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Product Lifecycle Management (PLM) in der Praxis Dräger setzt auf Aras Innovator aus der Cloud

| Redakteur: Florian Karlstetter

Eine moderne PLM-Plattform erleichtert die Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Aras-Kunde Dräger, ein international führender Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik, löst deshalb seine Oracle Agile e6-Installation durch Aras Innovator ab. Sowohl die neue PLM-Lösung, als auch die CAx- Anwendungen laufen künftig in der Cloud.

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Der Medizintechnik-Hersteller Dräger setzt bei der Digitalisierung der Geschäftsprozesse auf die offene PLM-Plattform Aras Innovator aus der Cloud.
Der Medizintechnik-Hersteller Dräger setzt bei der Digitalisierung der Geschäftsprozesse auf die offene PLM-Plattform Aras Innovator aus der Cloud.
(Bild: © Drägerwerk AG & Co. KGaA)

Die Drägerwerk AG & Co. KGaA gehört zu den größten Kunden von Aras in Deutschland. Das traditionsreiche Familienunternehmen wurde 1889 in Lübeck gegründet und ist heute ein globaler Konzern, der in mehr als 190 Ländern vertreten ist und mehr als 14.000 Mitarbeiter beschäftigt. Dräger stellt medizin- und sicherheitstechnische Produkte her, die Menschenleben schützen, unterstützen und retten. Dazu gehören unter anderem Anästhesie-Arbeitsplätze und Beatmungsgeräte für Krankenhäuser, Atemschutz- und Gasmessgeräte für Feuer- und Grubenwehren sowie Gaswarnanlagen und Schutzausrüstungen für die Industrie. Zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr tragen Drägers Alkohol- und Drogenmessgeräte bei.

„Gemeinsamer Nenner von Dräger Medizin- und Sicherheitstechnik ist die menschliche Atmung“, sagt Dr. Hanns Schulz-Mirbach, der in der Corporate IT für den PLM-Bereich zuständig ist. Sein Team unterstützt die Mitarbeiter in den verschiedenen Entwicklungsbereichen bei IT Themen. Dräger entwickelt an sieben Standorten in Deutschland, den USA, China, Großbritannien und Norwegen, wobei Lübeck für beide Bereiche der Hauptstandort ist. Die anderen kümmern sich um bestimmte Produkte oder passen die in Lübeck entwickelten Produkte an ihre jeweiligen Märkte an.

Beide Unternehmensbereiche nutzen für das Produktdatenmanagement (PDM) schon seit Mitte der 90er Jahre die ehemalige Eigner-Software Agile e6, aber als zwei separate Instanzen mit zum Teil unterschiedlichen Anbindungen an Autorensysteme. Die Mechanik-Konstrukteure in der Medizintechnik arbeiten vorwiegend mit dem CAD-System SolidWorks, ihre Kollegen in der Sicherheitstechnik mit PTC Creo. Außerdem sind in beiden Bereichen neben AutoCAD noch die E-CAD-Systeme Mentor Allegro und E-Plan, sowie verschiedene Tools für die Software-Entwicklung im Einsatz. Agile e6 managt aber nur die finalen Software-Stände, die mit den Produkten ausgeliefert werden. In Aras Innovator will das Unternehmen künftig auch die Software-Stücklisten abbilden und Änderungen an einzelnen Software-Modulen über Produkte hinweg steuern.

Offene, integrationsfähige Plattform

Derzeit löst Dräger die bestehenden PDM-Installationen durch eine gemeinsame PLM-Plattform (Product Lifecycle Management) für beide Unternehmensbereiche auf Basis der Aras-Software ab. Agile e6 erfülle nicht mehr die eigenen technologischen Anforderungen, werde nicht entsprechend weiter entwickelt und sei durch das jahrelange Customizing so unflexibel geworden, dass Updates immer mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden seien, erklärt Schulz-Mirbach die Gründe für den Systemwechsel. Im Zuge der Migration hat das Unternehmen zunächst die Erzeugung der Electronic Design History Files (EDHF), die sehr wichtig für die Zulassung der medizintechnischen Produkte sind, in der PLM-Lösung abgebildet. Der zuvor rein papierbasierte Dokumentationsprozess wird dadurch noch transparenter.

Da eine Vereinheitlichung der CAD-Landschaft nicht zur Debatte stand, war Multi-CAx-Fähigkeit eine wichtige Anforderung an die neue PLM-Lösung. Für Aras Innovator sprach neben der Offenheit, was die Integration mit anderen Anwendungen anbelangt, aber vor allem die moderne Technologie der Plattform. „Sie ist kein Saurier, der über Jahrzehnte durch Akquisitionen gewachsen ist“, sagt Schulz-Mirbach. „Ein nicht trivialer Faktor war auch die langjährige Erfahrung des Aras-Kernpersonals im Agile e6-Umfeld. Sie spiegelt sich in Handhabung und Customizing der neuen PLM-Lösung wider und sorgt bei den Anwendern für einen hohen Wiedererkennungswert.“

Aras Innovator lässt sich flexibel konfigurieren, um die kundenspezifischen Prozesse abzubilden, ohne dass die Anpassungen die Update-Fähigkeit der Plattform beeinträchtigen. Im Rahmen der Subskription stellt Aras sicher, dass die Anpassungen nach Updates im Zusammenspiel mit dem Kern so funktionieren wie vorher. Das reduziert den Kostenaufwand für Updates im Vergleich zu anderen PLM-Lösungen.

Vorteile bei Kosten und Skalierbarkeit

Von der Implementierung der Aras-Software in der Cloud verspricht sich Dräger in erste Linie Kostenvorteile durch ein Pay-per-use-Modell und eine bessere Skalierbarkeit. Bislang stellt das Unternehmen die Infrastruktur selbst bereit, was erhebliche Kosten bedeutet und Probleme bei der Anbindung der ausländischen Standorte und der Datenreplikation verursachte. Um Betrieb und Management der Applikationen kümmert sich schon seit vielen Jahren das IT- Dienstleistungsunternehmen Capgemini, das Dräger auch bei der PLM-Migration unterstützt und künftig die Cloud-Installation betreuen wird.

Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten der gewählten Cloud war, dass diese die Steuerbarkeit der Datenaufbewahrung ermöglicht. Das ist für Dräger deshalb zwingend, weil das Unternehmen sicherheitstechnische Produkte für den militärischen Bereich herstellt, bei denen die Produktdaten das jeweilige Land nicht verlassen dürfen. Bedenken wegen der Datensicherheit habe Dräger keine, sagt Schulz-Mirbach: „Was IT Sicherheit und Zugangskontrollen angeht, arbeiten die Cloud-Betreiber global betrachtet auf höchstem Niveau. “

Digitalisierung des EDHF-Prozesses

Dräger startete die Implementierung von Aras Innovator mit der Abbildung des EDHF-Prozesses, die einen schnellen Nutzen für die Fachbereiche in der Medizintechnik versprach. Capgemini hat dazu das entsprechende Template des Aras-Partners Minerva implementiert. Die Anwender brauchen Risikoanalysen, Systemarchitektur-Beschreibungen, Fehlerfall-Beschreibungen und andere regulatorisch vorgeschriebene Unterlagen, die üblicherweise als Office-Dokumente entstehen, jetzt nicht mehr auszudrucken, zu unterschreiben und abzuheften, sondern können sie in einem auditsicheren Record im PLM-System speichern und elektronisch freigeben.

Nach nur einem halben Jahr Projektlaufzeit wurde der digitale EDHF-Prozess Ende 2018 live geschaltet. Seitdem legen die Anwender die Records für alle neuen Projekte in Aras Innovator an, was nicht nur wesentlich schneller ist, sondern den Projektleitern auch einen besseren Überblick über den Stand der Projekte und die noch fehlenden Deliverables verschafft. Die bestehenden Papierarchive sollen nach und nach eingescannt und in die Plattform migriert werden, um dort alle Unterlagen elektronisch verfügbar zu haben. Sie müssen nämlich 40 Jahre und mehr aufbewahrt werden, wie Schulz-Mirbach sagt.

Die Entwicklungsdaten für neue Medizinprodukte werden noch in der alten PDM-Lösung gespeichert, die 2020 migriert werden soll. Derzeit bereitet das Unternehmen den Umstieg der Sicherheitstechnik auf die neue PLM-Plattform vor. Dazu müssen nicht nur die Integrationen sauber funktionieren, sondern auch sämtliche CAx-Daten in der neuen Umgebung verfügbar sein. „Wir wollen keinen Parallelbetrieb haben“, sagt Schulz-Mirbach. „Die größte Herausforderung wird sein, alle Anwender weltweit in einem kurzen Zeitraum zu schulen.“ Datenbereinigung und -migration ist nach mehreren Testläufen soweit abgeschlossen, dass nur noch das Delta migriert werden muss.

„Die größte Herausforderung wird sein, alle Anwender weltweit in einem kurzen Zeitraum zu schulen.“

CAx-Anwendungen aus der Cloud

Bei Dräger gibt es eine einheitliche Konstruktions- und Fertigungs-Stückliste, die als Produktstruktur im PLM-System angelegt wird. Aus ihr wird ab einem bestimmten Freigabestand in einem automatisierten Prozess die ERP-Struktur abgeleitet. Die Integration der SAP-Lösung, die on-premises in einem externen Rechenzentrum installiert ist, mit der Cloud-PLM-Anwendung verursachte keinerlei Schwierigkeiten, wie Schulz-Mirbach versichert. „Technisch macht es eigentlich keinen Unterschied, da die Cloud-Infrastruktur vollständig in das Dräger-Netzwerk integriert ist.“

Für die Anbindung der M-CAD- und E-CAD-Systeme nutzt Capgemini die Schnittstellen des Integrationsspezialisten XPLM, die direkt in der Cloud-Plattform implementiert werden konnten. „Wir machen bei den Autorensystemen einen riesigen Schritt nach vorn, dadurch dass die Arbeitsplätze der Endanwender in der Cloud laufen“, sagt Schulz-Mirbach. „Wenn der Mechanik-Konstrukteur sein CAD-System startet, verbindet er sich über Citrix mit dem Cloud-Server. Die Darstellung der CAD-Daten wird nur gestreamt, was enorme Vorteile hinsichtlich der zu transferierenden Datenmengen und auch in punkto Datensicherheit bzw. Know-how-Schutz hat. Außerdem entfällt die Notwendigkeit der Datenreplikation.“

Bessere Synchronisation des Datenbestands

Obwohl Dräger mit Ausnahme der EDHF-Records in der Aras PLM-Plattform zunächst die vorhandene Funktionalität aus Agile e6 bereitstellen wird, entfaltet die Migration schon jetzt ihren Nutzen. Die IT-Kosten werden deutlich sinken, weil man keine eigene Infrastruktur mehr unterhalten und nicht mehr zwei Systeme betreiben muss. Alle entwicklungsbegleitenden Daten in einem System zu haben, erleichtert außerdem die Synchronisation des gemeinsam in Medizin- und Sicherheitstechnik genutzten Datenbestands, die heute einen relativ großen Aufwand verursacht.

Dräger will mit Hilfe der Datenintegrationsplattform im nächsten Schritt die weltweite Verteilung der Produktdaten unter Nutzung von Neutralformaten wie 3D-PDF und die Publikation von Bedienungsanleitungen und anderen Unterlagen im Web automatisieren. Außerdem steht auf der Roadmap eine engere Integration der Software-Entwicklung mit dem Ziel, das Systems Engineering besser unterstützen zu können. „Was wir auf PLM-Seite dafür brauchen, ist da“, sagt Schulz-Mirbach. Mit der mächtigen PLM-Plattform Aras Innovator sei Dräger für die künftigen Herausforderungen der Digitalisierung gewappnet.

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