Dreamforce 2025: Slack wird zum Betriebssystem der KI-Agenten Salesforce läutet mit Agentforce 360 das Zeitalter des „Agentic Enterprise“ ein

Von Michael Matzer 6 min Lesedauer

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Auf der diesjährigen Dreamforce hat Salesforce Agentforce 360 vorgestellt, eine umfassende Plattform, in der die Anwendung „Slack“ quasi zum Betriebssystem wird. Die Sprachverarbeitung wird in sämtlichen Salesforce-Apps umgesetzt. Das Security- und das Privacy Center erfahren durch die Unterfütterung mit Agentforce zahlreiche Erweiterungen.

Salesforce kündigt auf der Dreamforce 2025 die KI-Plattform Agentforce 360 an und macht Slack zum Betriebssystem für das „Agentic Enterprise“.(Bild:  © 2025 by Jakub Mosur Photography)
Salesforce kündigt auf der Dreamforce 2025 die KI-Plattform Agentforce 360 an und macht Slack zum Betriebssystem für das „Agentic Enterprise“.
(Bild: © 2025 by Jakub Mosur Photography)

Vier Säulen für das „Agentic Enterprise“

Agentforce 360 vereint vier wesentlichen Elemente: Die Agentforce 360 Platform als Grundlage, Data 360 für eine umfassende Datennutzung, Customer 360 Apps für Vertrieb, Kundenservice, Marketing und mehr sowie Slack als dialogorientierte Oberfläche zur Zusammenarbeit von Menschen und KI-Agenten. So entstehe das „Agentic Enterprise“, ein neues Arbeitsmodell, in dem künstliche Intelligenz (KI) Menschen dabei unterstütze, mehr Produktivität, Kundennähe und Wachstum für jedes Unternehmen zu realisieren, sagte Parker Harris, der Chief Technology Officer. „Slack ist jetzt das Betriebssystem unserer Kunden.“

„Wir treten in das Zeitalter des Agentic Enterprise ein, in dem KI menschliches Potenzial wie nie zuvor erweitert“, sagt Marc Benioff, Gründer und CEO von Salesforce. „Agentforce 360 verbindet Menschen, KI-Agenten und Daten auf einer vertrauenswürdigen Plattform und hilft der Belegschaft in jedem Unternehmen, mehr zu erreichen, als sie je für möglich gehalten hätten.“

Mit Agentforce 360 vollziehe Salesforce nun die Transformation weit über CRM hinaus: Mit einer Plattform, die allen Mitarbeitern KI als Partner zur Seite stellt, um schnellere und bessere Ergebnisse zu erzielen. In den letzten zwölf Monaten hätten sich rund 12.000 Unternehmen für Agentforce entschieden. Selbstverständlich nutze Salesforce seine KI-Plattform selbst in Vertrieb, IT und Kundenservice.

Bestandteile von Agentforce 360

„Agentforce 360 Platform“ bildet das Fundament für die Einführung von KI-Agenten in Unternehmen aller Größen und bringt neben neuen Dashboards für die kontinuierliche Optimierung eine Reihe weiterer Neuerungen mit. Dazu gehören der aktualisierte „Agentforce Builder“ zur Erstellung, Erprobung und Implementierung von KI-Agenten mittels natürlicher Sprache sowie der Sprach-Layer „Agentforce Voice“ zur Umwandlung von Sprachdialogsystemen in eine natürlichsprachliche Echzeit-Konversationslösung – mit Transkripten mit niedriger Latenz und realistischer Sprachsynthese.

Das hybride Reasoning (Schlussfolgern) und die Skriptsprache „Agent Script“ verbinden deterministische Workflows mit flexiblem LLM-Reasoning für mehr Präzision und Anpassungsfähigkeit auf Basis der Atlas Reasoning Engine. Dazu kommt „Agentforce Vibes“ für das Vibe-Coding, wie Salesforce das Programmieren auf KI-Basis nennt. Um die Governance von Agenten zu realisieren, stelle Salesforce Mulesoft Fabric bereit.

Agentforce Voice: Natürlichsprachliche Interaktionen in Echtzeit

Salesforce setzt ganz auf Sprachsteuerung. Agentforce Voice ermögliche menschlich klingende Konversationen, deren Klangfarbe von der jeweiligen Marke und „Persönlichkeit“ eines Unternehmens geprägt seien. Mitarbeiter sollen sich damit zudem mit jedem Bereich ihres Unternehmens verbinden können. Jede telefonische Anfrage werde in eine Echtzeit-Interaktion mit jeder Salesforce-Anwendung umgewandelt, und sei die Tonqualität auch noch so grenzwertig, die Anfrage noch so kompliziert. Der Vorteil seien bessere Kundenbeziehungen und ein messbarer ROI.

Data 360: Kontext für intelligente Entscheidungen

Die vertrauenswürdige, harmonisierte Datenschicht „Data 360“ soll KI-Agenten den nötigen Kontext liefern. Die neue Funktion „Intelligent Context“ KI-Agenten den Zugriff auf unstrukturierte Inhalte wie PDFs oder Diagramme verschaffen, um Aufgaben wie etwa Troubleshooting oder Analysen zu unterstützen. Von der ähnlichen Technik RAG, also Retrieval Augmented Generation, sowie von einer Vektordatenbank erwähnt Salesforce jedoch nichts. Die Funktionen, die „Intelligent Context“, erfüllt, sind jedoch die gleichen. Salesforce bietet dazu ein aufschlussreiches Video.

„Tableau Semantics“ wandle Daten in eindeutige Aussagen um und stelle mit dem Customer 360 Semantic Data Model (SDM) Kennzahlen konsistent über alle Salesforce Anwendungen hinweg bereit. Gemeinsam mit den Partnern Databricks, dbt Labs und Snowflake ermögliche Salesforce mittels OSI eine plattformübergreifende standardisierte Semantik.

Customer 360 Apps: Autonome Agenten für Vertrieb, Marketing und Service

KI-Agenten nutzen die Geschäftslogiken und das kumulierte Wissen im Unternehmen, um sämtliche Abteilungen mit Automatisierungen und autonomen KI-Agenten direkt in ihren Arbeitsabläufen zu entlasten. „Agentforce Sales“ optimiert den gesamten Vertriebsprozess mit Next-Best-Actions, „Agentforce Marketing“ ermöglicht die autonome Durchführung von Kampagnenbestandteilen, „Agentforce Service“ erlaubt proaktiven 24/7-Kundenservice, „Agentforce Field Service“ automatisiert die Disposition und unterstützt den Außendienst mit Live-Karten via Esri sowie „Voice to Form“ für die Datenerfassung in natürlicher Sprache.

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Agentforce 360 helfe, mehr zu erreichen, als je für möglich gehalten wurde, sagte Salesforce-CEO Marc Benioff.(Bild:  © 2025 by Jakub Mosur Photography)
Agentforce 360 helfe, mehr zu erreichen, als je für möglich gehalten wurde, sagte Salesforce-CEO Marc Benioff.
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„Agentforce Revenue Management“ stelle KI-Agenten für Angebote, Rechnungsstellung sowie Verbrauchsmanagement bereit, und „Agentforce Commerce“ helfe durch „intelligente“ Einkaufserlebnisse, die Lead-Konvertierung und Warenkorbgröße zu steigern. „Agentforce 360 for Industries“ liefere neue intelligente Funktionen in den branchenspezifischen Clouds wie „Agentforce Life Sciences“, „Agentforce Public Sector“ und „Agentforce Manufacturing“.

Die kürzlich vorgestellte ITSM-(IT Service Management)-Lösung Agentforce IT Service macht die herkömmlichen Portal- und Ticketsysteme überflüssig und soll IT-Abteilungen durch die automatische, selbstständige Bearbeitung von IT-Service-Aufgaben entlasten, bei deutlich geringerem Zeit- und Kostenaufwand.

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Slack als Cockpit für KI und Kollaboration

Slack verbinde Menschen, KI-Agenten, Apps und Daten in Echtzeit – und diene so als Cockpit für das Agentic Enterprise. Die Slack-First Apps „Agentforce Sales“, „IT Service“, „HR Service“ und „Tableau Next“ seien direkt in Slack nutzbar, ohne Appwechsel. Mit dem „Channel Expert Agent“ lasse sich Unternehmenswissen in Echtzeit finden, „Enterprise Search“ liefere Antworten aus Quellen wie Google Drive, GitHub oder Jira in natürlicher Sprache. Der Slackbot werde zum persönlichen Schreibassistenten, erstellt Zusammenfassungen und Notizen.

Über das Model Context Protocol MCP seien Drittanbieter-Sprachmodelle und KI-Apps, u.a. von SAP, Anthropic, Dropbox oder OpenAI, via API direkt in Slack nutzbar. Wie Parker Harris im Gespräch sagte, sei die Slack-Lizenz in der Agentforce Enterprise Edition enthalten. Für die Skalierbarkeit und Rechenleistung sorgten Partner wie AWS. „Wir wollen die Erstellung und Nutzung von Agenten so einfach und sicher wie möglich machen“, sagte er. „Und Slack ist dafür die Benutzerschnittstelle.“

Salesforce-Kunden können Harris zufolge Anthropic Claude Sprachmodelle via Amazon Bedrock, Google Gemini und OpenAI nun direkt in Salesforce nutzen. Mit dem direkt integrierten AgentExchange soll Slack zum Marktplatz für KI-Agenten werden. Direkt aus der Slack-Benutzeroberfläche sei der Zugriff auf hunderte KI-Agenten, Aktionen und MCP-Server von Partnern wie Anthropic (Claude), Cursor, Google Cloud, OpenAI (ChatGPT, Codex), Perplexity, Vercel oder WRITER möglich.

Sicherheit und Datenschutz im Fokus

Salesforce erweitert seine KI-Plattform Agentforce für den Einsatz im Bereich Security und Privacy. Damit will Salesforce zwei große Herausforderungen von Unternehmen adressiert: Die Hälfte der Sicherheitsverantwortlichen verbringt mehr Zeit mit Konfiguration und Troubleshooting von Tools als mit der aktiven Abwehr von Bedrohungen. Zudem sagen 90 Prozent der Compliance-Verantwortlichen, dass ihre Aufgaben in den vergangenen drei Jahren zugenommen haben. Durch diese Überlastung laufen Organisationen Gefahr, verwundbar zu sein.

Das soll sich jetzt ändern: Agentforce bringt neue Sicherheitsfunktionen ins Salesforce Security Center und im Privacy Center.

Agentforce im Security Center

Security Center Kunden können Agentforce anhand eines vorkonfigurierten Templates schnell aktivieren, um Bedrohungen proaktiv zu erkennen, zu priorisieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Der KI-Agent ist auch über Slack erreichbar, damit Nutzer darüber Sicherheitswarnungen empfangen und direkt handeln können. Zu den wichtigsten Funktionen gehören Sicherheitsanalysen, so etwa Zusammenfassungen von Nutzeraktivitäten aus Event-Logs – inklusive Anmeldezeit, aufgerufene Daten und die Information darüber, ob unautorisierte oder ungewöhnliche Aktionen versucht oder durchgeführt wurden.

Bei einem Vorfall führt Agentforce Schritt für Schritt durch die wichtigsten Maßnahmen, um Probleme schnell zu beheben, Lücken zu schließen und zukünftigen Bedrohungen vorzubeugen. Agentforce kann auch selbst Maßnahmen ergreifen, etwa einen Anwender mit ungewöhnlichem Verhalten blockieren. Auf natürliche Spracheingaben wie „Gibt es Probleme, von denen ich wissen sollte?“ reagiert Agentforce mit proaktiven Hinweisen, stellt Zusammenhänge zwischen Anomalien her und priorisiert automatisch Vorfälle, die von einem Menschen geprüft werden sollten.

Durch Partnerschaften mit CrowdStrike und Okta bietet Salesforce erweiterte Sicherheitsfunktionen, die externe Erkenntnisse im Security Center sichtbar machen. Zudem werden weitere plattformübergreifende KI-Integrationen über AgentExchange verfügbar sein.

Agentforce im Privacy Center

Die neuen KI-Agenten im Privacy Center nutzen vorkonfigurierte Compliance-Frameworks für komplexe Gesetze wie die DSGVO. Nutzer können damit die jeweiligen Aufbewahrungsregeln überprüfen und einstellen. Agentforce scannt autonom Salesforce Metadaten, Datenschutzrichtlinien und Systemkontext anhand gängiger Regelwerke wie etwa die DSGVO, um die Exposition sensibler Daten und Compliance-Risiken proaktiv zu identifizieren.

Die Plattform priorisiert Datenschutzrisiken nach Relevanz und Schweregrad, unter Berücksichtigung regulatorischer und geschäftsbezogener Kriterien, beispielsweise wo sensible personenbezogene Daten (PII) im Kundendatenkontext liegen. Empfehlungen werden dadurch präziser und einfacher umsetzbar. Agentforce weist autonom auf wichtige Compliance-Risiken hin, wie beispielsweise die Re-Klassifizierung sensibler Daten oder die Umsetzung von wichtigen Bestimmungen wie das Recht auf Vergessenwerden. Der KI-Agent wird zudem benutzerdefinierte Datenmanagement-Richtlinien für weitreichendere Regularien unterstützen.

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Verfügbarkeit

Agentforce ist im Security Center und im Privacy Center ab sofort verfügbar. Die autonome Bedrohungserkennung und -priorisierung, Agentforce Sicherheitsfunktionen in Slack sowie die Unterstützung benutzerdefinierter Datenmanagement-Richtlinien sollen ab Frühjahr 2026 verfügbar sein. Die Crowdstrike-Integration mit Agentforce im Security Center werde noch in diesem Jahr über AgentExchange und den Slack Marketplace verfügbar sein. Agentforce 360 ist ab sofort weltweit verfügbar. Weitere Innovationen folgen als Piloten und Beta-Versionen in den kommenden Monaten.

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