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Interview mit Stephan Fabel Ubuntu auf AWS – was bringt das?

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Canonical, der Herausgeber von Ubuntu, hat Ubuntu Pro-Images für Amazon Web Services (AWS) bereitgestellt. Wir sprachen mit Stephan Fabel, Head of Product and Silicon Alliances bei Canonical, über die sich dadurch eröffnenden Möglichkeiten für Anwender.

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Im April 2019 gelang es den Forschern der NASA, das erste echte Bild eines Schwarzen Loches zu schießen. Um die Bilder für die Öffentlichkeit verständlich zu machen, wurde eine Visualisierung des schwarzen Lochs auf Ubuntu erstellt und gezeigt.
Im April 2019 gelang es den Forschern der NASA, das erste echte Bild eines Schwarzen Loches zu schießen. Um die Bilder für die Öffentlichkeit verständlich zu machen, wurde eine Visualisierung des schwarzen Lochs auf Ubuntu erstellt und gezeigt.
(Bild: NASA)

CloudComputing-Insider: Herr Fabel, Sie verfügen über 25 Jahre Erfahrung in der IT, Ihr Hauptinteresse liegt laut eigenen Angaben „in der Schaffung attraktiver und zuverlässiger Infrastrukturlösungen, die Entwicklern und Unternehmen eine höhere Produktivität ermöglichen“. Sprechen wir von attraktiven und zuverlässigen Infrastrukturlösungen, so meinen wir heute in der Regel Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen. Womit werden wir uns Ihrer Meinung nach in fünf Jahren vorrangig beschäftigen?

Stephan Fabel, Head of Product and Silicon Alliances bei Canonical.
Stephan Fabel, Head of Product and Silicon Alliances bei Canonical.
(Bild: Stephan Fabel / Canonical)

Stephan Fabel: Die hybride Bereitstellung wird uns noch lange beschäftigen, denn IoT und Cloud wachsen immer mehr zusammen. Unsere Herausforderung dabei ist das Bereitstellungsmanagement von Software, wobei Ubuntu die Brücke zwischen den Core-Diensten und den Latenz-Diensten bildet. Als Beispiel seien Machine Learning-Anwendungen genannt, wo Kameras praktisch ununterbrochen Bilder an die Anwendung senden, die sie möglichst in Echtzeit auswertet. Hinzu kommt, dass Anwendungen ja alle möglichen Endgeräte bedienen müssen, und ein Smartphone wird eben anders angesprochen als eine Set-top-Box.

In einem Ihrer Blogbeiträge erwähnen Sie Ubuntu-Anwendungsfälle wie autonome Autos, künstliche Intelligenz, Machine Learning, Roboter, Weltraumforschung, 5G-Netztransformation und GPU-Beschleunigung. Das hört sich spannend an – haben Sie konkrete Anwendungsgeschichten für uns?

Fabel: Da kommt mir als erstes die NASA in den Sinn: Im April 2019 gelang es den Forschern, das erste echte Foto eines Schwarzen Loches zu schießen. Um die Bilder für die Öffentlichkeit verständlich zu machen, präsentierte die NASA eine Visualisierung des schwarzen Lochs – natürlich auf Ubuntu! Ein Großteil aller solchen Forschungen werden auf dem Ubuntu Desktop betrieben, etwa 55 Prozent aller OpenStack-Anwendungen - das übrigens auch von der NASA mitentwickelt wurde – laufen auf Ubuntu.
Ein weiteres Anwendungsbeispiel wäre etwa das Robot-Operating-System (ROS), eine Open Source Robotik-Middleware für die Softwareentwicklung von Robotern inklusive Bibliotheken und Tools, Hardware-Abstraktion, Gerätetreiber, Visualizer, Nachrichtenübermittlung und Paketverwaltung. Die Software für ROS wird hauptsächlich auf Ubuntu getestet, meiner Schätzung nach läuft 80 Prozent der gesamten Robotik-Forschung auf Ubuntu. Wir unterstützen die Community massiv, etwa durch Security-Updates für die Entwicklung von Robotern, aber auch für die Produktion.

Spannend! Nun gibt es seit kurzem Ubuntu Pro-Images für Amazon Web Services (AWS). Diese neuen Premium-Images sind über den AWS Marketplace erhältlich und decken Ubuntu 14.04 LTS, 16.04 LTS und 18.04 LTS ab. Was haben die Anwender davon?

Fabel: Diese neuen Premium-Images bieten Unternehmen Kernel Livepatch, FIPS- und CC-EAL2-Zertifizierung, CIS- und DISA STIG-Profile sowie Sicherheitsabdeckung für die wichtigsten Open Source-Anwendungen wie Apache Kafka, NGINX, MongoDB, Redis oder PostgreSQL“, erläutert Fabel. „Hinzu kommen eine erweiterte Wartung und wichtige Compliance-Funktionen. Dafür müssen Anwender ein Image auf Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) nur auswählen und ausführen. Die Images enthalten alle Optimierungen in den standardmäßigen Ubuntu Amazon Machine Images (Amazon AMIs) sowie besagte Sicherheits- und Compliance-Abonnements. Wir haben beispielsweise die 1000 beliebtesten Pakete aus dem Universe Respository – einer Sammlung von Anwendungen der Ubuntu-Community - in die Security-Updates integriert. Die werden automatisch aktiviert.
Ein Vertrag ist dafür nicht erforderlich, die Abrechnung erfolgt über AWS. Kunden können Ubuntu Pro für einen optimierten Beschaffungsprozess direkt über AWS erwerben und darüber schnell auf diese von Canonical angebotenen kommerziellen Funktionen zugreifen. Zusätzlich bieten die Pro-Images zehn Jahre Paket- und Sicherheitsupdates, wir haben den Supportzeitraum also deutlich ausgedehnt. Unternehmen, die auch den von Canonical unterstützten technischen Support in Anspruch nehmen möchten, können über AWS Marketplace ein Abonnement für die Ubuntu Advantage Advanced- oder Standard-Supportpakete hinzufügen und so eine weitere Sicherheitsstufe beim Ausführen von Ubuntu auf AWS einbauen.

Ubuntu steht bereits seit 2006 auf AWS für Anwender bereit. Es wäre interessant zu erfahren, wer der typische Kunde für Ubuntu speziell auf AWS ist.

Es ist immer schwer, DEN typischen Kunden zu benennen, allerdings sind die Hyperscaler schon sehr eifrige Anwender, egal ob auf AWS oder der Google Cloud. Wir sprechen da von Unternehmen, die in der Cloud geboren wurden und dort operieren, etwa ein Netflix oder ein Uber. Adobe, Lyft oder ebay wären weitere Beispiele. Ich schätze, dass 80 Prozent aller AWS-Anwendungen auf Ubuntu laufen, ähnlich wird es bei der Google Cloud aussehen.

Canonical wurde 2004 von Mark Shuttelworth gegründet und bietet kommerziellen Support für kostenpflichtige Ubuntu-Softwarelösungen. Stephan Fabel ist seit Oktober 2017 für Canonical als Head of Product and Silicon Alliances tätig. Er verfügt über 25 Jahre Erfahrung als Produktmanager, technischer Cloud-Architekt, Software- und Produktentwickler.

(ID:46295025)

Über den Autor

Dr. Dietmar Müller

Dr. Dietmar Müller

Journalist