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Managed Cloud Services Cloud Native Apps: Raus aus dem 24/7-Dilemma

Autor / Redakteur: Iris Quirin* / Florian Karlstetter

Vom Onlineshop-Betreiber bis zum Autohändler: Entwickeln Unternehmen Anwendungen in der Cloud, werden sie agiler und können schneller auf Marktanforderungen reagieren. Um ihre Entwickler zu entlasten, lagern sie den Betrieb ihrer Cloud Native Apps immer öfter an spezialisierte Dienstleister aus.

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Cloud Native Apps erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, greifen viele auf die Expertise externer IT-Dienstleister zurück.
Cloud Native Apps erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, greifen viele auf die Expertise externer IT-Dienstleister zurück.
(Bild: © EtiAmmos - stock.adobe.com)

Cloud Native Apps werden immer beliebter: Nach einer Umfrage des Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmens Capgemini unter 900 IT-Verantwortlichen wird heute bereits fast jede sechste neue Anwendung in der Cloud entwickelt und dort bereitgestellt. Bis 2020 soll es bereits jede dritte sein. Bei Anwendungen, die auf Kundenkontakt abzielen, werden Cloud Native Apps Capgemini zufolge im kommenden Jahr sogar Standard sein.

Der Hintergrund: Wer Anwendungen in der Public Cloud entwickelt, betreibt diese auch dort. Das bedeutet, dass sie unabhängig von der im Unternehmen eingesetzten Technologie sind und hohe Flexibilität bieten. Sie lassen sich schnell an neue Marktanforderungen, Innovations- und Produktionszyklen anpassen. Die Folge: Unternehmen werden agiler, sie können ihre Anwendungen und Services aus der Cloud leicht skalieren und direkt nach der Programmierung ausrollen.

Agiler mit Cloud Native Apps

Die Bandbreite der möglichen Einsatzszenarien für Cloud Native Apps ist groß: „Cloud Native Apps lohnen sich für Unternehmen aller Branchen, die einen Bedarf an individueller Software haben oder die bestehenden, selbstentwickelten Cloud-Anwendungen agiler gestalten wollen“, sagt Helen Wohlfahrt-Kuhn, T-Systems International Head of Sales & Marketing PaaS & Big Data. Also etwa für Mittelständler, die im Zuge der Digitalisierung den Verkauf über ihren herkömmlichen Katalog durch einen selbst entwickelten Online-Shop ersetzen wollen, diesen jedoch aus Kapazitätsgründen nicht selbst betreiben können. Oder ein Automobilhändler, der seinen Kunden individuelle Anwendungen für deren Fahrzeuge weltweit und zuverlässig über die Cloud zur Verfügung stellen will und die entsprechenden Apps fortlaufend weiterentwickelt.

Cloud-Anwendungen und -Services sind jedoch keine Selbstläufer: Unternehmen müssen dafür sorgen, dass sie rund um die Uhr verfügbar sind. Meldungen über Störungen machen nicht nur einen schlechten Eindruck auf Kunden, Lieferanten und Partner. Auch die Mitarbeiter können Aufgaben nicht ungestört erledigen, wenn die Cloud Native Apps nicht reibungslos laufen.

Eine Cloud im eigenen Haus zu betreiben stellt viele Mittelständler jedoch vor große Herausforderungen: Oft fehlt ihnen das Know-how und die Kapazität, die Cloud-Anwendungen und -Services zu betreiben und zu warten. Die Zeit ihrer in der Regel raren App-Entwickler wollen sie auch nicht mit diesen administrativen Aufgaben binden.

Betrieb an Spezialisten übergeben

Damit sich Entwickler auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können, gehen viele Unternehmen dazu über, den Betrieb ihrer Cloud Native Apps an spezialisierte Dienstleister auszulagern. Technisch beinhalten die Cloud Native Apps eine Reihe voneinander unabhängiger Microservices, die in einem Container zu einem Paket zusammengefasst sind. Daher spielt es keine Rolle, welche Cloud-Plattformen Unternehmen nutzen – ob Microsoft Azure, Amazon Web Services (AWS) oder die Open Telekom Cloud.

Dienstleister früh einbeziehen

Spezialisierte Dienstleister, also sogenannte Cloud Native Applications Operators, wie T-Systems betreiben die Anwendungen für ihre Kunden in ihrer Cloud. Bei Bedarf bieten sie weitere Leistungen aus einer Hand an: von der Beratung und Analyse der bestehenden IT Landschaft, über den Einsatz agiler Methoden wie DevOps, bis zur Entwicklung eines entsprechenden Migrations- und Implementierungspfades in die Cloud.

Und dort kümmern sie sich um den Betrieb der Cloud Native Apps. „Wir überwachen und kontrollieren die Cloud-Dienste, damit diese stabil laufen und höchste Verfügbarkeit bieten“, sagt Peter Reinecke, T-Systems International Head of Managed PaaS Service. Fehler lassen sich dank Monitoring schnell erkennen und von den Experten beheben. T-Systems-Kunden profitieren dabei – Cloud-übergreifend – von den Sicherheitslösungen der Telekom, die sie selbst zu ihrem Schutz einsetzt, etwa zur Abwehr von Cyberangriffen.

„Idealerweise sind wir schon in der frühen Planungsphase involviert“, sagt Reinecke. „Dann können wir den Entwicklern entsprechende Umgebungen und unser Know-how im Cloud-Business zur Verfügung stellen, was nach dem Launch das Betriebsmanagement vereinfacht, und die agile Weiterentwicklung unterstützt.“

Einblick ins Runbook

T-Systems bietet für den Betrieb der Cloud Native Apps drei Service-Modelle an: Beim sogenannten „LiveCheck“ hat der Kunde eine weniger komplexe Anwendung selbst entwickelt, kann aber den produktiven Betrieb nicht parallel mit dem Entwicklungsteam sicherstellen. Die Entwickler haben bereits erste Erfahrungen im Betrieb gesammelt und darauf basierend ein Betriebshandbuch erstellt. Dieses listet die Soll-Leistungen der Apps und Services auf sowie die bereits festgestellten und behobenen Störungen und den Umgang mit Fehlern. Das Betriebshandbuch – im Fachjargon Runbook – stellen sie T-Systems zur Verfügung.

Werden die Cloud-Anwendung oder der Cloud-Service noch weiterentwickelt und kommen regelmäßig neue Funktionen und somit auch neue mögliche Fehler vor, die noch nicht im Betriebshandbuch aufgelistet sein können, wählt der Kunde das Service-Modell „Support“. Die Experten von T-Systems überwachen den Betrieb der App, analysieren auftretende Störungen und beheben sie. Sollte es Schnittstellenprobleme zu Fremdsystemen geben, koordinieren sie das Beheben der Fehler mit dem entsprechenden Anbieter. Außerdem beraten sie die Entwickler zu Performance, Betriebs- und Sicherheitsthemen.

Dem Wettbewerb voraus

Bei komplexeren Plattformen und Anwendungen, die eine hohe Verfügbarkeit verlangen und ebenfalls noch weiterentwickelt werden, greift das Service-Modell „Service“. Hierbei übernimmt T-Systems auch zusätzliche Dienstleistungen, um die Teams im Unternehmen zu entlasten oder die Anwendung zu betreiben, wenn intern kein ausreichendes Know-how vorhanden ist. Zu diesen zusätzlichen Dienstleistungen gehören ein Nutzer- und Eskalationsmanagement, das Prozessmanagement und eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Qualitätssteigerung im Betrieb.

Mit Unterstützung von Dienstleistern gelingt Unternehmen der Wechsel zu den in der Cloud entwickelten Anwendungen. Davon profitieren sie der Capgemini-Umfrage zufolge gleich mehrfach: Sie werden agiler, innovativer und profitabler als ihre Konkurrenten.

* Die Autorin: Iris Quirin arbeitet seit Anfang den 90er Jahren als freie Journalistin für bekannte Wirtschafts-, Fach- und Kundenmagazine, darunter Wirtschaftswoche, FOCUS, Capital, Impulse, Profits und Creditreform, und war an der Konzeption von mehreren Kundenmagazinen beteiligt. Schwerpunktmäßig bearbeitet sie Internet-Themen wie Cloud, IoT, Industrie 4.0, Robotics, Augmented Reality und ist spezialisiert auf Unternehmerporträts und Reportagen aus dem Mittelstand. Iris Quirin studierte in Köln und absolvierte dort ihre Journalistenausbildung.

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