Cloud für Wissenschaft und Forschung OCRE-Framework – schneller und einfacher Bezug von Cloud-Services

Von Florian Schultz* 5 min Lesedauer

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Forschung ist heute datengetrieben. Doch nötige Cloud-Ressourcen sind im öffentlichen Sektor oft schwer zugänglich: Langwierige Ausschreibungen, hohe Kosten und Datenschutzhürden bremsen Innovationen. Das OCRE-Framework setzt genau hier an.

Effiziente Cloud-Lösungen für Europas Forschungseinrichtungen: Das OCRE-Framework soll den Zugang zu modernen Technologien vereinfachen und Kosten durch zentrale Ausschreibung und regionale Partner reduzieren.(Bild: ©  HiroSund - stock.adobe.com)
Effiziente Cloud-Lösungen für Europas Forschungseinrichtungen: Das OCRE-Framework soll den Zugang zu modernen Technologien vereinfachen und Kosten durch zentrale Ausschreibung und regionale Partner reduzieren.
(Bild: © HiroSund - stock.adobe.com)

Ob KI-gestützte Analysen in der Medizin, molekulare Simulationen in der Chemie oder groß angelegte Textauswertungen in den Geisteswissenschaften – moderne Wissenschaft ist ohne skalierbare Rechenressourcen kaum noch denkbar. Um diesen Zugang zu vereinfachen, hat Géant – das europaweite Netzwerk der nationalen Forschungs- und Bildungsnetze – das OCRE-Framework (Open Cloud Research Environment) geschaffen. Es ermöglicht Hochschulen, Universitäten und anderen Einrichtungen, Cloud-Services führender Anbieter wie AWS, Microsoft oder Google rechtskonform und vergünstigt zu nutzen – ohne eigene Ausschreibung.

Der Bezug von Cloud-Ressourcen ist in der EU mit einigen Hürden verbunden. So müssen strenge rechtliche Anforderungen erfüllt werden, der Datenschutz ist zu beachten und die Ausschreibungsprozesse konnten in der Vergangenheit sehr komplex sein. Nicht zuletzt kämpfen Forschungseinrichtungen oft mit hohen Kosten für die Datenübertragung etwa Ingress-Gebühren für den Datentransfer in die Cloud und Egress-Gebühren für den umgekehrten Fall.

Wichtiges zu OCRE

Was OCRE so relevant macht: Es vereinfacht und standardisiert die Cloud-Beschaffung über nationale Forschungsnetzwerke wie das DFN (Deutschland), Switch (Schweiz) und ACOnet (Österreich). Damit entfällt für teilnehmende Einrichtungen die Notwendigkeit eines eigenen Ausschreibungsverfahrens. Gleichzeitig profitieren sie von Preisnachlässen bei Hyperscalern wie AWS, Microsoft Azure und Google Cloud – sowie dem Entfall von Kosten für Datenübertragung (Ingress/Egress). Neben wirtschaftlichen Vorteilen ist vor allem die technologische Wirkung beachtlich: Forschungsvorhaben mit hohem Daten- oder KI-Bedarf lassen sich durch OCRE schneller realisieren – bei gleichzeitigem Fokus auf Datenschutz und digitaler Souveränität.

Einfacher Zugang, höchste Compliance, garantierte Expertise – OCRE entwickelt sich zur strategischen Plattform für alle öffentlichen Institutionen, die Cloud-Ressourcen zielgerichtet einsetzen wollen. Besonders in einem Umfeld, in dem KI und datengetriebene Forschung zunehmend an Bedeutung gewinnen, schafft der Rahmenvertrag die nötige technische und rechtliche Basis für Fortschritt und Innovation. Auf diese Weise fördert OCRE die globale Forschung, hilft bei der Digitalisierung der Bildung und vereinfacht den institutionellen Zugang zu Ressourcen.

So profitieren Forscher von OCRE

Ein bedeutender Vorteil liegt in der finanziellen Entlastung. Durch die im Rahmen von OCRE vereinbarten Konditionen erhalten Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen deutliche Preisnachlässe auf Cloud-Dienste – teilweise bis zu 16 Prozent. Zusätzlich entfallen viele der sonst üblichen Kosten, etwa für den Datenverkehr, was die Nutzung nochmals attraktiver gestaltet.

Auch der Beschaffungsprozess wird deutlich vereinfacht. Statt aufwendiger, individueller Ausschreibungen profitieren Forschungseinrichtungen von zentral verwalteten Rahmenverträgen. Das spart Zeit, reduziert Bürokratie und beschleunigt den Zugang zu dringend benötigten Ressourcen erheblich.

Darüber hinaus legt OCRE großen Wert auf Sicherheit und Datenschutz. Die beteiligten Cloud-Anbieter erfüllen strenge europäische Anforderungen und unterstützen die digitale Souveränität ihrer Nutzer. Zugleich genießen Forscher einen vereinfachten Zugang zu führenden Cloud-Technologien. Dadurch lassen sich beispielsweise KI-gestützte Analysen in großem Umfang durchführen – ein entscheidender Vorteil für viele moderne Forschungsprojekte.

Und: Nicht nur Universitäten, sondern auch Krankenhäuser, Behörden und gemeinnützige Organisationen können auf das OCRE-Framework zugreifen. Damit schafft OCRE eine breite, zugängliche Infrastruktur für zukunftsorientierte Forschung und Entwicklung in ganz Europa.

Den richtigen Anbieter finden

Forschungseinrichtungen sind bei der Auswahl ihres Cloud-Anbieters im OCRE-Framework nicht an eine feste Reihenfolge gebunden. Entscheidend ist, dass der gewählte Dienstleister zu den spezifischen Anforderungen der Institution passt. Besonders wichtig ist fundierte Erfahrung im wissenschaftlichen Umfeld. Ein Anbieter sollte nicht nur technisches Know-how mitbringen, sondern auch mit den Besonderheiten von Forschungsnetzwerken vertraut sein – idealerweise durch langjährige Zusammenarbeit mit Hochschulen und Instituten.

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Zudem ist Multicloud-Kompetenz gefragt. Da hybride Cloud-Lösungen heute Standard sind, sollte der Anbieter alle relevanten Plattformen wie AWS, Azure und Google souverän abdecken können. Gleichzeitig muss er Datenschutz und digitale Souveränität gewährleisten, damit sensible Forschungsdaten stets unter Kontrolle bleiben. Eine starke lokale Präsenz – etwa in der DACH-Region – ist ebenfalls von Vorteil. Sie erleichtert die Kommunikation, beschleunigt Prozesse und stärkt die Datenhoheit.

Nicht zuletzt zählen Flexibilität und ein breites Service-Portfolio. Forschungseinrichtungen haben wechselnde Anforderungen – ein guter Anbieter bietet hierfür passende, skalierbare Lösungen. Zertifizierungen in Bereichen wie Education, Non-Profit oder Digital Sovereignty geben zusätzliche Sicherheit bei der Auswahl.

In der aktuellen dritten OCRE-Vergaberunde gibt es mehrere Anbieter pro Cloud-Plattform (AWS, Azure, Google Cloud). SoftwareOne beispielsweise kann alle drei Cloud-Plattformen über OCRE abdecken. Spezielle Abrufverträge (Call of Agreements) vereinfachen den Beschaffungsprozess für Institutionen zusätzlich. Diese vorkonfigurierten Dokumente ermöglichen es Einrichtungen, schnell und unkompliziert Cloud-Ressourcen über den Rahmenvertrag zu beziehen – mit voller Transparenz zu Konditionen, Zuständigkeiten und Leistungsumfang.

Kaskadierendes Procurement – flexibel, rechtskonform, forschungsfreundlich

Ein zentrales Element des OCRE-Rahmenvertrags ist das sogenannte kaskadierende Procurement. Dieses Beschaffungsmodell sieht vor, dass pro Cloud-Plattform (zum Beispiel AWS, Microsoft Azure, Google Cloud) mehrere Anbieter in einer festen Rangfolge zugelassen sind. Organisationen sind angehalten, zunächst den jeweils erstplatzierten Anbieter anzufragen.

Wenn der Erstplatzierte bestimmte Anforderungen – etwa in Bezug auf digitale Souveränität, Non-Profit-Expertise oder Edu-Zertifizierungen – nicht erfüllen kann, darf ohne Ausschreibung auf nachrangige Anbieter zurückgegriffen werden. Das Verfahren ist vollständig EU-konform und wurde entwickelt, um gerade in der Wissenschaft langwierige Vergabeprozesse zu vermeiden.

Cloud-Services beziehen ohne Kopfschmerzen

Das OCRE-Framework bietet eine entscheidende Lösung für Forschungseinrichtungen, Universitäten und Non-Profit-Organisationen, die Cloud-Services effizient, kostengünstig und rechtssicher nutzen möchten. Durch die zentrale Ausschreibung über Géant entfällt der bürokratische Aufwand individueller Vergabeverfahren, während gleichzeitig attraktive Rabatte und reduzierte Datenübertragungskosten den finanziellen Druck auf Institutionen verringern.

Allerdings bleibt die Auswahl des richtigen Anbieters essenziell. Neben technischer Expertise sind Multi-Cloud-Kompetenz, Datenschutzkonformität und eine starke regionale Präsenz entscheidende Kriterien für die Wahl eines passenden Partners. Mit OCRE erhalten europäische Forschungseinrichtungen nicht nur Zugang zu modernsten Cloud-Technologien, sondern auch die Sicherheit, ihre digitalen Infrastrukturen nachhaltig und compliant zu gestalten – ohne unnötige Komplexität oder regulatorische Hürden.


* Der Autor Florian Schultz ist Global Public Sector Leader bei SoftwareOne und seit zwölf Jahren im Unternehmen tätig. Er verfügt über 20 Jahre internationale Führungserfahrung in High-Tech, Plattformlösungen, Cloud- und KI-Bereichen. Schultz betreut Kunden aus den Bereichen Bildung, Non-Profit-Organisationen und Gesundheitswesen und ist zentraler Ansprechpartner für den OCRE-Vertrag, den SoftwareOne mit drei Hyperscalern in der DACH-Region vertritt.

Bildquelle: SoftwareOne

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