DSAG-Jahreskongress 2017 zur digitalen Transformation

SAP-Anwender wünschen sich mehr Transparenz

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Hinsichtlich Reifegrad und Leistungsumfang der Produkte erwarten die SAP-Anwender mehr Aufklärung.
Hinsichtlich Reifegrad und Leistungsumfang der Produkte erwarten die SAP-Anwender mehr Aufklärung. (Bild: © jun.SU. - stock.adobe.com)

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) stellte auf ihrem 18. Jahreskongress Ende September im Messe und Congress Centrum Bremen die aktuelle Situation bei der digitalen Transformation in den Mittelpunkt.

Gerade im Hinblick auf Lizenzfragestellungen, Sicherheitskonzepte und Produkttransparenz gäbe es noch wichtige Aufgaben für SAP zu lösen, wie eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedern der DSAG besagt. Unternehmen befinden sich, wie es das Motto des 18. Jahreskongresses beschreibt: Zwischen den Welten. Um nötige Digitalisierungsvorhaben adäquat umzusetzen, brauchen Unternehmen einen stabilen ERP-Kern, der die wesentlichen Geschäftsprozesse abbildet, sich aber schnell und einfach updaten lässt, lautete daher die Forderung der Anwender.

„Da sind wir heute noch nicht“, konstatierte Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG), in seiner Keynote. Zusätzlich muss der Kern mit flexibel konfigurierbaren Lösungen ergänzt werden. Nur so lassen sich End-to-End-Prozesse als elementarer Bestandteil digitaler Geschäftsmodelle über Unternehmensgrenzen hinweg realisieren. „Die Lösung besteht nicht etwa, wie vielfach behauptet, in einer IT-Infrastruktur der zwei Geschwindigkeiten. Wir werden hybride Systeme einsetzen, um die Herausforderung der digitalen Transformation zu bewältigen“, erklärte Lenck. „Hybride Szenarien erfordern jedoch vollumfängliche und präventive Sicherheitskonzepte. Hier muss SAP liefern.“

Unterschiedliche Wahrnehmung

Im Vorfeld des Jahreskongresses befragte die DSAG ihre Mitglieder: Wie begegnen SAP-Anwenderunternehmen aktuell dieser Situation und wo steht SAP? Demnach messen 70 Prozent der Befragten S/4HANA eine hohe bis sehr hohe Relevanz für die digitale Transformation zu. Aber auch die Business Suite ist für über die Hälfte eine Zukunftsperspektive für Digitalvorhaben. DSAG-Mitglieder setzen demnach auf beide Lösungen, fordern aber: „Für uns Anwender ist es wesentlich, dass SAP hinsichtlich des Reifegrads und der Leistungsumfänge der neuen Produkte mehr Transparenz schafft und auch die Weiterentwicklung der Business Suite stärker vorantreibt“, lautet der Aufruf der DSAG an SAP.

Dagegen scheint die SAP Cloud-Plattform für viele DSAG-Mitglieder noch eine Unbekannte zu sein. Mehr als die Hälfte billigt ihr kaum bis keine Relevanz zu, obwohl genau sie für die flexiblen digitalen Geschäftsprozesse entwickelt wurde. Und auch die anderen Cloud-Lösungen werden von den mehr als 3.300 DSAG-Mitgliedsunternehmen für die digitale Transformation kaum in Betracht gezogen. Die DSAG will deshalb kritisch hinterfragen, wie weit Plattformen wie zum Beispiel Ariba, SuccessFactors und Concur, wirklich in bestehenden IT-Umgebungen integrierbar sind und wo deren konkreter Nutzen für SAP-Anwender liegt. Außerdem geht sie davon aus, dass die Weiterentwicklung von Zusatzprodukten um den digitalen Kern herum vornehmlich in der Cloud erfolgt. Die Kunden hätten aber bereits Lizenzen für ihre Geschäftsprozessanwendungen erworben. Von daher müsse darauf geachtet werden, dass es so nicht zu Doppellizenzierungen kommt. Dafür will sich die DSAG weiterhin einsetzen.

Die großen Unbekannten

Noch deutlicher fällt das Urteil über SAP Leonardo aus. 82 Prozent messen der neuen Marke im Bereich IoT und Künstliche Intelligenz kaum bis keine Bedeutung in ihrer Digitalen Strategie bei, was allerdings an der erst kürzlich erfolgten Markteinführung liegen kann. Dazu erklärte Lenck: „Eine Voraussetzung für den Erfolg sind Aufklärungsarbeit und verständliche Informationen seitens der SAP insbesondere, dass die Digitalisierungs-Strategie der SAP für Unternehmensentscheidungen sichtbar ist.“ Denn SAP wird durchaus als wichtiger, wenn auch nicht als einziger Partner bei der Digitalisierung gesehen: 79 Prozent schreiben SAP eine wichtige Rolle zu (2016: 74 Prozent).

DSAG-Infografik: Wie sich die Digitale Transformation aus Sicht der SAP-Anwender darstellt.
DSAG-Infografik: Wie sich die Digitale Transformation aus Sicht der SAP-Anwender darstellt. (Bild: DSAG e.V.)

Deshalb liegen die wichtigsten Herausforderungen, die SAP im Bereich Internet of Things noch meistern müsse, bei den Themen Sicherheit und Lizenzen sowie indirekter Nutzung. Die DSAG-Mitglieder fordern daher für IoT-Projekte eine durchgängige Security-Architektur bzw. entsprechende Governance-Modelle. Außerdem müssten einheitliche Standards geschaffen und eingehalten werden, um heterogene Landschaften zu betreiben. Der Übergang von alten auf neue Verträge sollte bestehende Ansprüche bewahren und durch ein einheitliches Preis- und Lizenzmodell unterstützt werden. Außerdem werde ein nachhaltiges und klares Pricing-Model benötigt, das sich am Geschäft orientiert und die Risiken überschaubar hält, auch in einer IoT-Umgebung. Ohne die Klärung dieser und weiterer Punkte würden sich Digitalisierungsvorhaben nicht adäquat umsetzen lassen, lautete die Botschaft des DSAG-Vorstandsvorsitzenden.

Fundamentale Auswirkungen durch digitale Transformation

Klare Vorstellungen haben DSAG-Mitglieder über die nähere Zukunft: 86 Prozent erwarten bedingt durch die digitale Transformation fundamentale Auswirkungen auf Unternehmen. Auf IT-Abteilungen kommen nach Meinung von 91 Prozent der Befragten die gewichtigsten Veränderungsprozesse zu. Der IT wird damit im Rahmen der Digitalisierung eine Vorreiterrolle attestiert.

Gemäß einer Selbsteinschätzung stehen Unternehmen aber noch immer am Anfang der digitalen Transformation. Aus dieser Situation heraus ergebe sich für SAP folgender Auftrag, den Lenck folgendermaßen formuliert: „SAP ist technisch auf dem Weg. Das reicht uns allerdings nicht. Von SAP brauchen wir Lösungen, die funktionieren mit einfachen Updates und Sicherheitskonzepten, verlässliche Informationen, damit Unternehmen ihre Digitalisierungsstrategie definieren können. Und last, but not least transparente Kosten mit atmenden Lizenzmodellen, die nachhaltige Business Cases ermöglichen“. An diesen Themen wollen SAP und die DSAG gemeinsam in den nächsten Monaten arbeiten.

In Kürze folgt ein ausführlicher Nachbericht vom DSAG-Jahreskongress, in dem die dort behandelten Themen eingehend analysiert werden.

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