternehmen zweifelt, ob ihre Daten in der „digitalen Wolke“ noch sicher sind. Dies geht aus der aktuellen Studie „IT-Sicherheit und Datenschutz 2015“ der Nationalen Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V. (NIFIS) hervor.

Demnach befürchten viele den Kontrollverlust über die eigenen Daten (73 Prozent), interne und externe Hackerangriffe (71 Prozent), sehen aber auch in der eigenen Unwissenheit über die vorhandenen Risiken (89 Prozent) eine große Gefahr im Umgang mit Cloud Computing.

Leichtsinn und Sorglosigkeit

Die NIFIS-Studie, für die Fach- und Führungskräfte deutscher Firmen während der IT-Sicherheitsmesse it-sa im Oktober vergangenen Jahres persönlich befragt wurden, zeigt aber noch weitere Aspekte des Cloud-Ressentiments: Laut mehrheitlicher Expertenmeinung (66 Prozent) können zwar moderne Verschlüsselungsprogramme das Mitlesen von Daten deutlich erschweren – doch auch sie bieten keinen hundertprozentigen Schutz vor Ausspähung. Weitere 54 Prozent der Umfrageteilnehmer attestieren der deutschen Wirtschaft einen leichtfertigen Umgang mit ihren cloud-basierten Daten. Bemerkenswert ist auch die Einschätzung von fast der Hälfte der befragten IT-Experten (49 Prozent), dass Cloud-Anbieter ihrerseits in einigen Fällen auch allzu sorglos mit den anvertrauten Daten umgehen.

Die aktuelle US-Rechtsprechung trägt laut NIFIS-Vorsitzendem Rechtsanwalt Dr. Thomas Lapp ebenfalls dazu bei, dass die deutschen Unternehmen bei der Wahl des Cloud-Anbieters verunsichert sind. Laut Studie sind 65 Prozent der befragten Unternehmen der Meinung, dass es an Transparenz darüber mangelt, ob die Cloud-Dienstleister, die in Europa die Daten ihrer Kunden verwalten, diese nicht doch an US-Behörden wie Geheimdienste weitergeben.

Aufklärungskampagne gefordert

Lapp ist überzeugt, dass nur eine breit angelegte Aufklärungskampagne den deutschen Unternehmen die Verunsicherung beim Cloud Computing nehmen könne, und fordert eine breit angelegte Aufklärungskampagne: „Bundesregierung und Wirtschaftsverbände müssen die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft als nationale Aufgabe verstehen.“ Im Rahmen einer intensiveren Zusammenarbeit vor allem zwischen Staat und Wirtschaft müsse eine Aufklärungskampagne über die Gefahren und Risiken von Cloud Computing informieren. „Dies würde vielen Unternehmen mehr Sicherheit im Umgang mit der digitalen Wolke geben und gleichzeitig das Vertrauen in die neue Technologie massiv stärken. Wenn Unternehmen die Gefahren besser kennen, werden sich viele ihrer Befürchtungen zudem als unbegründet erweisen“, betont der NIFIS-Vorsitzende.

Teure Sicherheitsbedenken

Die Spionage-Skandale PRISM und Co. haben die deutschen Firmen nachhaltig beeindruckt und in puncto Datenschutz mehrheitlich (88 Prozent) sensibilisiert. Dementsprechend werden sich die Ausgaben für IT-Sicherheit und Datenschutz in 2015 weiter erhöhen. Fast die Hälfte der deutschen Firmen (49 Prozent) geht davon aus, dass die Investitionen in diesem Jahr um 50 Prozent zunehmen werden. Weitere 17 Prozent prognostizieren sogar eine Verdopplung. Im Vergleich zum Vorjahr rechnen damit deutlich mehr Firmen mit einer steigenden Nachfrage nach IT- und Informationssicherheit.

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