Anbieter zum Thema
Neben den beschriebenen Vorteilen gibt es aber durchaus auch Risiken, die Unternehmer oder Verbraucher vor der Entscheidung für einen Cloud-Anbieter abwägen sollten. Das folgende Szenario soll die zum Teil komplexen Zusammenhänge beim Bezug von Cloud-Diensten sowie die sich daraus ergebenden Risiken beschreiben:
Ein Systemhaus und jahrelanger Geschäftspartner hat seinem Kunden Cloud-Dienste für den Betrieb Ihrer Buchhaltungssoftware in Form einer Private Cloud zur Verfügung gestellt. Das System läuft lange Zeit ohne Probleme, der Geschäftspartner war immer verfügbar, und ein Vertrag mit Service Level Agreement (SLA) war deshalb nicht nötig. Das Systemhaus (in Form eines Einzelunternehmens) geht insolvent und verschwindet innerhalb weniger Tage vom Markt. Die Server werden abgeschaltet, und die Buchhaltungssoftware ist für den Kunden nicht mehr verfügbar.
Nach einigen Recherchen ermittelt er Folgendes: Das Systemhaus hat seine Cloud-Dienste bei einem entsprechenden Anbieter bezogen, und damit besteht ein Vertragsverhältnis nur zwischen dem Systemhaus und dem Cloud-Anbieter. Da das Systemhaus ein Einzelunternehmen war, wird kein Insolvenzverfahren eingeleitet. Innerhalb des Systemhauses bestand die Handlungsvollmacht nur beim Besitzer. Als die monatlichen Kosten nicht mehr bezahlt wurden, hat der Cloud-Anbieter die Systeme heruntergefahren und die Daten gelöscht, ohne das betroffene Unternehmen (den Endkunden) zu informieren. Er sah schlicht keine Veranlassung, einen Dritten zu informieren, und der Endkunde hatte keine Rechte gegenüber dem Cloud-Anbieter, um an seine Daten und Informationen zu kommen.
Dieses Beispiel ist zwar extrem, aber leider nicht fiktiv. Solche Konstellationen sind gerade bei kleineren Unternehmen nicht unüblich. Das Beispiel soll auch zeigen, wie schnell sich innerhalb der IT die Rahmenbedingungen ändern und Probleme auftreten können, ohne dass diese im Vorfeld erkennbar wären.
Der Fakten-Check
Doch wie sieht ein wünschenswertes Vorgehen in der Praxis aus? Folgende Fragen bzw. Überlegungen sollen beim Schritt in die Cloud helfen:
- 1. Besteht eine ausreichend schnelle Internetverbindung? Wird vom Telekommunikationsanbieter genügend Bandbreite und Volumen (wichtig bei LTE-Anbindungen) zur Verfügung gestellt? Gerade in ländlichen Gegenden kommt der Breitbandausbau nur schleppend voran und macht den Einsatz von Cloud-Diensten teilweise unmöglich.
- 2. Wie schnell kann der Anbieter auf Anfragen reagieren? Gerade bei Ausfällen sind die vertraglich garantierte Reaktionszeit bzw. Entstörzeiten des Anbieters ausschlaggebend und reduzieren die Zeit zur Wiederherstellung der Dienste. Der Support des Anbieters sollte daher auf seine Kompetenz und Erreichbarkeit geprüft werden.
- 3. Das gleiche gilt für die Rechts- und Besitzverhältnisse des Anbieters, damit das Risiko für den Fall einer Insolvenz bewerten werden kann. Handelt es sich um ein Einzelunternehmen oder um eine GmbH?
- 4. Welche Subunternehmer hat der Anbieter beauftragt bzw. besteht eine Verfügungsklausel für den Nutzer, falls einer der Anbieter wegfällt?
- 5. Gerade bei nicht europäischen Anbietern sollten die Datenschutzrichtlinien geprüft werden, damit sichergestellt wird, dass personenbezogene Daten nicht an Dritte weitergegeben oder für Werbezwecke verwendet werden.
- 6. Kann der Anbieter finanzielle Sicherheiten aufweisen, falls Ausfälle das normale Maß überschreiten, und welche Haftung übernimmt er? Der Datenschutz und die Datensicherheit sind zwei wichtige Kriterien bei der Auswahl des Cloud-Anbieters.
(ID:43771216)