AWS, Google, Azure, Alibaba, IBM

Welche Cloud bietet die beste Performance?

| Redakteur: Jürgen Schreier

Zwischen einzelnen Cloud-Anbietern gibt es erhebliche Differenzen bezüglich Gesamtperformance und Konnektivität.
Zwischen einzelnen Cloud-Anbietern gibt es erhebliche Differenzen bezüglich Gesamtperformance und Konnektivität. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Immer mehr Daten wandern in die Cloud. Doch welcher Provider bietet die beste Performance? Der Cloud Performance Report von ThousandEyes unterstützt IT-Führungskräfte mit umfassenden Daten bei der Auswahl des "richtigen" Anbieters. Denn die Performance-Unterschiede sind von Anbieter zu Anbieter keineswegs unbeträchtlich.

ThousandEyes gibt die Ergebnisse seines jährlichen Cloud Performance Benchmark-Reports bekannt. Dabei wird deutlich: Cloud ist nicht gleich Cloud, Anbieter nicht gleich Anbieter. Denn die Studie zeigt Unterschiede in Bezug auf die globale Netzwerkperformance und Konnektivität der fünf großen Public Cloud-Anbieter auf. Untersucht wurden Amazon Web Services (AWS), Google Cloud Platform (GCP), Microsoft Azure, Alibaba Cloud und IBM Cloud. Der Report versteht sich als Hilfestellung für IT-Führungskräfte, um qualifizierte Entscheidungen bezüglich Investitionen im Cloud-Bereich zu treffen.

"Wenn Unternehmen sich vor die Entscheidung gestellt sehen, einen passenden Cloud Provider wählen zu müssen, liegen ihnen meist keine Daten zur jeweiligen Performance vor. Der Grund hierfür ist, dass solche Informationen nie vorhanden oder nur oberflächlich verfügbar waren“, sagt Archana Kesavan, Director für Produktmarketing beim Cloud-Intelligence-Spazialisten ThousandEyes. "Der Cloud Performance Report liefert Unternehmen hierzu passende Vergleichsdaten. Umfassende Informationen zur Cloud-Performance sind für die Planung und das weitere Vorgehen unerlässlich, um sicherzugehen, dass Kunden und Mitarbeiter die bestmöglichen Leistungen erhalten.“

Private Backbones sollen Leistungsschwankungen vermindern

Beim Datenverkehr verlassen sich einige Cloud-Anbieter stark auf das frei zugängliche Internet statt auf ihre eigenen Backbones; wodurch eine Vorhersage der Leistung beeinflusst werden kann. Google Cloud und Azure nutzen bei der Koordination des Datenverkehrs ihrer Kunden verstärkt ihre privaten Backbone-Netzwerke, um Leistungsschwankungen zu verhindern, die mit der Nutzung des frei zugänglichen Internets einhergehen können.

AWS und Alibaba Cloud greifen bei dem Großteil des Datenverkehrs auf das frei zugängliche Internet zurück. Dies führt zu einem höheren Betriebsrisiko, das die Vorhersage der Leistung beeinträchtigen kann. IBM verfolgt einen hybriden Ansatz, der sich regional unterscheidet.

Lateinamerika und Asien haben die höchsten Performance-Schwankungen über alle untersuchten Cloud-Anbieter hinweg, während in Nordamerika die Cloud-Performance im Allgemeinen konstant ist. Verantwortliche und Entscheidungsträger sollten aufgrund der Ergebnisse des Reports einen regional passenden Cloud Provider auswählen, um eine weltweit optimale Performance zu gewährleisten. Denn regionale Performance-Schwankungen können einen erheblichen Einfluss auf die Performancegewinne oder -verluste haben.

Great Firewall of China sorgt auch bei Alibaba für Verluste

AWS Global Accelerator weist nicht immer eine bessere Performance auf als das frei zugängliche Internet. AWS Global Accelerator wurde im November 2018 eingeführt, um Kunden die Nutzung des privaten Backbone-Netzwerks von AWS gegen eine Gebühr zu ermöglichen. Standard von AWS ist hingegen der Datenverkehr über das frei zugängliche Internet. Trotz zahlreicher weltweiter Beispiele für Performancesteigerungen ist der Global Accelerator keine Universallösung. Verschiedene Beispiele zeigen, dass der Weg über das frei zugängliche Internet schneller und zuverlässiger arbeiten kann als der Global Accelerator. Teils unterscheiden sich die Ergebnisse nur geringfügig.

Cloud-Performance basiert auf der Wahl des Breitband-ISP. Unternehmen, die einen Performancevorsprung erzielen wollen, sollten ihren Breitband-ISP-Anbieter danach auswählen, auf welche Cloud sie am stärksten angewiesen sind. Dies kann zu Performancegewinnen und -verlusten führen, je nachdem, welche Breitband-Provider Unternehmen für die Verbindung mit der jeweiligen Cloud nutzen.

Die Great Firewall of China sorgt bei allen Cloud-Anbietern für Performanceverluste. Obwohl Alibaba seinen Ursprung in China hat, tritt beim Passieren der Great Firewall of China ein Paketverlust auf – genau wie bei allen anderen Cloud-Anbietern. Dies beweist, dass Alibaba keine gesonderte Stellung innehat. Unternehmen mit Kunden in China, die aufgrund strenger Regularien bezüglich Datenverkehr und Datenschutz zögern, eine Hosting-Umgebung in China zu nutzen, können Hongkong als Option in Betracht ziehen. Der Datenverkehr von Hongkong nach China durch Alibaba Cloud hatte den geringsten Paketverlust, gefolgt von Azure und IBM.

Ergebnisse aufgeschlüsselt nach Cloud Providern

Der Cloud Performance Report 2018 verglich die drei größten Cloud Provider mit den höchsten Marktanteilen, also AWS, Azure und GCP. Alibaba Cloud und IBM Cloud kamen in diesem Jahr neu hinzu, sodass zu diesen Diensten aktuell noch keine Vergleichsdaten vorliegen. Deutliche Unterschiede zeichneten sich zwischen einzelnen Cloud-Anbietern im Bezug auf Gesamtperformance und Konnektivität ab. Die wichtigsten Erkenntnisse, aufgeschlüsselt nach Cloud Providern, lauten:

  • AWS (Amazon Web Services) weist allgemein eine geringe Latenz auf und schnitt im Vergleich zum letzten Jahr insgesamt besser ab. Die Kennzahlen zur Vorhersehbarkeit der Leistung haben sich deutlich verbessert. In Asien gab es zudem eine starke Verringerung der Variabilität um 42 Prozent. Im Vergleich zu Azure und Google Cloud Platform hat AWS jedoch immer noch eine geringere Leistungsvorhersehbarkeit, da der Provider weitgehend das frei zugängliche Internet anstelle des eigenen Backbones nutzt.
  • Azure glänzt weiterhin durch eine sehr gute Netzwerkperformance. Diese hat ihren Grund in der Nutzung des eigenen Backbones, das für den Datenverkehr der Benutzer in Cloud Hosting-Umgebungen genutzt wird. Besondere Veränderungen im Vergleich der Daten von 2018 und 2019 sind eine 50-prozentige Verbesserung der Vorhersehbarkeit der Performance in Sydney, während in Indien ein Rückgang der Leistungsvorhersehbarkeit um 31 Prozent zu verzeichnen war. Trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Vorjahr ist Azure in Asien im Vergleich zu den anderen Cloud-Anbietern weiterhin führend bei der Vorhersage von Leistungszahlen.
  • Bei Google Cloud favorisiert man weiterhin die Nutzung des eigenen Backbones für die Bereitstellung von Traffic in der Cloud. Benutzer profitieren von einer starken Performance in den meisten Hosting-Regionen. Der Cloud Provider weist weltweit aber immer noch einige signifikante Lücken auf, die seit der Veröffentlichung des Reports im letzten Jahr nicht geschlossen wurden. Der Datenverkehr aus Europa und Afrika benötigt 2,5 bis 3-mal länger, um nach Indien zu gelangen, da Daten zunächst um die Welt reisen, anstatt eine direkte Verbindung zu nutzen. Google Cloud verringerte zudem die Transparenz des internen Netzwerks, so dass es schwieriger wurde, die Netzwerkpfade und -leistung zu analysieren.
  • Alibaba Cloud bietet im Vergleich mit anderen Providern eine ähnliche Performance. Der Provider ähnelt AWS in Bezug auf Verbindungsmuster, Regionspositionen und sogar der einzelnen Benennung von Regionen. Wie AWS setzt Alibaba Cloud für den Großteil des Datenverkehrs stark auf das frei zugängliche Internet und nicht auf sein eigenes privates Backbone-Netzwerk. Besonders ist hierbei, dass der Datenverkehr zwischen Regionen nicht zwischen einzelnen Dependancen von Alibaba Cloud stattfindet, sondern aus der internen Cloud austritt, das Internet durchquert und anschließend wieder in das regionale Cloud-Netzwerk eintritt.
  • Auch die Performance von IBM Cloud ist mit der anderer großer Cloud-Provider vergleichbar. IBM verfolgt einen hybriden Ansatz bei der Koordinierung des Datenverkehrs, in dessen Rahmen die Nutzung des eigenen privaten Backbones und des frei zugänglichen Internets variiert, abhängig davon, auf welche Regionen der Benutzerzugriff erfolgt.

Interview mit Dirk Didascalou, AWS

"Die Cloud finde ich sehr befreiend"

04.07.19 - Der VW-Konzern baut zusammen mit Amazon Web Services (AWS) die "Volkswagen Industrial Cloud" auf, die Echtzeitdaten aus 122 Produktionsstätten zusammenführen soll. Über diese IoT-Plattform, andere AWS-Projekte sowie die Vorzüge der Cloud sprach "Industry of Things" mit Dirk Didascalou, Vice President IoT bei AWS. lesen

Netzwerkarchitektur nicht außer Acht lassen

„Bisher haben die meisten IT-Entscheider bei der Suche nach dem passenden Cloud-Anbieter auf Faktoren wie den Preis oder die Nähe zum Nutzer geachtet. Dabei wurde die zugrundeliegende Netzwerkarchitektur oft völlig außer Acht gelassen, obwohl diese einen erheblichen Einfluss auf die Performance haben kann“, erläutert Zeus Kerravala, Principal Analyst, ZK Research. „Der Cloud Performance Benchmark Report 2019 von ThousandEyes zeigt, wie sehr sich die Leistungen der bekanntesten Cloud-Service-Provider unterscheiden können. Die Einblicke beweisen, dass Unternehmen weiterhin ihre Netzwerkinformationen und Leistung messen sollten, um sicherzustellen, dass sie die Leistung von Cloud-Providern erhalten, die sie erwarten.“

Der aktuelle Cloud Performance Report von ThousandEyes kann hier heruntergeladen werden.

Das sind die aktuellen Cloud-Trends

Der Velocity Report von O'Reilly Media bietet richtungsweisende Erkenntnisse über die Entwicklung von cloudnativen Architekturen und verteilten Systemen. Die Studie basiert auf einer Analyse der eingereichten Themenvorschläge für O'Reilly's Velocity Conference in Berlin (4. bis 7. November 2019). Die Auswertung beleuchtet, welche Ideen, Verfahren und Technologien an Bedeutung gewinnen – und welche verlieren.

Für den Velocity Report 2019 wertete O'Reilly alle eingereichten Themenvorschläge für Sessions und Tutorials der O'Reilly Velocity Conference 2019 aus: Das Unternehmen prüfte die Dokumente auf die am häufigsten verwendeten Begriffe. So konnten die Themen, die die Branche am stärksten bewegen, identifiziert und in ein Ranking aufgenommen werden. Insgesamt wurden 342 Einreichungen analysiert.

Grundsätzlich zeigte sich in der Analyse, dass Cloud-Architekturen, Security, Observability und DevOps die dominierenden Themen sind. Verwandte Bereiche wie Site Reliability Engineering (SRE) stoßen im Kontext von verteilten Systemen und Software-Entwicklung ebenfalls auf großes Interesse.

Nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Velocity Reports:

- „Cloud Native“ spielt eine herausragende Rolle. Die Begriffe, Verfahren und Tools aus dem Bereich cloudnative Architekturen stechen aus den Vorschlägen der Velocity Conference besonders hervor. Nicht nur der Begriff „Cloud Native“ (Nr. 25 im Ranking) an sich, sondern auch eng damit verbundene Technologien wie „Kubernetes“ (Nr. 2 in der Rangliste) werden in den Themenvorschlägen auffallend häufig angeführt.
- IT-Sicherheit gibt Anlass zur Sorge. Der Begriff „Security“ knackte nicht nur die Top 5, er stieg sogar auf Platz 3 direkt nach „Kubernetes“ ein. Selbst wenn cloudnative Lösungen stark an Bedeutung gewonnen haben, scheint es immer noch Bedenken zu geben, inwieweit die Sicherheit der neuen Technologie gewährleistet werden kann.
- Performance ist weiterhin von zentraler Bedeutung. Softwarearchitekten, Ingenieure und Entwickler verwenden neue Tools, Metriken und Konzepte, um die Leistung von Systemen zu überwachen, zu verwalten und zu optimieren. Diese Entwicklung zeichnet sich nicht nur in der Sprache in der häufigen Verwendung der Ausdrücke „Observability“ und „Monitoring“ ab, auch die technologischen Lösungen in diesem Gebiet nehmen zu.
- Site Reliability Engineering (SRE) wird wichtiger. Die mit SRE verbundenen Begriffe steigen in der Rangliste immer höher. SRE stellt eine neue Herangehensweise in der Softwareentwicklung dar. Die Analyse des Reports deutet darauf hin, dass sich Site Reliability Engineering durchsetzen wird.
- Die Unterschiede zwischen Europa und den USA treten deutlich hervor. Zum Beispiel ist „Observability“ in den USA ein deutlich größeres Thema als in Europa. Es ist einer von mehreren Begriffen, die auf der einen Seite des großen Teiches beliebter sind als auf der anderen. Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang auffällt, ist „Cloud Native“. Dieser ist kurioserweise in der EU beliebter als in den USA.

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