Wie Entwickler mit modernen Technologien arbeiten

Mit Innovation Labs zu neuen Ideen und deren Umsetzung

| Autor / Redakteur: Ingolf Hohensee* / Florian Karlstetter

„Es lebt!“ - Mit Innovation Labs neue Ideen zum Leben erwecken und in die reguläre IT überführen.
„Es lebt!“ - Mit Innovation Labs neue Ideen zum Leben erwecken und in die reguläre IT überführen. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / Pixabay)

Die IT-Versuchslabore großer Unternehmen haben verschiedene Schwerpunkte und Namen, wie Innovation Labs, Digital Lab oder Kreativ-Lab. Aber sie haben alle denselben Zweck: Neue Technologien und neue Anwendungen erschaffen und testen, mit dem Ziel diese in die reguläre IT zu übernehmen. Auf dem Weg zur nächsten Innovation erproben und verwenden Entwickler neueste Technologien, wie zum Beispiel Container, Blockchain, Microservices oder OpenWhisk.

Entwickler nutzen die jeweils modernsten Open-Source-Tools und sind in der Regel frei in der Wahl der Mittel – schließlich soll eine Innovation nicht schon im Vorfeld an Regularien scheitern. Viele Innovation Labs wenden wie selbstverständlich Public Cloud Services an, um Zugang zu beliebigen Arbeitsumgebungen und vielfältigen Diensten zu bekommen. Aber dieser einfache und schnelle Zugang birgt auch Risiken.

Um neue Ideen zu entwickeln, die auch wirklich gebraucht werden, müssen im Endeffekt Entwicklung und Betrieb miteinander reden und sich koordinieren. Ein Ziel sollte sein, ein untereinander abgestimmtes Entwicklungs- und Betriebsportfolio einzusetzen. Die Lösungen sollten idealerweise über einen Self-Service-Katalog zugänglich gemacht werden. Entwickler können sich die benötigten Tools dann einfach selber installieren und ihre Ideen so schneller umsetzen. Damit sinkt auch die Gefahr, dass Ideen früh versanden, weil die Kreativen auf neue Tools warten müssen.

Wie kommt man aus dem Labor ins echte Leben?

Die Freiheiten der Clouds und die praktischen Anforderungen der IT, die keine akademischen Orchideen, sondern konkret anwendbare Entwicklungen brauchen, sind unter Umständen aber auch Hindernisse bei der Anwendung und Umsetzung in Produktivbetrieb. Denn Unternehmen brauchen eine möglichst reibungslose Überführung der neuen Applikationen in den laufenden Betrieb. Schon einfache Fragen können hier gravierende Probleme aufzeigen: Haben die Innovation Labs nur Technologien verwendet, die auch im Unternehmen unterstützt werden?

Fehlende Governance ist hier das Stichwort. Wären Aufbau und Betrieb der benutzten Tools und Lösungen aus den Innovation Labs im regulären Rechenzentrumsbetrieb, also im großen Rahmen, überhaupt möglich? Sind die neuen Anwendungen so aufgebaut, dass die Public Cloud ein sicherer Bestandteil der Lösung bleiben kann – sodass interne oder externe Regularien einer Nutzung nicht entgegenstehen? Wo liegen im Betrieb dann die Kundendaten, in der Public Cloud oder im eigenen Rechenzentrum? Und wie wird der Austausch zwischen dem Innovation Lab und den Nutzern der neuen Lösungen sichergestellt, um Lerneffekte zu erzielen?

Plattform-Lösungen als Antwort

Die Freiheit eines Innovation Labs scheint im Gegensatz zu den Anforderungen eines Rechenzentrums und dessen Betrieb zu stehen. Der Anschein trügt jedoch, denn es gibt viele Ideen und einfache Ansätze, diese Knackpunkte zu entschärfen und in eine stabile und nachhaltige Lösung zu überführen – mit Software-Plattformen. Solche Softwarelösungen, wie zum Beispiel IBM Cloud Private, werden hinter der Firewall im eigenen Rechenzentrum installiert und verbinden Infrastructure as a Service, Plattform as a Service, Developer Services und Multi-Cloud-Management in einer einheitlichen Plattform für die Entwicklung und den Betrieb.

Wenn man flexibel bleiben will, empfiehlt es sich, auf Open-Source-Lösungen und einen Self-Service-Katalog für die Nutzer zu setzen. Möchte ein Entwickler ein neues Open-Source-Tool einsetzen, erfolgt eine kurze Abstimmung mit den IT-Kollegen, die diese Lösung prüfen. Mit der Aufnahme des Tools in den Katalog steht es sofort für alle Projekte zur Nutzung bereit.

So eine integrierte Entwicklungs- und Betriebsplattform nutzt beiden Bereichen: Der IT-Betrieb hat damit ein zentrales Instrument an der Hand, um der Entwicklung geeignete Werkzeuge bereitzustellen. Technisch befinden sich diese auf derselben Plattform wie die regulär betriebene IT-Umgebung. Erfüllt eine neue Lösung im Testbetrieb alle Anforderungen und kann produktiv eingesetzt werden, muss sie quasi nur „rübergeschoben“ und in den regulären Betrieb übernommen werden. Sie verlässt die Plattform dabei nicht, was Reibungsverluste und die Gefahr von Doppelarbeiten reduziert. Und: Es geht einfach schneller.

Viele Sicherheitsanforderungen werden allein schon dadurch erfüllt, dass solche integrierten Plattform-Lösungen komplett im eigenen Rechenzentrum laufen. Um Dienste aus der Public Cloud oder auch der Multi-Cloud zu nutzen, braucht es dann private APIs und Werkzeuge zur Anbindung sowie für das Management der verschiedenen Clouds.

Durchlässigkeit als größte Stärke der Technologieplattform

Der eigentliche Sinn neben praktischen Überlegungen ist die Durchlässigkeit von solchen Plattform-Lösungen. Sowohl die Innovation Labs als auch die produktiven Rechenzentren arbeiten auf derselben Plattform – dieses Konzept der technischen Zusammenführung beider Welten nennt sich auch DevOps. So werden Medienbrüche vermieden und ein hocheffizientes Arbeiten ermöglicht, ohne die Kreativität der Innovation Labs zu stören. Der Kreativitätsprozess findet in der Entwicklung statt. Und je schneller eine geeignete neue Applikation live ist, desto schneller bekommen die Entwickler Feedback über die Anwendung und deren Performance. So können sie schneller Anpassungen vornehmen, um die Applikation zu verbessern und schließlich die Kundenzufriedenheit zu steigern.

Die Anwendungsbeispiele, was man mit diesen Innovations-Werkzeugen anstellen kann, sind absolut vielfältig. Vieles ist damit möglich und wird auch bereits in der Praxis erprobt, vom Erstellen neuer Kundenportale über Einbindung von Chatbots bis zu Analytics für bessere Kundenerfahrungen und Produktvorschläge: Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Die Cloud als Kreativ-Beschleuniger

Gemeinsam haben all diese Anwendungen, dass sie in der Cloud laufen. Die Cloud-Lösungen beschleunigen vor allem Prozesse, sodass kreative Ideen schneller umgesetzt werden können. Templates und automatische Verteilung ermöglichen die Bereitstellung von Entwicklungs- und Laufzeitumgebungen in kürzester Zeit, statt diese Prozesse manuell in Einzelschritten abwickeln zu müssen. Ohne diese Hilfen kann die Bereitstellung von neuen Umgebungen oft Monate dauern. Außerdem bieten Clouds zahlreiche Services, die ein normales Unternehmen selbst nicht entwickeln kann, z. B. umfassende Analysefunktionen.

Aber natürlich kann man auch ohne die oben beschriebene Plattformlösung gemeinsam innovative Anwendungen entwickeln. Die neuen Lösungen werden dann von der Innovationsabteilung erstellt und mittels eines vom Unternehmen definierten „klassischen“ Prozesses in die Produktion überführt. Dafür ist es essentiell, dass die Kommunikation zwischen beiden Bereichen sehr gut läuft. Vor allem müssen die gegenseitigen Rahmenbedingungen transparent sein und auch befolgt werden.

Ingolf Hohensee, Cloud DevOps Sales Leader IBM Deutschland, Österreich und Schweiz.
Ingolf Hohensee, Cloud DevOps Sales Leader IBM Deutschland, Österreich und Schweiz. (Bild: IBM)

Ohne gemeinsame Plattform besteht dabei jedoch immer die reale Gefahr, dass die Entwicklungsabteilung Komponenten entwickelt, die später gar nicht im Betrieb durch die IT-Abteilung unterstützt werden. Container-Technologien sind dann ein Mittel, die Applikationen schnell zu verschieben, denn sie bilden in diesem Fall den gemeinsamen Nenner zwischen Entwicklung und Betrieb.

Das beschriebene Konzept, beide Bereiche näher zusammenzuführen, heißt DevOps. Mit integrierten Entwicklungs- und Betriebsplattformen ist die technische Zusammenführung gegeben und alle Bereiche arbeiten nach gemeinsamen Standards, sodass sich neue Ideen schneller produktiv nutzen und umsetzen lassen. Einheitliche Plattformen sind daher der mittel- und langfristig bessere und schnellere Weg zu mehr Kreativität und zu mehr Innovation.

Der Autor: Ingolf Hohensee, Cloud DevOps Sales Leader IBM Deutschland, Österreich und Schweiz.

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