Die DSAG-Technologietage 2023 in Mannheim, zu denen 2.600 Teilnehmende begrüßt wurden, standen unter dem mehrdeutigen Motto „Work in Progress“. Fortschritt ist bei SAP ebenso nötig wie die Erklärung der Strategie, welche SAP-Technikvorstand Jürgen Müller lieferte.
DSAG-Technikvorstand Sebastian Westphal brachte bei seiner Keynote einige Punkte zur Sprache, wo bei vielen DSAG-Mitgliedern der Schuh drückt.
(Bild: DSAG)
Zuletzt war SAP nach Ansicht der Kunden durch die strategische Neuausrichtung auf das Cloud-Geschäft zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Viele Anwenderunternehmen, die in der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) vertreten sind, wünschen sich daher eine Rückkehr zum Prinzip „Customer First“.
„Von den DSAG-Technologietagen erhoffen wir uns Einblicke in die SAP-Strategie, die Produkt-Roadmap, aber auch Best Practices der SAP-Anwender“, sagt Malte Klassen, CEO der Galileo Group AG, die bei Boehringer Ingelheim eine Toolchain-Integration für SAP-Lösungen von ServiceNow, Jira und das Change Request Management (ChaRM) mit SAP Solution Manager realisiert hat. „Wir sind vor allem auf die aktuellen Entwicklungen rund um den SAP Solution Manager und SAP Cloud ALM gespannt und wir freuen uns auf den Austausch mit SAP-Kunden über die Frage, wie sie das SAP Application Lifecycle Management künftig umsetzen wollen.“
Mit einem „Anker-Release“ von S/4Hana will SAP eine funktionale Lücke zwischen S/4Hana (On-Premises und Private-Cloud-Edition) und ERP Central Component (ECC) schließen. Zusätzlich wollen die Walldorfer mit dem kommerziellen Bundle „SAP Grow“ Neukunden in ihre Public Cloud locken und so den „Move“ in Richtung der S/4HANA-Public-Cloud-Lösung forcieren.
Brückenschlag von on-prem zu cloud-basiert
Anwender wie die Galileo Group sehen sich dem Ende der Wartung von wichtigen Lösungen der Walldorfer gegenüber. „Für 2027 ist das Mainstream-Wartungsende des Solution Managers und von SAP Process Integration/SAP Process Orchestration (PI/PO) angekündigt“, berichtet Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand für Lizenzen, Service & Support. „Sie basieren noch auf dem alten Netweaver-Technologiestapel und sollen u.a. durch cloud-basiertes Application Lifecycle Management (ALM) sowie weitere Lösungen aus dem Signavio-Portfolio abgelöst werden, welche am Ende als eine Art Lösungsarchitektur gemeinsam eine Transformationssuite darstellen – quasi wie Microservices.“
Mit dem für Oktober 2023 angekündigten Anker-Release will SAP die Funktionslücke zwischen S/4Hana und SAP ERP (ECC) schließen. Weiterhin werden ab dann die Release-Zyklen angepasst, was bedeutet, dass große technische Updates nur noch alle zwei Jahre erfolgen.
Die zunehmende „Cloudifizierung“ der SAP-Lösungen erfordert zusätzlich eine Reduzierung der Komplexität in den SAP-Lösungen. Dementsprechend fokussiert SAP über die letzten Jahre die sogenannte „Modularisierung“. Dabei werden Lösungen zentral auf der BTP bereitgestellt und per Schnittstelle an S/4Hana On-Premises, Private Cloud oder auch Public Cloud angebunden. Dies hat zur Folge, dass Lösungen, die bisher teils im ERP-Kern enthalten waren, nun separat vermarktet werden.
Alles in Arbeit
Angesichts solch massiver Veränderungen ersehnen sich die Anwender dringend Aspekte der Planbarkeit und Verlässlichkeit in der SAP-Produktstrategie. Gewünscht ist daher auch die konzeptgleiche Anbindung der SAP-Cloud-Services an die mehrstufigen SAP-Landschaften, wie man es von OnPremise-Lösungen kennt, gerade durch die starke Positionierung der Business Technology Platform (BTP). Das erfordert ebenso ein angemessenes Pricing für Test- und Entwicklungssysteme in diesen mehrstufigen Cloud-Landschaften.
„Durch die starken Veränderungen im SAP-Produktportfolio sind Themen wie eine einfache Migration, Integrationsfähigkeit, Datenschutz und IT-Security relevanter denn je“, berichtet Henzler. DSAG-Technikvorstand Sebastian Westphal erläutert: „Aktuell wird das Komplexitätsmanagement nicht hinreichend durch übergreifende Standards, Klarheit und Investitionssicherheit unterstützt – auch und gerade bei Cloud-Produkten. Sie sind wie das Motto der Technologietage 2023 sagt: Work in Progress“.
S/4Hana: Innovationen und -Entwicklungen
Das für Oktober angekündigte „Anker“-Release von SAP S/4Hana soll die Basis für die Technologie der nächsten Generation und Kompatibilität mit Legacy-Software bilden. Damit sei ein wichtiger Abschnitt erreicht, so Westphal: „Die Kunden sind seit der S/4Hana-Markteinführung 2015 gemeinsam einen weiten Weg mit SAP gegangen und haben die kontinuierliche Weiterentwicklung des Kernprodukts über die Jahre mit hohem finanziellem und personellem Engagement begleitet und in ihren Unternehmen realisiert.“ Aber: „Auch heute vermissen die Anwenderunternehmen noch die Bereitstellung bisheriger ECC-Funktionalitäten im aktuellen SAP-Produktportfolio – und erwarten hier zeitnah eine vollständige Funktionsgleichheit.“
Stand: 08.12.2025
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Diese Lücke zwischen On-Premises-ECC und S/4Hana ist ein wunder Punkt. „SAP will hierfür zukünftig verstärkt Feature-Pack-Stacks liefern, sogenannte FSPs“, berichtet Henzler. Es handelt sich dabei nicht um die großen Jahres-Releases. Diese werden nach dem Anker-Release anstatt jährlich alle zwei Jahre erscheinen. „Mit dem Anker-Release soll dann im Oktober die aus Sicht von SAP geplante Gesamtfunktionalität für S/4Hana On-Premises und Private Cloud kommen.“
Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand für Lizenzen, Service & Support erklärt in seiner Keynote unter anderem die Gründe, warum Unternehmen Cloud-Services wählen.
(Bild: DSAG)
Die Strategie sehe vor, nur noch alle zwei Jahre ein solches Release zu bringen. Mit S/4Hana Public hat SAP eine „echte“ native Cloud-Anwendung im Portfolio. Diese unterscheidet sich jedoch funktional von S/4Hana On-Premises und Private Cloud. Nachvollziehbarerweise möchte SAP künftig nicht mit On-Premises (ebenfalls die technologische Grundlage für die Private Cloud) und S/4Hana Public Cloud zwei ERP-Produkte doppelt weiterentwickeln mit neuen innovativen Funktionen. Dies ist ein weiterer Grund, neue Lösungen einzeln zu entwickeln und bereitzustellen. Die Grundlage bilde u.a. die Business Technology Platform. Auf ihr setze etwa auch die neue Lösung SAP Datasphere auf.
„Bei bereits getätigten Investitionen in S/4Hana-Transformationen, die schnell in ein-, zwei- oder gar dreistelligen Millionenbudgets mündeten, darf das Anker-Release 2023 aber vor allem nicht bedeuten, dass Innovationen und Erweiterungen nur noch in der Public Cloud erfolgen“, sagte Sebastian Westphal und ergänzt: „Bei einer Wartungszusage für S/4Hana bis 2040 bedarf es daher noch weiterer Details und verbindlicher Zusagen von SAP, um die bisherigen S/4Hana-Projektinvestitionen zu sichern.“
Vereinigung der Datenräume
Das neue Angebot SAP Datasphere wird von der DSAG ausdrücklich begrüßt, denn es erfüllt die seit Langem bestehende Forderung der DSAG nach der Zusammenführung von SAP- und Non-SAP-Daten.
Sebastian Westphal hierzu: „Diese Evolution der SAP Data Warehouse Cloud ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung – wenn es gelingt, die komplexe Integration von Daten aus SAP-Systemen und Drittsystemen der immer hybrideren Architekturmodelle zu vereinfachen.“ Westphal weiter: „Sofern den Anwenderunternehmen zeitnah auch ein passendes kommerzielles Angebot für klassische Planungsszenarien (wie etwa Gelegenheitsnutzer) in der SAP Analytics Cloud angeboten wird, wäre (mit Datasphere) sowohl inhaltlich als auch kommerziell ein großer Wurf gelungen.“
Die Business Technology Platform (BTP)
Die BTP wird von den Anwendern als zentrales Element der Integrationsarchitektur hybrider Szenarien angesehen. DSAG und SAP sind sich einig, dass die Business Technology Platform das zentrale Fundament der SAP-Strategie bildet. Eine kürzlich durchgeführte DSAG-Investitionsumfrage 2023 habe laut Westphal deutlich gezeigt, dass die BTP in den Projektbudgets der Anwenderunternehmen ihren Platz gefunden hat.
„Ein klarer Fokus lag dabei auf dem Bereich Data und Analytics, also auf Produkten, die bereits seit Jahren Bestandteile des Portfolios sind“, so Westphal. „Augenfällig ist zudem der Anteil an Befragten, die die BTP zwar lizenziert haben, aber noch nicht aktiv nutzen. Das heißt, die Entwicklung der BTP muss noch deutlicher für ihren Einsatz als zentraler Baustein hybrider Architekturen positioniert werden.“
Die BTP spielt inklusive zentraler Administration der Umgebungen für alle Business-Services und die Integration-Suite also die Hauptrolle, doch sie hat Lücken. „Ein damit einhergehendes Test- und Transportwesen ist in vielen Cloud-Plattformen aber noch nicht einheitlich berücksichtigt und bremst die Adaption der neuen Produkte und Services entsprechend aus“, vermerkt Westphal. Die Komplexität der BTP wurde „für die S/4Hana Public Cloud als Grundvoraussetzung für den Einsatz in hybriden Landschaften Ende letzten Jahres bereits korrigiert und sollte für die Business-Services auf der BTP ebenso selbstverständlich sein wie über alle Lines-of-Business hinweg gelten, um die Adaptionsraten weiter zu erhöhen.“
Nach Ansicht von Thomas Henzler erreicht die SAP-Architektur mittlerweile hinsichtlich ihrer Komplexität einen „Kipppunkt“. Die Integration einer modularen Architektur z. B. mit Azure Service und Low-Code-Apps verlangt nach einem leistungsfähigen Integrations- und Orchestrationswerkzeug.
„Wir hoffen, dass SAP zielgerichtet den Weg weiterverfolgt und im Rahmen dieser Entwicklung einfache Produkte mit attraktiven Lizenzmodellen kombiniert“, so Westphal. Laut Henzler bietet SAP Cloud-Lizenzen auf der BTP zumeist in einem Abo-Modell im Rahmen einer Subscription an oder aber auch in einem Pay-as-you-go-Modell. „Bei dem Pay-as-you-go-Modell“, so Henzler weiter, „schließen Kunden mit SAP ein sogenanntes Cloud Plattform Enterprise Agreement (CPEA) und bekommen für ihre Einzahlungen entsprechende Credits im Vertrag.“ Die Lizenzmetriken unterscheiden sich jedoch je nach gebuchtem Service. Von User über Umsatz bis dokumentenbasiert ist alles dabei.
Alles Ariba oder was?
Vor dem Hintergrund des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) kam es zu Unstimmigkeiten zwischen SAPs Ansatz und den Erwartungen der Anwender. SAP schlägt vor, Ariba Risk Management einzusetzen. „Bei Ariba Risk Management handelt es sich um eine bestehende Lösung von SAP, die es bereits vor dem LkSG gab“, berichtet Henzler.
Ariba Risk Management ist dabei nur ein Teil des gesamten Ariba-Angebots. Im Rahmen der SAP-Strategie und im Kontext von „Business Networks“, um u.a. resiliente Lieferketten aufzubauen und zu betreiben, stellt Ariba ein strategisches Produkt aus dem SAP-Cloud-Portfolio dar. „Aus Sicht von SAP ein nachvollziehbarer Schritt Ariba Risk Management um die notwendigen Funktionen zu erweitern und so das Portfolio weiter zu fokussieren.
Allerdings wird dies aus Sicht der DSAG zu einseitig beleuchtet bzw, vermarktet. Der Hersteller Qualtrics, der bis dato Teil von SAP ist, hat ebenfalls eine einfache Lösung auf Basis der notwendigen Fragebögen entwickelt. Dies ist gerade für kleinere Kunden, die keine große Ariba-Einführung stemmen können oder möchten, ein alternativer Einstieg in das Thema.“ Allerdings ist diese Lösung für Kunden nun durch den Verkauf von Qualtrics auch mit einem Fragezeichen zu versehen.
Furchterregende Fristen
Das Mainstream-Wartungsende für den SAP Solution Manager und die SAP Process Orchestration (PI/PO) kommt 2027, wie oben erwähnt. Hier fordert die DSAG „schnellstmöglich“ eine klare Perspektive und entsprechende Migrationsszenarien. „Für die Ablösung des Solution Managers als dem zentralen Element heutiger SAP-Architekturen bedarf es eines Cloud-Application-Lifecycle-Management-Produkts (ALM) mit identischem Leistungsumfang bzw. müssen die zusätzlichen Services wie z.B. Signavio dies abbilden. Zusätzlich bedarf es einer verlässlichen Roadmap sowie entsprechenden Migrationspfaden“, fordert Technikvorstand Westphal.
Gleiches gelte für die Migration von der Process Orchestration auf die SAP Integration Suite. „Hier lässt sich der kürzlich erfolgte Launch der Migration-Assessment-App und des Migration-Tools bereits positiv hervorheben“, so Westphal. Zusammenfassend lasse sich sagen: „Was unweigerlich in Richtung Cloud geht, muss maximal gleichwertig zu den bestehenden Lösungen sein, und zwar am besten schon bis Ende 2023. Dann bleiben den Kunden noch vier Jahre, um vom Investitionsantrag bis zur Migration ihre Systeme erfolgreich umzustellen.“
Überflüssige Lizenzen sind teuer
Aus DSAG-Sicht führen laut Westphal fehlende Konzepte bzw. Lösungen für Entwicklungs- und Testsysteme auf der BTP zu erheblichen Kosten, da – um eine Mehrstufigkeit nach derzeitigem Stand zu erreichen – ein Service teils mehrfach lizenziert werden muss. Dabei gibt es keine offizielle Unterscheidung, ob ein Service produktiv oder nur zu Testzwecken genutzt wird. „Die Kosten- und Lizenzierungssituation muss SAP angehen“, sagt Thomas Henzler.
Die zunehmende Modularisierung von Lösungen, die im ERP enthalten waren und nun vermehrt beispielsweise über die BTP vermarktet werden, lasse zudem die Komplexität bei Lizenzierung und Verwaltung steigen. Henzler moniert: „Im Endeffekt müssen Anwenderunternehmen mit vielen unterschiedlichen SAP-Lines-of-Business sprechen und verhandeln, um eine vollumfängliche ERP-Lösung wie in ECC-Zeiten zu erhalten.“ Hinzu kämen viele unterschiedliche Lizenzmetriken. „Das führt dazu, dass die Kosten für SAP-Architekturen stark steigen werden. Aus DSAG-Sicht braucht es daher ganzheitliche Pricing-Strategien in der Cloud mit zugehörigen, auch nach unten skalierbaren Lizenzmodellen, etwa für Gelegenheitsnutzer in der SAP Analytics Cloud.“
„Rise“ oder „Grow“, das ist die Frage
Mit dem SAP-Programm „Rise with SAP“ stellten die Walldorfer nach der Akquisition von Signavio ein neues Angebot vor, das sich an Bestandskunden richtete. Die Verwirrung ist nun perfekt, weil SAP pünktlich zu den DSAG-Technologietagen ein weiteres kommerzielles Bundle aus dem Hut zauberte: SAP Grow. Es eignet sich ausschließlich für Public-Cloud-Lösungen.
Das Congress Center Rosengarten in Mannheim war für die DSAG-Technologietage bis auf den letzten Platz besetzt.
(Bild: DSAG)
„Im Kern beider Angebote steht das ERP-System S/4Hana“, erläutert Thomas Henzler und vergleicht Rise und Grow miteinander. „Mit ‚Rise with SAP‘ wurde im Jahr 2021 ein kommerzielles Paket geschaffen, das sich sehr stark auf den Wechsel in die S/4Hana-Cloud für Bestandskunden fokussierte. Im Kern stehen dabei die Private-Cloud- sowie die Public-Cloud-Lösungen von S/4Hana. Ergänzt werden diese im Bundle durch Lösungen von Signavio, um die Transformation von vorherigen SAP-ERP-Versionen in die neue S/4Hana-Welt zu unterstützen. Sehr häufig haben sich Unternehmen in diesem Kontext für die Private-Cloud-Edition von S/4Hana entschieden.“
Mit Grow habe SAP nun ein Angebot geschaffen, das sich primär an Neukunden aus dem Mittelstand richtet. „Dazu zählen auch Unternehmen, die beispielsweise eine ERP-Einführung für eine Tochtergesellschaft planen und somit eine sogenannte Zwei-Tier-Landschaft abbilden möchten. Gerade hier scheint SAP die Möglichkeit zu sehen, Public-Cloud-Lösungen zu platzieren. Den Kern von Grow bildet S/4Hana Public Cloud. Ergänzt wird diese – ähnlich wie bei ‚Rise with SAP‘ – um Cloud-Services.“
Während bei „Rise with SAP“ allerdings der Fokus der zusätzlichen Services eher auf Lösungen rund um Migration und Transformation bestehender SAP-Systeme liege, würden bei „Grow“ vorwiegend Unternehmen adressiert, die sich für einen Greenfield-Approach entschieden haben. So würden hierbei anstatt der Signavio-Lösungen wie „Process Insights“ in „Grow“ nun Produkte als Ergänzung angeboten, wie SAP Build Process Automation, das für Workflow-Management oder für Robotic Process Automation (RPA) eingesetzt wird.
Das Lizenzmodell soll auf Full-User-Equivalents (FUE) basieren. Die FUE entsprechen der tatsächlichen Anzahl von Personen, die berechtigt sind, auf bestimmte Lösungen in der S/4Hana-Cloud zuzugreifen. Das ist aus Anwendersicht in Ordnung. Es wird zwei unterschiedliche Editionen geben: Premium und Basic. Je nach Paket sind verschiedene Bestandteile enthalten. Hier müssen Kunden entsprechend ihren Bedarfen entscheiden, welche Edition für sie am besten passt.
Cloud ja, aber nicht nur!
Henzler abschließend: „Grundsätzlich sind mit Grow alle Unternehmen angesprochen, die eine Public-Cloud-Lösung in Betracht ziehen. Interessiert ist SAP allerdings insbesondere an Neukunden. Unternehmen sollten jedoch sehr genau prüfen, ob die Public-Cloud-Lösung die prozessualen Anforderungen erfüllen kann. Denn pauschal lässt sich nicht über die Unternehmensgröße aussagen, wie komplex die bestehenden Prozesse tatsächlich sind. In der Vergangenheit setzten insbesondere deswegen Kunden auf On-Premises- oder Private-Cloud-Editionen, weil hier mehr Transparenz und Klarheit herrscht und sich diese Systeme über Jahre erfolgreich bewährt haben.“ Er wiederholt die Haltung der DSAG: „Cloud ja, Cloud-only nein.“