Cloud-Dienste aus deutschen Rechenzentren

Die Microsoft-Cloud geht mit T-Systems als Datentreuhänder an Land

| Autor: Klaus Länger

Das zukünftige deutsche Cloud-Angebot von Microsoft: Sicherer Hafen dank T-Systems
Das zukünftige deutsche Cloud-Angebot von Microsoft: Sicherer Hafen dank T-Systems (Bild: Microsoft)

Die Aufhebung des Safe-Harbor-Abkommens durch den EuGH stellt alle US-amerikanischen Cloud-Anbieter vor rechtliche Probleme. Microsoft hat wohl eine Lösung gefunden: Deutsche Rechenzentren für Microsoft-Cloud-Dienste mit T-Systems als Daten-Treuhänder.

Für deutsche Kunden wird Microsoft ab dem zweiten Halbjahr 2016 sukzessive die Cloud-Dienste Azure, Office 365 und Dynamics CRM Online auch aus deutschen Rechenzentren anbieten. Das gab Microsoft-Chef Satya Nadella bei einer Konferenz in Berlin bekannt.

Der Clou dabei ist, dass die beiden Rechenzentren in Magdeburg und Frankfurt am Main von T-Systems betrieben werden und die Telekom-Tochter dabei auch als Datentreuhänder fungieren wird. Damit unterliegen die Rechenzentren deutschem Recht und Microsoft hat keinen direkten Zugriff auf die gespeicherten Daten mehr. So kann das Unternehmen auch nicht von US-Behörden zur Herausgabe gezwungen werden.

Zusätzliche Sicherheit bringe laut Microsoft, dass die Datensynchronisierung zwischen den beiden Rechenzentren über eine, vom Internet isolierte, eigene Datenleitung erfolge. Ist ein Zugriff auf einen der deutschen Cloud-Rechner mit Kundendaten durch Microsoft-Mitarbeiter nötig, etwa für Wartungsarbeiten oder Verbesserungen der Cloud-Software, dann muss dies durch T-Systems als Datentreuhänder genehmigt werden. Der zeitlich begrenzte Zugriff erfolgt dann auch unter Kontrolle durch T-Systems.

Laut Nadella ist Microsoft der erste und bisher einzige US-amerikanische Cloud-Anbieter mit diesem Modell. Für T-Systems-Chef Reinhard Clemens ist diese Kooperation zwischen Microsoft und seiner Firma „die deutsche Cloud”, die von der Telekom schon lange angestrebt werde. Um dieses Ziel zu erreichen errichtete die Deutsche Telekom vergangenes Jahr mitunter auch ein ausbaufähiges und hochsicheres Cloud-Rechenzentrum in Biere nahe Magdeburg in Sachen-Anhalt.

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Zusätzliches Angebot

Die Microsoft-Cloud aus deutschen Rechenzentren ist ein zusätzliches Angebot für deutsche oder europäische Kunden, die entweder eine lokale Cloud-Lösung vorziehen oder Unternehmen sowie Organisationen, die mit sensiblen Daten arbeiten und daher spezifische gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen.

Für Kunden, die weiterhin die internationalen Cloud-Dienste von Microsoft nutzen können und wollen, stehen diese auch weiterhin zur Verfügung. Microsoft lässt sich den höheren Aufwand für die deutsche Cloud-Lösung mit T-Systems auch zusätzlich vergüten. In welcher Höhe der Aufpreis für den erweiterten Datenschutz ausfallen wird, wurde in Berlin noch nicht kommuniziert.

Ob Microsoft neue Rechenzentren baut und diese durch T-Systems betreiben lässt oder bestehende Rechenzentren der Telekom-Tochter mietet, wird „aus Sicherheitsgründen” nicht bekanntgegeben. Schon heute hat Microsoft einen Teil seiner über 100 Rechenzentren in 40 Ländern nur gemietet.

Geht es nach Microsoft, dann hat neben den Kunden nur die deutsche Justiz Zugriff auf das deutsche Cloud-Angebot des US-amerikanischen Software-Riesen.
Geht es nach Microsoft, dann hat neben den Kunden nur die deutsche Justiz Zugriff auf das deutsche Cloud-Angebot des US-amerikanischen Software-Riesen. (Bild: Microsoft)

Zweimal deutsche Cloud?

Wenn der T-Systems-Chef Clemens das neue Microsoft-Angebot als die lang ersehnte „deutsche Cloud” preist, bleibt die Frage, was aus der eigenen deutschen Public-Cloud-Lösung wird, die erst im September angekündigt wurde und in Zusammenarbeit mit Huawei entstehen soll. Denn für diese wurde als wichtigstes Argument gerade die deutsche Datenhoheit ins Feld geführt, die Microsoft über die T-Systems nun auch bieten kann.

So verfolgt die Kooperation der Deutschen Telekom mit Huawei noch weitere strategische Ziele: es gilt, sich Marktanteile im hart umkämpften Public Cloud-Umfeld zu sichern - Stichwort Amazon Web Services.

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Dazu auch ein Experten-Statement von Axel Oppermann, Avispador zum Thema:

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