Himmlisch: Die Ökumene-Cloud

Luther und der Papst auf einer Wolke

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Kirchen in Deutschland und ihr Weg in die Cloud.
Kirchen in Deutschland und ihr Weg in die Cloud. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

500 Jahre haben sie sich ordentlich die Köpfe eingeschlagen, nun machen katholische und evangelische Kirche gemeinsame Sache – nicht unbedingt beim Glauben, aber immerhin bei der Nutzung der Cloud.

Die Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland (WGKD) ist eine Einrichtung, die sowohl für katholische als auch evangelische Organisationen Dienste und Produkte aller Art – vom Kopiererpapier über Putzutensilien bis hin zu Hard- und Software – ordert und entsprechende Rahmenverträge aushandelt. Einer der jüngsten wurde mit der Microsoft Deutschland GmbH über eine gemeinschaftliche Cloud-Nutzung abgeschlossen.

Die Vereinbarung gilt für mehr als fünf Millionen Anwender aus gemeinnützigen und kirchlichen Verbänden, darunter DRK, AWO, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Diakonie, Caritas sowie katholische und evangelische Kirche. Sie umfasst sämtliche Produkte von Microsoft, die über die europäische sowie die Microsoft Cloud Deutschland verfügbar sind, darunter Azure, Office 365 und Dynamics 365. Mit Azure bietet Microsoft bekanntlich eine Vielzahl an Diensten wie virtuelle Server, Datenbanken oder Authentifizierung an, die Unternehmen an eigene Netzwerke anbinden und komplett in der Cloud betreiben können.

Nach Angaben der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) habe für die Kirchen bei den Software-Lizenzen bisher der Rahmenvertrag von Microsoft mit dem Bundesinnenministerium gegolten. Er umfasse jedoch keine Cloud-Lösung, entsprechend war nun ein neuer Rahmenvertrag nötig. Solche Rahmenverträge können Preisvorteile von teilweise über 50 Prozent gegenüber Einzelverträgen bieten.

Die nun unterzeichnete neue "Cloud-Globallösung" soll die IT-Abteilungen der kirchlichen Institutionen entlasten und ihnen Kapazitäten für Innovationen eröffnen. Die WGKD erwarte eine stufenweise Nutzung der neuen Cloud zunächst vor allem beim E-Mail-Verkehr. Hierzu besteht bereits geraume Zeit ein Rahmenvertrag mit T-Systems über die Nutzung von De-Mail vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Sicherheit war ein großes Anliegen

Auch das Thema Sicherheit habe großen Einfluss auf die Entscheidung für Microsoft gehabt. Die WGKD hat laut KNA darauf bestanden, dass die Daten der Kirchen und Wohlfahrtsverbände auf deutschem Boden gehosted werden. Tatsächlich konnte Microsoft entgegen früher weit verbreiteten Ressentiments für seine „deutsche Cloud“ sehr viel Anerkennung einsammeln, gerade im Hinblick auf den Datenschutz und die Sicherheit von Daten. Zuletzt erhielt die Cloud-Plattform Azure Deutschland ein Testat nach dem Anforderungskatalog „Cloud Computing Compliance Controls Catalogue“ (C5), der vom BSI entworfen wurde.

Neben der C5-Testierung wurden ausgewählte Cloud-Dienste von Azure Deutschland auch auf Grundlage der Sicherheitsmaßnahmen der Cloud Controls Matrix (CCM) geprüft. Die getesteten Trust-Prinzipien Sicherheit, Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit der Service Organization Controls (SOC) stimmten mit den bereits seit langem bestehenden Zusagen von Microsoft im Hinblick auf Sicherheit, Datenschutz und Transparenz überein.

Cloud sorgt für Nachhaltigkeit

„Mit der Unterzeichnung des Rahmenvertrags streben wir eine langfristige Verbindung an, die auch die Umsetzung der verhandelten Dienste beinhaltet“, kommentierte Rainer Gritzka, Geschäftsführer der WGKD, das Abkommen. „Gerade die Digitalisierung benötigt strategische Partnerschaften zwischen Verbänden, Organisationen und einem der führenden Technologiehersteller wie Microsoft.“

Neben dem WGKD hat die Vereinbarung auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. (BAGFW) unterzeichnet. Sie ist die gemeinsame Arbeitsplattform der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, als da sind AWO, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Rotes Kreuz, Diakonie und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

„Mit dem Rahmenvertrag öffnen wir den gemeinnützigen Verbänden und ihren Mitgliedern den für die Digitalisierung unverzichtbaren Weg in die Cloud. Es ist unser erklärtes Ziel, diese Organisationen, ihre Mitarbeiter und die vielen hunderttausend ehrenamtlichen Helfer bei ihrer Arbeit zu unterstützen“, so Andreas Kleinknecht, Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland und zuständig für das Public-Sector-Geschäft.

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