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DSAG-Investitionsreport 2020 Wachablösung von Business Suite zu S/4HANA vollzogen

Autor: Elke Witmer-Goßner

Erstmals nach vier Jahren wird mehr in SAP S/4HANA investiert als in die Business Suite. Allerdings ist bei den Cloud-Lösungen weiter Luft nach oben, denn noch liegt Microsoft Azure bei den Applikations-Plattformen deutlich vor der SAP Cloud Platform.

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Unternehmen üben sich bei der digitalen Transformation noch in Zurückhaltung aufgrund fehlender Ressourcen und zu wenig Know-how.
Unternehmen üben sich bei der digitalen Transformation noch in Zurückhaltung aufgrund fehlender Ressourcen und zu wenig Know-how.
(Bild: © Alexander Limbach - stock.adobe.com)

Fast die Hälfte der Mitgliedsunternehmen der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) hat aber für dieses Jahr sein Gesamtbudget für IT-Investitionen erhöht, wie der Investitionsreport 2020 der DSAG ausweist. Demnach steigt das Budget für allgemeine Investitionen in die IT bei fast der Hälfte der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). Ein kleinerer Teil will die Ausgaben nicht erhöhen, knapp ein Fünftel schraubt die Investitionen sogar zurück. Ein Großteil der Ausgaben soll weiter in SAP-Technik fließen.

Für Dr. Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, ist die generell hohe Investitionsbereitschaft in der allgemein angespannten wirtschaftlichen Gesamtsituation zwar „ein bemerkenswertes Zeichen“, was aber offensichtlich nicht für alle Bereiche gelte, da 24 Prozent der Befragten aus produzierenden Unternehmen angaben, dass ihr Budget sinke. „Das könnte damit zusammenhängen, dass aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung Unternehmen zum Beispiel aus der Automobilindustrie trotz Digitalisierung noch etwas vorsichtiger in die Zukunft schauen“, schätzt Lenck.

Solides Cloud-Geschäft mit Luft nach oben

Erstmals in den letzten vier Jahren wollen Unternehmen viel bis sehr viel Geld für S/4HANA On-Premise und Public Cloud ausgeben, statt weiter in die Business Suite zu investieren. Damit ist ein Wendepunkt erreicht bzw. sogar überschritten. Die Zahl der Unternehmen, die S/4HANA einsetzen, ist in den letzten drei Jahren von drei auf zehn Prozent gestiegen, Tendenz steigend.

Trotzdem sollte man sich von den guten Zahlen nicht zu sehr täuschen lassen. Die Zahl derer, die weiterhin auf SAP ERP setzen, liegt im Vergleich zum Vorjahr konstant bei sechs Prozent. Knapp ein Fünftel der Unternehmen hat S/4HANA überhaupt noch nicht ins Auge gefasst. Trotz des Schubs also in Richtung S/4HANA, stagniert die S/4HANA-Public-Cloud nach wie vor im mittleren einstelligen Bereich. Die Public Cloud sei zurzeit nicht die „To-go-Lösung“, auf die die Kunden setzten. Bedenken gebe es vor allem in der Öffentlichen Verwaltung, der Gesundheitsbranche und in der Fertigungsindustrie, erklärt Lenck.

Bei der Umstellung auf S/4HANA schlagen die Unternehmen unterschiedliche Wege ein. S/4HANA als Neuimplementierung (Greenfield) haben 20 Prozent umgesetzt bzw. geplant. Eine Systemkonversion (Brownfield) ist bei 39 Prozent der favorisierte Ansatz. Gemischte Szenarien wie Hybride Lösungen bevorzugen 7 Prozent. 34 Prozent sind in ihrer Entscheidung noch offen.

Microsoft noch immer Favorit

Für SuccessFactors, SAP Analytics Cloud und C/4HANA liegen die Planungen bei vielen Unternehmen im „hohen und mittleren“ Bereich. Ariba, Integrated Business Planning und Concur bleiben im einstelligen Bereich. Nur bei der SAP Analytics Cloud hält der Aufwärtstrend an. „Die SAP-Anwenderunternehmen investieren weiterhin in die Cloud-Lösungen der SAP, um ihre Prozesse auch außerhalb des eigentlichen Cores herum zu erweitern“, erläutert Lenck. Die Anforderung bestehe aber, dass das standardisiert als einheitlicher Prozess, ohne Modifikationen, umgesetzt werden könne. Out-of-the-Box-Integration und harmonisierte Datenmodelle könnten dann auch den Einsatz eines stark wachsenden Produktes wie SAP Analytics Cloud erleichtern, glaubt der DSAG-Vorsitzende.

Bei der Relevanz der Applikations-Plattformen (Platform-as-a-Service, nicht Infrastruktur) liegt Microsoft Azure klar vorn. Die SAP Cloud Platform steht erst an zweiter Stelle. „Diese Konstellation könnte darauf zurückzuführen sein, dass Microsoft vorrangig als generelle Digitalisierungsplattform in den Unternehmen eingesetzt wird und die SAP Cloud Platform eher als Plattform für Lösungen der SAP die erste Wahl ist“, kommentiert Lenck das Ergebnis.

Verhaltener Trend zur Digitalisierung

Neben einzelnen Produktbereichen erfasst die Umfrage auch den Status quo der Unternehmen bei der Digitalen Transformation, unabhängig von und ohne direkten Bezug zu SAP. Weit oder sehr weit fortgeschritten sind mehr als ein Drittel der Unternehmen, was deutlich hinter dem Ergebnis von 2018 liegt. Für Dr. Marco Lenck eine interessante Entwicklung: „Anfangs war die digitale Euphorie groß, dann hat sich gezeigt, dass der Aufwand in manchen Bereichen doch größer ist, als angenommen. Aber die Trendwende ist zu erkennen“. Somit hinkt die Digitale Transformation aktuell noch klar hinter den allgemeinen Erwartungen hinterher.

Die Gründe für die „digitale Zurückhaltung“ wurden auch in diesem Jahr abgefragt. Fehlende Ressourcen wie Mitarbeiter und Berater, die aufwändige Integration und generell fehlendes Know-how über die technischen Möglichkeiten der Lösungen stehen dabei ganz vorn. Viele Unternehmen fürchten die Komplexität der entsprechenden Projekte und deren Integration. Daher müsse SAP massiv daran arbeiten, die Unternehmen bei ihren Integrationsaufgaben noch besser zu unterstützen, folgert Lenck: „Je standardisierter die Lösungen, desto einfacher die Integration und desto weniger Baustellen.“

Kritisch, so Lenck, sei aber auch der fehlende Business-Case bei 47 Prozent der Befragten: „Vielleicht sind die notwendigen Investitionen zu hoch oder der konkrete Nutzen des Projekts lässt sich nicht klar festlegen. Oder es fehlt am Know-how, was mit der Software konkret verbessert werden könnte“, interpretiert er das Ergebnis. Denn wie die Umfrage weiter zeigt: An fehlender Funktionalität der Lösungen oder fehlender Technologie kann es nicht liegen. Die beiden Argumente stehen mit 45 Prozent bzw. 29 Prozent am Ende der Liste.

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Unternehmen in der Zwickmühle

Viele Unternehmen wissen zwar, dass die Zukunft klar in der Digitalisierung liegt. Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld scheint dafür aber in vielen Bereichen noch nicht bereit zu sein. Und während einerseits S/4HANA aus dem langen Schatten der Business Suite herausgetreten ist, sind nichtsdestotrotz noch zu viele ohne konkrete S/4HANA-Strategie unterwegs. Oder es fehlt die klare Linie, welchen Ansatz sie für den Umstieg wählen sollen.

Erhebungsgrundlage der Umfrage
Die DSAG hat vom November 2019 bis Januar 2020 ausschließlich Anwenderunternehmen zu geplanten Investitionen für 2020 im deutschsprachigen Raum befragt. Pro Unternehmen konnte nur eine Person an der Online-Umfrage teilnehmen. 288 CIOs, Leiter von Competence Centern (CC) und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der Umfrage teil. Knapp die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Unternehmen mit einer Größe zwischen 500 bis 2.500 Mitarbeitern.

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de