Preis- und Servicetransparenz im Cloud-Markt

Wenn die Wahl zur Qual wird

| Autor / Redakteur: Ralf Appelt* / Elke Witmer-Goßner

Unternehmen sollten schon genau nachrechnen, ob sich die Cloud wirklich für sie lohnt.
Unternehmen sollten schon genau nachrechnen, ob sich die Cloud wirklich für sie lohnt. (Bild: ArTo, Fotolia)

Cloud Computing ist mittlerweile technisch einfach umzusetzen. Doch die Fallstricke bei dem Gang in die Cloud liegen für Unternehmen im Bereich der Preis- und Servicetransparenz der Provider.

Wer im Projektgeschäft tätig ist, kennt das: Zwischen der Ursprungsidee und der tatsächlich umgesetzten Idee können ganze Welten liegen. Ähnliches offenbart der Blick auf die aktuellen Cloud-Angebote der großen Provider. Vor fünf Jahren wurde Cloud Computing als eine Art zukünftiger IT aus der Steckdose hochgelobt. Anbieter und Angebot auswählen – fertig. Technisch spricht auch nichts gegen ein solches Modell. Nur sieht die Businessrealität heute anders aus. Die Auswahl eines Providers ist unter wirtschaftlichen Aspekten alles andere als trivial. Denn die Service-Beschreibungen sind häufig intransparent und die Preismodelle zum Teil sehr komplex. Doch wie können Unternehmen dennoch zu einer wirtschaftlich sinnvollen Entscheidung pro oder contra Cloud Computing kommen? Welche Lösungsszenarien sind hier denkbar und wie findet ein Unternehmen heraus, welche Lösung die richtige für das eigene Unternehmen ist?

Ein Vergleich von Providern wie VMware, Amazon, Microsoft oder Google zeigt die zum Teil deutlichen Unterschiede. Anbieter mit einfachen Preismodellen bieten beispielsweise deutlich weniger Services. Andere verfügen über ein riesiges Angebot und günstige Einstiegspreise. Intransparente Preismodelle sorgen für Unübersichtlichkeit bei der Kalkulation – Überraschungen am Monatesende nicht ausgeschlossen! Hinzu kommen lange Vertragslaufzeiten, die den Sinn einer flexiblen IT dank Cloud konterkarieren. Bei anderen Providern ist wiederum das Marketing der eigenen Technik manchmal deutlich voraus – sprich: Es wird versprochen, was technisch noch gar nicht umsetzbar ist. Andererseits gibt es auch günstige Angebote, die bewusst einfach gehalten sind. Bei denen es keine Vorauszahlung braucht und es keine lange Vertragsbindung gibt. Die flexibel alles on Demand zur Verfügung stellen und beispielsweise anbieten, den Server, der etwa als Entwicklungsserver genutzt wird, am Wochenende auch mal abzuschalten, um Geld zu sparen. Nur diese Angebote im Wust des Cloud-Marktes zu finden, ist das Problem.

Den roten Faden finden

Was also ist zu tun? Vor einem Gang in die Cloud gilt es die Gretchenfrage zu stellen: Ist die Cloud tatsächlich für das angedachte Szenario die günstigste Lösung? Cloud Computing zeichnet die hohe Flexibilität der Angebote aus. Das sollte das Hauptunterscheidungskriterium zum klassischen IT-Outsourcing sein. Die Cloud hat also dann Sinn, wenn ein Unternehmen in Anwendungsszenarien etwa schwankenden Bedarf an Server-Leistung hat. Zu denken wäre an Testserver vor einem Software-Release oder der Rechnungsdruck am Monatsende. Hier lässt sich durch flexible Zu- und Abbuchung von Server-Leistung ein Kosteneffekt in der Cloud erzielen. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass Cloud-Lösungen in jedem Anwendungsfall die preiswertesten sind.

Die tatsächlich entstehenden Kosten zu ermitteln ist von IT-Mitarbeiter in den Firmen in der Regel nicht zu leisten. Eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Provider kann ein CIO bei einem Analyse-Aufwand von mehreren Tagen pro Anbieter allein schon aus Zeitgründen nicht treffen. Und das Problem wird sich in Zukunft eher verschärfen, denn die Cloud-Angebote werden mit jedem Update komplexer. Die Erwartung, dass man zukünftig die Angebote so leicht vergleichen könne, wie die von Stromanbietern, haben sich nicht bewahrheitet – im Gegenteil.

Profis helfen

Ralf Appelt, Alsbridge GmbH.
Ralf Appelt, Alsbridge GmbH. (Bild: Alsbridge GmbH)

Unternehmen, die über den Gang in die Cloud nachdenken, sollten sich vor dem Hinzuziehen externere Berater nicht scheuen. Deren Expertise hilft Kosten und Risiken in der Zusammenarbeit mit Cloud-Dienstleistern zu erkennen, zu benennen und nachhaltig zu reduzieren. So gilt es für den Berater den Unternehmen die Fallstricke in den Kostenmodellen aufzuzeigen und diese zu berücksichtigen. Nur so können am Ende Äpfel mit Äpfeln verglichen werden, sprich: ein fairer Preisvergleich von tatsächlich gleichen Leistungs- und Serviceangeboten. So gelangt ein Unternehmen zu einer wirtschaftlich sinnvollen Entscheidung pro oder contra Cloud und findet den passenden Anbieter.

* Der Autor Ralf Appelt ist Director Product Management bei der Alsbridge GmbH, einer international anerkannten Beratungsgesellschaft für Sourcing Advisory und tool-gestütztem Benchmarking. Er berät Unternehmen zu Out- und Cloudsourcing-Fragen. Die Kenntnisse der Alsbridge GmbH im Bereich Cloud Computing basieren auf zahlreichen begleiteten internationalen Beratungsaufträgen in diesem Bereich.

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